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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Feuchtwanger und Brecht auf der Spur

13.02.2012

HUDE Auf Einladung des Huder Kulturvereins „Impuls“ kam Freitagabend der Schriftsteller Klaus Modick nach Hude, um im Haus Marienhude aus seinem neuesten Werk zu lesen. Für seinen Roman „Sunset“, der unter Dichtern und Denkern spielt, wurde Modick nominiert für den Deutschen Buchpreis und den Wilhelm-Raabe-Preis.

Nun hat es sich mittlerweile herumgesprochen, dass die von „Impuls“ nach Hude gelockten Künstler besondere, kulturelle Leckerbissen und in der Regel überdurchschnittliches Niveau versprechen. Daher verwunderte es nicht, dass die Lesung bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Dr. Carola Thurow, Vorsitzende von Impuls, begrüßte den in Oldenburg lebenden Schriftsteller und wusste selber nicht zu sagen, warum die Huder trotz der geringen Entfernung zur Nachbarstadt auf diesen literarischen Abend solange warten mussten.

„Sunset“ handele von der Freundschaft zwischen den Schriftstellern Feuchtwanger und Bertold Brecht, erläuterte die Impuls-Vorsitzende. Viele Werke von Brecht seien vertont wurden, was läge da also näher, als den Abend musikalisch abzurunden.

Klaus Modick ließ sich daher bei der Huder „Sunset“-Lesung von Klarinettistin Dagmar Ludwig und Saxofonistin Anja Herold begleiten, die als Auftakt die Moritat von Mackie Messer aus der Dreigroschenoper zum Besten gaben. Von Ludwig und Herold, alias Duo Soñol, eigens arrangierte Kompositionen von Eisler, Korngold und Weill, allesamt Weggefährten der Protagonisten, unterbrachen und unterstrichen die Lesung des Oldenburgers auf harmonische Art.

Der Feuchtwanger-Kenner Modick entwickelt auf einer frei konstruierten Basis die Geschichte einer Dichter-Freundschaft, die an dem Abend beginnt, als der unbekannte Brecht in das Haus des etablierten Schriftstellers kommt, um ihm seinen Roman „Spartakus“ vorzustellen, den er „nur wegen des Geldes“ geschrieben hat. Feuchtwanger spürt, dass dieser Schreiber „kein Möchtegern, sondern ein richtiger, ein echter Literat ist“, er förderte Brechts Genie und bleibt ihm ein Leben lang eng verbunden.

Als Feuchtwanger 1956, noch immer im kalifornischen Exil, die Nachricht vom plötzlichen Tod Bertolt Brechts ereilt, verliert er sich in den Gedanken an ihre intensive kostbare Freundschaft. Er schlägt mit seinem Rasierpinsel eine Schneelandschaft und sinniert über „verlorene Worte wie Schmelzwasser und Schneelandschaft“ nach „in einem Land, in dessen Sprache es das Wort Eisblume wahrscheinlich gar nicht gibt“. Während seiner Nassrasur lässt der Protagonist die Jahre mit Freund Brecht „der wieder in der Nacht verschwand, die ihn hereingeschneit hatte“ Revue passieren und ruft Stationen dieser Freundschaft wach, die in München begann – ein Stück Fiktion mit biografisch exaktem Hintergrund.

Spezial: Weitere Berichte zur Literatur im Nordwesten Seit 1984 ist Klaus Modick als freier Schriftsteller und Übersetzer tätig. Mit seiner Novelle „Moos“ gab er sein literarisches Debüt, sein Roman „Ins Blaue“ wurde 1990 verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt. Der gebürtige Oldenburger wurde 1994 mit dem Bettina-von-Arnim-Preis und im Jahre 2005 mit dem Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet.

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