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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Vielfalt mit dem Spaten erhalten

03.01.2018

Colnrade Ein Seminar an der Uni Vechta hatte 2016 den Anstoß gegeben. „Nachhaltigkeit“ lautete das Thema. Die Teilnehmer sollten versuchen, ein Essen nur aus regionalen Lebensmitteln zu zaubern. Genau das Richtige für Sophie Lindemann, Studentin der Kultur-Wissenschaften und Design-Pädagogik: In puncto kreatives Kochen, „da bin ich affin“. Was dann entstand, war allerdings viel mehr als „nur“ ein Gericht: Die Colnraderin führte das Thema weiter in einem eigenen Blog und griff es jetzt auch in ihrer Bachelor-Arbeit auf – mit einem auch für sie selbst überraschenden Ergebnis.

Gemüsebrühe selbst gemacht

Zutaten: ½ Knollensellerie, 2 Möhren, 1 Stange Lauch, 2 Zwiebeln, ½ Bund Petersilie, ½ Bund Schnittlauch, 1 Kästchen Gartenkresse, 170 g Salz.

Zubereitung: Zuerst das Gemüse klein schneiden und mit einem Schneidmixer zerhacken. Kräuter hinzu und weiter häckseln. Salz unterheben und in drei bis fünf abgekochte Schraubgläser geben.

Mehr Rezepte von Sophie Lindemann unter

Mehr Rezepte von Sophie Lindemann unterwww.wat-to-eten.de

Aber von Anfang an. „Man denkt, es ist unheimlich schwer“, erinnert sich die 26-Jährige an die kulinarische Herausforderung vor einem Jahr: Sämtliche Bestandteile des winterlichen Essens sollten aus einem Umkreis von 100 Kilometern kommen. Also steuerte sie den Hofladen Helms in Lohmühle an, suchte zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder auch im Bioladen in Wildeshausen. Am Ende kreierte sie einen Kürbis-Grünkohl-Auflauf nach Art eines italienischen Omeletts (Frittata), dazu Kartoffelpüree und Pilz-/Zwiebelpfanne, als Vorspeise einen Salat, zum Nachtisch einen Apfel-Käse-Kuchen.

Durch die Herausforderung quasi „auf den Geschmack gekommen“, machte die Studentin weiter. Anfang 2017 begann sie ihren Blog „Wat-to-eten.de“ – in dem sie seither Rezepte für regionale und saisonale Produkte für alle Jahreszeiten vorstellt – auch, weil es ein Stück weit „verrückt“ sei, „dass wir als Bewohner der norddeutschen Region so viel frisches Gemüse tagtäglich aus aller Welt konsumieren, aber das Gefühl für die Saisonalität von unserer Nahrung, was tatsächlich vor Ort produziert werden kann, verlieren“.

Ihre Bachelor-Arbeit schrieb die Colnraderin schließlich im Fach Philosophie bei Prof. Dr. Jean-Christophe Merle. „Warum sollten wir regional basiert essen?“ lautete das Thema. Die 26-Jährige analysierte ethische Motive und zugrunde liegende Werte.

Und das Ergebnis? Anfangs, so räumt Sophie Lindemann ein, habe sie eine recht radikale Position vertreten: Es gelte, sich konsequent auf regionale Produkte zu konzentrieren, um regionale Märkte zu stärken und die Biodiversität zu erhalten. Schon aus ökologischen Gründen solle man sich verabschieden von den riesigen globalen Lebensmitteltransporten.

Diese Position habe sie heute nicht mehr. „Wir sollten nicht komplett auf überregionale Lebensmittel verzichten“, ist sie jetzt überzeugt. Denn zum einen seien die Transporte auch ein Stück Ausgleich, sie könnten Regionen helfen, in denen die Ernte gering sind. Zum anderen sei es ökologisch nicht besser, wenn hierzulande zum Beispiel im Winter mit hohem Energiebedarf in großflächigen Gewächshäusern Tomaten hergestellt werden.

Ihre Arbeit, so sagt Sophie Lindemann, habe aber noch ein anderes Fazit: Es sei das Plädoyer, selbst Lebensmittel anzubauen – „und wenn es nur im ganz Kleinen ist“. Wenn das zur Massenbewegung werde, könne es durchaus zum Erhalt der Biodiversität etwas beitragen. Und es helfe, sich verstärkt Gedanken über eine wichtige Frage zu machen: „Was esse ich überhaupt?“

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