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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Beruf: Ein halbes Leben auf dem Friedhof

17.04.2015

Wildeshausen Als Heiko Wittrock am 1. April 1990 seinen Dienst als Friedhofsgärtner bei der Stadt Wildeshausen antrat, hat er erst einmal ein halbes Dutzend Kirschbäume gepflanzt. „Zu der Jahreszeit blühte fast gar nichts, es gab keine Nahrung für die Bienen, und da habe ich Abhilfe geschaffen“, blickt der ausgebildete Gärtner zurück.

Angst vor der Arbeit inmitten von Gräbern hatte er schon damals nicht. „Nach meiner Lehre habe ich einige Jahre im Blumenhandel gearbeitet, aber die ungünstigen Arbeitszeiten waren nicht mein Fall“, erinnert er sich. Als ein Bekannter ihm den Tipp gab, dass in Wildeshausen ein Friedhofsgärtner gesucht werde, zögerte er deshalb nicht lange und gab sich selbst ein Jahr zur Probe. „Dass daraus ein halbes Leben werden würde, hätte ich natürlich nicht gedacht“, schmunzelt der 50-Jährige.

Tod und Blumen

Natürlich habe der Friedhof eine dunkle Seite, aber eben auch eine helle mit vielen Blumen und einer teils parkähnlichen Struktur. Kultstätten rund um den Tod gebe es schon seit Menschengedenken. „Genauso wichtig wie das Ritual der Beerdigung ist es, einen Ort zum Trauern und zum Gespräch zu haben“, sagt Wittrock. Zu seiner Arbeit gehört demgemäß auch der Kontakt zu den Friedhofsbesuchern. Das sind vor allem ältere Menschen. „Bei der Grabpflege wird die veränderte Familienstruktur zunehmend zum Problem“, sagt Wittrock. Vielfach werde deshalb bereits auf die Dienste von Gärtnern, große Grabplatten oder anonyme Grabstellen zurückgegriffen.

Wittrocks Arbeitstag beginnt morgens um 7 Uhr, wenn er sich mit seinem Kollegen Richard Wetstein bespricht. Meist klingelt dann schon das Telefon in dem kleinen Büro direkt neben der Friedhofskapelle. Manchmal ist es ein Auswärtiger, der nach einem Verstorbenen forscht. „Kürzlich war sogar jemand aus Australien da und suchte das Grab eines Angehörigen“, berichtet Wittrock. Zum Glück ist das Friedhofsbüro gut sortiert und verfügt gar über eine handgeschriebene Kladde, in der seit 1928 feinsäuberlich alle Beigesetzten samt Grabstellennummer aufgelistet sind.

Anrufe vom Bestatter

Häufigster Anrufer ist jedoch der örtliche Bestatter, der einen neuen Sterbefall meldet, die Daten vom Grab braucht (wo, wie groß, mit wie vielen Personen belegt), wissen möchte, ob es einen schweren Grabstein gibt, der eventuell vom Steinmetz beiseite geräumt werden muss, und den Beisetzungstermin absprechen möchte. Falls es kein bestehendes Familiengrab gibt, muss ein neues angelegt werden, entweder auf der Altfläche oder auf der großzügigen Erweiterungsfläche, die im Jahr 2000 hinzugekommen ist. Dann gilt es, die Frage zu klären, ob ein normales Grab oder ein kleineres Urnengrab gewünscht ist.

Gibt es ein bestehendes Grab, muss ein Gärtner zunächst die alten Pflanzen versetzen, bevor Wittrock mit dem Bagger die Grabstelle neu aushebt. „Natürlich stößt man dabei manchmal auf Überreste wie Knochen oder Sargstücke, aber die Regel ist das nicht“, berichtet er. Eventuelle Funde würden umgehend wieder unten in das Grab gelegt.

Nicht allein

Unmittelbar nach der Beisetzung wird die Grabstelle verfüllt und – inklusive Blumenkränzen – hergerichtet. Alles weitere obliegt den Angehörigen, es sei denn, das Grab sackt im Laufe der Jahre ein und muss wieder aufgefüllt werden.

Bei der Frage, was er am meisten an seinem vielfältigen Job liebt, muss Wittrock nicht lange überlegen: „Das Draußensein und den Kontakt zu den Leuten.“ Schwere Momente seien hingegen Kinderbeerdigungen. „Mit Tod und Leid müssen sich aber ja viele Berufsgruppen, zum Beispiel im Rettungs- und Pflegebereich, auseinandersetzen“, weiß der Friedhofsgärtner sich mit den Besonderheiten seines Berufs nicht allein.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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