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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Kultur: Der Wolf schleicht durch den Rhader Buchenwald

12.08.2013

Rhade Zwei ausverkaufte Veranstaltungen mit jeweils 250 Gästen: Die „Kultur am Hofe“ auf dem Gelände des Baudenkmals Gut Rhade bei Neerstedt erwies sich am Sonnabend als großes Zugpferd. Zahlreiche Gäste von nah und fern schauten sich auf dem Gut um, sahen unter anderem das gerade fertig erstellte Stallgebäude (durch EU- und Denkmalschutzmit-tel mitfinanziert) und genossen die ausverkauften Vorstellungen „Die Rotkäppchen-Variationen“ des Theaters Laboratorium Oldenburg mitten im Grünen.

Veranstaltungsort war der angrenzende Buchenwald auf dem Gut. Mit Lichteffektbeleuchtung fanden die Theaterbesucher den Weg durch den Mischwald. Am Abend zur zweiten Aufführung war der Effekt der Beleuchtung noch intensiver als noch am Nachmittag, der seinen Reiz durch die einfallenden Sonnenstrahlen unter den Baumkronen erhielt.

Pavel Möller-Lück unterstrich seinen guten Ruf als brillanter Puppenspieler einmal mehr, verstand es aber auch als Schauspieler, auf die besonderen Gegebenheiten spontan einzugehen. „Was stinkt hier so? Ist das Bio-Gas?“ oder zum Kommentar „Ist es nicht schön hier?“ fällt (un)passend ein Ast mit lautem Getöse aus der Baumkrone. Eine Einlage der Theatertechnik.

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Biogasanlagen gab es in den 60er-Jahren in der Lausitz natürlich nicht. Genau dort spielt aber das Stück um die Geschichte des „Gängers zwischen den Welten“ und die politischen Verhältnisse in der DDR. In der Lausitz fiel 1906 der letzte Wolf in Deutschland durch den Todesschuss, hier wurde aber auch fast 90 Jahre später eine Neuansiedlung vorgenommen. Der NABU informierte an einem Stand über das neuerliche Vorkommen von Wolfsrudeln.

In den Rotkäppchen-Variationen geht es Regisseur Pierre Schäfer (Berlin) in Zusammenarbeit mit Pavel Möller-Lück um das Unbehagen ob der Existenz eines Wolfes. Die faszinierende Fremdheit des Wesens wird als beängstigend, aber auch erotisch empfunden. Schönheit und „Intellekt“ erscheinen als unwiderstehlich. Eine Faszination, der sich auch Rotkäppchen als junge Frau, gespielt von Beatrice Bader, nicht entziehen kann und die ein Verhältnis zum Polizeihauptwachtmeister Jäger (Jonathan Went) hat, der den Wolf bewacht.

Undenkbar in der Lausitz in den 60er Jahren. Dr. Alfred Gallwitz (Pavel Möller-Lück) ermittelt für die Staatssicherheit in der abgelegenen Wachstube, in der der Wolf inhaftiert ist und ihm verhört werden soll. Aber der Wolf ist gewieft und macht seinem Gegner das Leben schwer. Schonungslos arbeitet er Widersprüche in den unbestellten Feldern des Dr. Gallwitz auf. Macht und Willkür treffen dabei auf Poesie und Kühnheit, bisweilen komisch und dann wieder traurig schön.

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