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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Dieser Sender strahlt Sentimentalität aus

06.05.2017

Steinkimmen Mehr als 60 Jahre lang hat er nicht nur den Nordwesten zuverlässig mit Funk und Fernsehen versorgt – sondern auch das Landschaftsbild geprägt und Ausflügler angelockt: der Sender Steinkimmen, im Volksmund bekannt als „Fernsehturm“.

In der kommenden Woche soll der Rückbau des 305 Meter hohen Stahlrohrmastes beginnen – am Ende bleibt nur ein sechs Meter hoher Stummel zur Erinnerung zurück. Der Sendebetrieb wurde bereits auf den nebenan errichteten Gittermast umgelegt, der mit 280 Metern nicht ganz so hoch ist wie der rot-weiß geringelte alte Turm.

Aber der Fernsehturm Steinkimmen, nach seiner Fertigstellung 1956 für mehrere Jahre das höchste Bauwerk Deutschlands, war nie und ist bis heute nicht nur eine technische und funktionale Einrichtung – sondern auch ein Anziehungspunkt und Wegbegleiter für viele Menschen weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Deshalb hatte die NWZ in der vergangenen Woche ihre Leser aufgerufen, Erinnerungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit dem rot-weiß geringelten Giganten aufzuschreiben und einzusenden. Und das ist dabei herausgekommen:

Ausflüge mit dem Rad

Ich bin 1956 geboren und in Rhade (Gemeinde Dötlingen) groß geworden. Dieser herrliche Turm war immer in Sichtweite und hat mich die gesamte Kindheit begleitet, verbunden mit Ausflügen mit dem Fahrrad nach Steinkimmen.

Er diente meinen Großeltern auch zur Wettervorhersage. War der Turm in etwas diesigem Zustand zu erkennen, war man der Meinung, dass das Wetter schlechter wird. Wahrscheinlich stimmt das auch.

Ich wohne jetzt in Ahlhorn. Leider ist der Turm von hier nicht zu sehen. Aber sobald man von Sandhatten nach Kirchhatten, erstrahlt er in seiner ganzen Pracht. Ohne diesen Turm kann ich mir die Gegend gar nicht vorstellen.

Meike Wagner
Ahlhorn

Ohne Bauanleitung nachgebaut

Schon in den 50er-Jahren, gleich nach der Fertigstellung des rot-weißen Turms, war ich begeistert. Zwar war ich nicht in unmittelbarer Nähe zuhause, aber mit einem damals sehr einfachen Fernrohr und bei guter Sicht konnte ich den Turm als winziges Objekt am Horizont entdecken.

Da ich damals mit 15/16 Jahren schon ein eifriger Bastler war, hatte ich den Turm auch gleich nachgebaut (natürlich ohne Bauanleitung). Es stimmt zwar weder Größenverhältnis, Anzahl der roten Farbringe, Antennentechnik an der Turmspitze und vieles mehr, aber es war meine Vorstellung von dem Turm, den ich damals als junger Mann hatte.

Später haben meine Familie und ich häufig Ausflüge nach Steinkimmen unternommen. An einem „Tag der offenen Tür“ vor einigen Jahren konnten wir sogar einen Blick von unten in den Turm werfen, was unsere Kinder besonders fasziniert hat. Ansonsten suchten wir auf jeder Fahrt Richtung Bremen von der Autobahn aus jedesmal der Blick zum Fernsehturm in Steinkimmen – fast schon ein „Ritual“.

Dietmar Logemann
Oldenburg

Begleiter durch das ganze Leben

Es war im Herbst 1959. Wir wohnten damals in Hude, „Hohelucht“. Meine Eltern machten mit mir manchmal abends einen Spaziergang. Wenn wir zurück kamen, sah ich immer am Ende der Straße rote Lichter. „Was ist das denn? Diese roten Punkte am Ende der Straße“? „Das ist der Fernsehturm von Steinkimmen“, sagte mein Vater, „Den haben die da vor einigen Jahren aufgestellt. Der Turm ist ganz weit weg und sehr hoch, deshalb sieht man ihn hier in Hude“. Klar, Fernsehturm. Mit drei Jahren wusste ich auch, was ein Fernsehturm ist. Wenn man 2017 auf der oben genannten Hohelucht Richtung Steinkimmen schaut, sieht man den Turm nicht mehr, Baumwipfel sind davor.

Ein anderes Erlebnis mit dem Turm in Steinkimmen hatte ich vor einigen Jahren in Hatten. Der NDR hatte eine Live-Sendung aus dem Rathaus. „Wie kriegen Sie die Übertragung von hier ins Radio“, war meine Frage an den Tonverantwortlichen. „Ganz einfach, Richtfunkstrecke von hier nach Steinkimmen zum Sendemast, von da wird es dann weitergeleitet und ist irgendwann im Radio zu hören“.

Schade das der Turm abgebaut werden muss, er hat mich mein ganzes Leben begleitet.

Karl-Heinz Wesemann
Sandhatten

Turm erklärt Satz des Pythagoras

In einem Mathematik-Schulbuch für Realschüler ist zur Demonstration des Satzes des Pythagoras der Fernsehturm in einem Foto abgebildet. An dem Buch hat mein inzwischen verstorbener Mann Günter Boyn in den 70er Jahren mitgearbeitet. Es ist im Klett- oder Westermann-Verlag erschienen.

Der Turm, dazu die Erde im rechten Winkel und ein Halteseil als Hypothenuse – ich bin mit meinen Nachforschungen aber leider nicht zum Ziel gekommen.

Ursula Boyn
Oldenburg

Mit der Freundin Händchen haltend vor dem blinkenden Turm

Ich wurde 1952 geboren und bin in Hatterwüsting am Kiebitzweg aufgewachsen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich während der Bauphase des Fernsehturms jeden Tag mit meiner Oma an der Hand ein paar hundert Meter zur Hatter Landstraße ging, um von dort den Fortschritt aus weiter Ferne zu beobachten.

Später war es für mich Immer ein Erlebnis, mit dem Fahrrad mit den Eltern nach Steinkimmen zu fahren. Als Jugendliche fuhren meine Kumpels und ich mit dem Moped dorthin, um zum Beispiel ein Schinkenbrot zu essen, verbunden mit einem Bier – oder auch mal zwei.

Dann, mit 18 Jahren und einem VW-Käfer, zeigte ich meiner damaligen Freundin aus dem Ammerland diese Anlagen mit Kleintierzoo und Spielplatz. Kurze Zeit später ging unsere Beziehung leider zu Ende. Die Erinnerung, Händchen haltend in der Abenddämmerung vor dem blinkenden Turm zu stehen, blieb.

Später, mit meiner jetzigen Frau und unseren Kindern, waren wir oft an den Wochenenden dort. Auch die Enkelkinder kennen diesen Turm.

Der Sendeturm hat mich mein Leben lang begleitet. Wir sind fast gleich alt. Es stimmt mich traurig, dass er jetzt „gehen muss“ – und ich bedenke dann, dass auch ich irgendwann „gehen muss“.

Heinz Schnitker
Kirchhatten

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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