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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Leben Nach Dem Schlaganfall: „Ich musste alles neu lernen“

09.05.2015

Ganderkesee Es geschah im Auto, am 29. August 2007. Beate Thiemann saß am Steuer, als sie in voller Fahrt einen Schlaganfall erlitt und frontal in einen Lkw krachte. Auf dem Rücksitz die Kinder ihrer Schwester, Moritz (4) und Johanna (6). Die drei waren auf dem Rückweg von einem Besuch im Freizeitpark in Minden, Moritz und Johanna hatten vorher ein paar Tage bei ihrer Tante in Ganderkesee verbracht. Die Kinder blieben nahezu unverletzt, Beate Thiemann wurde ins Krankenhaus in Minden eingeliefert.

„Das alles weiß ich nur aus Erzählungen“, sagt Beate Thiemann heute über den Moment, der ihr altes Leben beendete. Auch, dass die Kinder vorher bei ihr waren, die Erinnerungen an einen Ausflug zum Schwimmbad in Oldenburg – alles weg.

Anhand des Kennzeichens identifizierten die Einsatzkräfte Beate Thiemann und informierten ihre Familie, die sofort ins Mindener Krankenhaus kam. „Ich weiß nicht, ob Ihre Tochter die Nacht überlebt“, sagte der Arzt, der Beate Thiemann in einer Operation das Blutgerinnsel aus dem Gehirn entfernte. Zwei Wochen lag die Ganderkeseerin im Koma, dann wurde sie ins Evangelische Krankenhaus in Oldenburg verlegt. Bis zum 15. Juli 2008, fast ein ganzes Jahr, musste sie dort bleiben.

Nächste Station war die Reha in Friedehorst, bis 30. Oktober blieb Beate Thiemann dort. Danach durfte sie wieder nach Hause, im Rollstuhl. „Ich musste alles neu lernen“, sagt die 51-Jährige, die seit dem Schlaganfall linksseitig gelähmt ist und vor allem mit Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen hatte. Auch mit der Sprache hatte sie nach dem Schlaganfall Probleme, mühsam musste sie sich vieles erst wieder erarbeiten, was früher selbstverständlich war.

Selbsthilfegruppe Schlaganfall Ganderkesee/Bookholzberg

Die Selbsthilfegruppe möchte Schlaganfall-Patienten, deren Angehörigen und Freunden ein Forum für den Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung bieten. Das Ziel der Gruppe ist die Hilfe zur Selbsthilfe.

Marion Allstedt gründete die Gruppe im August 2005. Seit 2011 haben Heidi Ruge, Beate Thiemann und Jochen Busch die Leitung. Elf Betroffene und sieben Angehörige sind dabei. Das jüngste Mitglied ist 45, das älteste 80 Jahre alt.

Die Treffen sind alle zwei Wochen dienstags, 14 Uhr, im Wohnpark am Fuchsberg, Adelheider Straße 23, in Ganderkesee. Interessierte können sich telefonisch bei Heidi Ruge unter Telefon  0 42 22/89 70 melden.

Als Betreuerin wurde Thiemanns Mutter, damals 72, eingesetzt, da sie vorher keine Betreuungsverfügung aufgesetzt hatte. Als sie wieder zu Hause war, wollten ihre Geschwister Beate Thiemann eine Pflegerin zur Seite stellen, doch dagegen wehrte sich die Ganderkeseerin: „Ich wollte keine Fremde bei mir zu Hause haben.“ Am Anfang war ihre Mutter zwei Wochen rund um die Uhr bei ihrer Tochter, danach waren ihre Kräfte aufgezehrt. Sie erlitt einen Zusammenbruch und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Hilfe bekam Beate Thiemann dann von ihrem Bruder und ihrer Schwägerin, die direkt nebenan wohnen. „Irgendwie habe ich alles hinbekommen“, erzählt Thiemann, deren Wohnung behindertengerecht umgebaut wurde. „Ich bin so dankbar, dass ich meine Familie habe und alle mich so unterstützen“, freut sich die lebensfrohe 51-Jährige, die früher in der Altenpflege tätig war, was ihr auch bei der Bewältigung ihrer eigenen Schwierigkeiten half.

Vom Rollstuhl kämpfte sie sich an den Gehwagen und danach an den Handstock, mit dem sie auch heute noch unterwegs ist. Weiterhin macht sie Fortschritte: „Bis vor einem Jahr konnte ich keine Schuhe binden. Dann habe ich mich zu Hause hingesetzt und geübt und geübt – jetzt kann ich es wieder.“ Jeweils zwei Mal pro Woche geht Thiemann zur Ergotherapie und Krankengymnastik, seit Februar zusätzlich ins Fitnessstudio. Hinzu kommen alle 14 Tage die Treffen der Selbsthilfegruppe.

„Beate hat einen unheimlichen Willen und ist ein sehr positiver Mensch, das macht sehr viel aus“, sagt Heidi Ruge, die seit dem Schlaganfall ihres Mannes in der Selbsthilfegruppe ist. „Mein Leben hat sich von einen Moment auf den anderen komplett verändert“, sagt Beate Thiemann. „Andererseits bin ich dankbar für mein zweites Leben. Ich will mein erstes Leben gar nicht wiederhaben, das war viel zu stressig“, meint die Ganderkeseerin im Rückblick.

Mit dem Autofahren hat es sich für Beate Thiemann seit dem Unfall erledigt. Seit März 2014 hat sie aber ein Elektromobil, das bis zu 50 km/h schnell ist: „Das macht richtig Spaß“, lacht Thiemann.

Greta Block Volontärin / NWZ-Redaktion
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