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Stadtgeschichte: Bolzensack-Quelle 300 Jahre alt

21.06.2012

WILDESHAUSEN „Anno 1712 den 3. Juni haben wir den Brunnen oben in der Düsternstraße ausgegraben. Von uns, Dietrich Becker, Anton Barghorn, Bartholomewe Diersen, Sander Keyser und Willem Barber Soßmanns, und hat jeder darzu außgethan 4 rth. ohne dass was noch dazu gegeben und gesammlet.“ So lautet der erste Eintrag ins Pumpenbuch der Pumpengemeinschaft Obere Düsternstraße (Bolzensack) in Wildeshausen, fein säuberlich vorgenommen mit „Gänsekiehl und Gallustinte“.

Inzwischen führt Dorothea Kuck, aktuelle Schriftführerin der Pumpengemeinschaft, das altehrwürdige Buch und greift dabei gerne auch auf einen modernen Kugelschreiber zurück. Aufzuschreiben hat sie in diesem Jahr viel, denn die Gemeinschaft feiert ihr 300-jähriges Bestehen.

„Die Aufgabe der Pumpengemeinschaft und des Pumpenwartes war früher immens wichtig, denn von der Pflege und Wartung der Pumpe hing es ab, ob die Wasserversorgung in der Straße klappte“, berichtet der aktuelle Pumpenwart Rudolf Boning.

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Bis 1920 wurde das Pumpenbuch sorgfältig geführt. Dann schlief es ein, und auch die Pumpe wurde 1930 abgerissen, da die meisten Anlieger inzwischen eigene Brunnen hatten bzw. an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen waren.

1986 – parallel zur Sanierung der Düsternstraße – wurde auf Anregung der Anlieger eine neue Pumpe an historischer Stelle errichtet und die Pumpengemeinschaft neu zum Leben erweckt. Beibehalten wurde auch der alte Name „Bolzensack“, der darauf hindeutet, dass es in der Vergangenheit viele Kater (plattdeutsch „Bolzen“) in der Düsternstraße gab. Dafür spricht auch, dass die Pumpengemeinschaft am unteren Teil der Düsternstraße „Kattenbüdel“ hieß.

„ Zum Trinken ist das Wasser der ,Bolzensack-Quelle’ heute leider nicht mehr geeignet, aber zum Blumengießen“, erzählt Dorothea Kuck. Und Blumen müssen reichlich gegossen werden, denn die Pumpengemeinschaft hat das Areal rund um die Pumpe in eine grüne Oase samt gemütlicher Sitzecke verwandelt.

Doch damit nicht genug: „Am jährlichen ,Tag der Abrechnung’ Anfang November treffen wir uns zum Kassensturz und gemütlichen Gespräch“, führt Rudolf Boning aus. Dann werde zudem der sechs Meter tief reichende Bolzen ausgebaut und die Pumpe winterfest gemacht. Jedes Jahr im Mai trifft sich die Gemeinschaft der Hauseigentümer wieder zum Anpumpen. „Erst seit 1986 dürfen übrigens Frauen am ,Tag der Abrechnung’ teilnehmen“, schmunzelt Dorothea Kuck. Inzwischen sei der Pumpenmeister sogar schon drei Jahre nacheinander weiblich gewesen.

Bei den geselligen Anlässen wird auch gerne die „Bolzensack-Hymne“ gesungen, die die ehemalige Anwohnerin Magda Cohn für die älteste Wildeshauser Pumpengemeinschaft geschrieben hat.

Das 300-jährige Bestehen hat die Pumpengemeinschaft „Bolzensack“ mit einem Überraschungsausflug ins Teufelsmoor gefeiert. Auch das wird natürlich ordentlich im Pumpenbuch vermerkt, dessen Original seit 1986 wohlbehalten im Staatsarchiv Oldenburg liegt.

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Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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