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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Seinem Traum ein Stück näher

10.07.2018

Brettorf /Harpstedt In seinem Leben drehte sich immer alles um Musik – auch wenn der Erfolg auf sich warten lässt. Andreas „Andi“ Weiss aus Brettorf ist Straßenmusiker. Seine Bühnen sind seit Jahren Fußgängerzonen – bis jetzt. Am Samstag, 28. Juli, tritt er in der Kneipe Zur alten Herberge in Harpstedt auf. Ein Zufall verhalf ihm zu diesem Auftritt. Alles begann im Krankenhaus.

„Für eine Untersuchung musste ich ein paar Tage im Krankenhaus sein. Irgendwann hielt ich die Langeweile nicht mehr aus und stellte mich mit meiner Gitarre vor den Eingang“, sagt der 53-Jährige. Sandra Tobihn, die zur selben Zeit im Krankenhaus lag, kam vorbei. Sie bemerkte den singenden Gitarristen – und engagierte ihn gleich für einen Auftritt in der Harpstedter Kneipe, in der sie arbeitet.

Musik für Passanten

So ein Angebot sei ein echter Glücksfall für Weiss, der gebürtig aus Celle kommt. Sonst steht er in Delmenhorst auf der Straße, macht Musik für Passanten, und das bei jedem Wetter. Schon in seiner Jugend und Studentenzeit hat er eigene Demos angefertigt, ist bei Veranstaltern vorstellig geworden. Doch der erhoffte Ruhm wollte sich nicht einstellen.

Mit 13 Jahren entdeckte er das Gitarrespielen für sich. Nach einer Schülerband folgte ein Studium der Sonder- und Musikpädagogik in Hannover. Anschließend arbeitete er eine Weile in einem Heim für geistig behinderte Erwachsene. „Mit denen habe ich gesungen, Bewegungslieder gespielt und das Rhythmusgefühl trainiert.“ Doch sein Traum lag woanders: „Ich wollte immer auftreten. Sehen, wie die Menschen von meiner Musik berührt werden, meine eigenen Lieder mitsingen.“

Also ging es für ihn raus aus dem Job, ab nach Delmenhorst und Musik „für lau machen“. „Bei meinem ersten Straßenauftritt fühlte ich mich unwohl. Es war chaotisch, meine Noten wehten weg, es war kalt“, erinnert sich Weiss. Überdacht vor einem Edeka stand er. Den Gitarrenkoffer offen davor und immer zwei CDs dabei. „Falls doch mal jemand eine kaufen will.“ Diese fertigte er komplett in Eigenregie zu Hause an. Die erste entstand 2003, trägt den Titel „Out of Disguise“. Das Aufnehmen habe er sich selbst beigebracht. Am Anfang habe das lange gedauert. „Für die erste CD brauchte ich ein dreiviertel Jahr.“

Schon ulkige Sachen seien ihm auf der Straße passiert. Einmal habe ihm ein Passant einfach so ein Eis geschenkt.

Vor anderthalb Jahren zog er in Brettdorf mit seiner Partnerin zusammen. In der ländlichen Umgebung zur Ruhe kommen, mit Hund Yanni spazieren gehen, das schätze der 53-Jährige momentan.

2017 folgte die zweite CD, „Interval(l)“. Dort mischt er, singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch. „Auf den CDs sind keine Cover, da singe ich meine Eigenkompositionen.“ Vorbilder hat er viele, im Bereich Rock, Balladen, Folk: die Beatles, Neil Young, Cat Stevens, aber auch Wolfgang Petry und Reinhard Mey.

Um sich gesanglich fortzubilden besuchte er Seminare, zum Beispiel in Salzgitter. Dort lernte er Gesangstechniken von Jane Comerford, die als Sängerin in der Band Texas Lightning international bekannt wurde. Ein Lob der berühmten Sängerin wird Weiss nie vergessen: „Sehr resonant und kräftig“, sei seine Stimme.

Gegner lauter Musik

Auch, wenn er sich an Rockmusik gerne orientiert, gibt es etwas, was Weiss anders macht, und was ihm auch wirklich wichtig ist. „Ich spiele nie sehr laut, ich bin ein Gegner von zu lauter Musik.“ In früheren Bands drehten diese die Boxen gerne ordentlich auf. „Dann muss man sich als Sänger immer die Seele aus dem Leib schreien und man hört sich selbst nicht mehr“, sagt der Brettorfer.

Momentan spielt er auf einer Yamaha Akustik-Gitarre. Zu Hause hat der 53-jährige Musiker aber noch einige Gitarren mehr. Insgesamt acht Instrumente nennt er sein Eigen.

Neben seiner zwölfsaitigen Gitarre hängt dort auch noch die allererste, die er damals als Kind von seinen Eltern geschenkt bekam. Eigentlich kein teures Modell, doch für Weiss hat sie unschätzbaren Wert. Vielleicht bringt sie ihm Glück am 28. Juli, wenn er ab 20 Uhr auf der Bühne steht. Der Eintritt ist frei.

Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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