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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Diese Frau bittet Kapitäne zur Kasse

04.01.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-01-04T05:15:56Z 280 158

Schleuse in Oldenburg :
Diese Frau bittet Kapitäne zur Kasse

Hundsmühlen/Oldenburg Die Sonne glänzt auf dem Wasser der Hunte, Marion Minnemann sitzt gemütlich in ihrem Büro im Schleusenhaus. Heute hat sie ihren letzten Tag. Doch ganz Abschied nehmen von ihrem Beruf als Abgabenerheberin – das wird ihr schwer fallen. Seit sechs Jahren ist die 67-Jährige bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes beschäftigt.

Bevor sie anfing, bei der Schleuse zu arbeiten, saß die Hundsmühlerin in der Verwaltung einer Elektrofirma. Diese ging 2009 in Insolvenz. „Für mich war das Glück, dass hier gerade eine Stelle frei wurde. Denn mit 60 ist es schwierig, noch einen Job zu finden“, erzählt Minnemann. Die gelernte Bürokauffrau wusste zu Anfang gar nicht, was eine Abgabenerheberin macht. „Doch da kommt man schnell rein“, weiß Minnemann.

In ihrer Tätigkeit ist sie stetig in Kontakt mit den Kapitänen der Binnenschiffe. Wenn ein Schiff die Schleuse passiert, müssen die Schiffer „Schleusengeld“ bezahlen. Dafür müssen sie eine Abgabeerklärung ausfüllen, die Minnemann bearbeitet, indem sie die individuell fälligen Gebühren und Abgaben berechnet und dann einzieht. Die Schleuse muss sie nicht bedienen, denn sie wird seit einigen Jahren aus Bremen gesteuert. Besonders im Winter ist es ein eher ruhiger Job. „Gerade um Weihnachten kommen weniger Schiffe, die durch die Schleuse wollen. Dann sitze ich hier und lese Bücher oder löse Kreuzworträtzel“, erzählt die vierfache Mutter.

Sollte es zu einer Störung der 105 Meter langen Schleuse kommen, macht sich sofort ein Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes auf den Weg, um die Schleuse manuell zu bedienen. Doch meistens läuft alles reibungslos. Minnemann kümmert sich auch gerne um das Äußere der Schleuse: „Wenn mal nicht so viel los ist, mähe ich den Rasen oder fege im Winter den Schnee.“

Doch nun ist Schluss und Minnemann geht an diesem Donnerstag in den Ruhestand. Ihre Enkelkinder würden sich schon freuen, wenn ihre Großmutter nun mehr Zeit hat. Die 67-Jährige besitzt außerdem ein Pflegepferd, um das sie sich fortan mehr kümmern möchte. Eine größere Reise ist vorerst nicht geplant. „Das kommt später. Mein Mann und ich machen vielleicht ein paar Tagestouren. Aber ich mache jetzt erst einmal richtig frei.“

Ihren Job und den Kontakt zu den Schiffern wird sie vermissen. „Doch ich wohne direkt am Küstenkanal. Dann kann ich mich mal auf die Brücke stellen und winken, wenn ein Schiff vorbeifährt“, sagt Minnemann mit einem Lächeln im Gesicht.