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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Brennend     heiß auf Geschichte

16.08.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T14:08:30Z 280 158

Museum:
Brennend     heiß auf Geschichte

Westerholt „Hier sind es 1200 Grad warm. Hereinspaziert.“ Ein weißhaariger Herr, schemenhaft zu erkennen, steckt seinen Kopf aus dem Ofen. „Brennmaterial kommt von oben. Torf.“ Er zeigt zur gewölbten Decke – und entschwindet in der Finsternis.

Bei Tageslicht, am milden Augustmorgen betrachtet, verwandelt sich das schattige Wesen in Edgar Rumpf: den ersten Vorsitzenden des Museumsvereins der alten Ziegelei Westerholt und sagt Sätze wie „wir haben hier ein Alleinstellungsmerkmal.“ Damit meint er den Hoffmannschen Ringofen, der von 1840 bis 1966 hier im Akkord Ziegel gebrannt hat – bei 1200 Grad.

„Damals war das eine Revolution“, sagt der Oldenburger. Irgendwann nicht mehr. Da lag das Grundstück brach, moderte vor sich hin. Dann kam die Wende. Neben der deutschen auch die für das alte Fabrikgelände: 1991 hat die Gemeinde Wardenburg das unter Denkmalschutz stehende Stück Land gekauft und in die Obhut des daraufhin gegründeten Vereins übergeben. „Das erste Jahrzehnt bestand aus Aufbauarbeiten“, sagt der zweite Vorstand, Heinz Wellmann – „Damals stand hier nichts mehr. Nur noch Mauern.“

Die Maschinen und Werkzeuge vergangener Zeiten hat der Verein aus allen Winkeln des wiedervereinigten Landes zusammengetragen und in Westerholt zu einer annähernd originalgetreuen Patchwork-Fabrik verschmolzen. Sogar eine Dampfmaschine steht hier. „Fertig sind wir nie“, sagt Edgar Ruhm und blickt zu dem riesigen Schornstein, der über seinem Kopf in den Himmel ragt. Die Reparaturen am Ringofen hat er selbst als pädagogischer Leiter einer Gruppe der Ländlichen Erwachsenenbildung begleitet. Nicht nur die Katakomben des Feuers kennt er aus den FF: Als Gästeführer beginnt er mit den Museumsbesuchern gern in der Eiszeit – „die hat uns den Lehm hinterlassen.“ Aufgearbeitet wurde dieser im sogenannten Kollergang – einer Art überdimensionaler Küchenmaschine, die die Masse gleichmäßig verrührt hat. Der 58-Jährige dreht an einem der schweren Metallräder. Es quietscht und knarrt und Heinz Wellmann raunt: „Früher haben Kinder den Lehm treten müssen.“

Heute dürfen kleine Museumsgäste in der Lütje Teegelei selbst Ziegel herstellen. Erwachsene können, je nach Interesse, auf den Spuren der Zeit oder technischen Pfaden wandeln. Fünf verschiedene Vereinsmitglieder bieten unter der Woche am Vormittag Führungen an – mit vorheriger Anmeldung auch sonnabends und sonntags. Ausflügler kriegen Bratwurst und Kaffee, Eilige eine Kurzzusammenfassung der Geschichte.

Wer sich von der glühenden Begeisterung der Gastgeben anstecken lässt, darf weißhaarigen Herren in den Ofen folgen – und entdeckt auch versteckte Mosaike der Zeitgeschichte: „Nach Tanzbällen sind junge Paare hier her gekommen und haben sich aufgewärmt.“
Anmeldungen unter Telefon  0 44 07/7 161 56 


Mehr Infos unter   www.ziegeleimuseum-westerholt.de