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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Wer piept denn da?

14.07.2018

Ganderkesee Der häufigste Vogel in Ganderkesee ist mit Abstand die Amsel, sagt Dr. Klaus Handke. Der Diplom-Landschaftsökologe aus Ganderkesee ist seit 1985 mit seinem Büro selbstständig. Mehr als 500 ökologische Gutachten hat sein Team bisher erstellt. Von 2012 bis 2015 hat er mit 30 Ehrenamtlichen die Vögel in der Gemeinde kartiert. Der Bestand der fünf häufigsten Vögel, die er im Gespräch mit der NWZ nennt, liegt bei mehr als 1000 Paaren im Gemeindegebiet.

Häufig

Die Amsel sei recht anspruchslos – sowohl was die Niststätten, als auch das Futter betreffe. „Der reicht ein Busch“, erklärt Handke. Als Nahrung bevorzuge sie etwa Insekten, Würmer und Beeren. Der Bestand sei in Ganderkesee seit Jahren gleichbleibend.

Ähnlich sei es mit dem zweithäufigsten Vogel in Ganderkesee, dem Buchfink. Der sei ebenfalls anspruchslos, lasse sich aber statt auf Büschen auf Bäumen nieder. Deshalb sei der Buchfink oft in Wäldern zu finden, aber auch in Siedlungsräumen mit vielen Bäumen. Die Entwicklung der Buchfinken ist laut Handke „stabil bis positiv“.

Ebenfalls auf Bäumen zu finden ist die Ringeltaube. Auch auf herausstehenden Dachbalken und Markisen lässt sie sich nieder. Ihr Bestand habe in den vergangenen Jahrzehnten in Siedlungsräumen stark zugenommen. „Die Ringeltaube profitiert stark vom Maisanbau“, sagt Handke. Auch der Klimawandel wirke sich positiv auf den Bestand der Ringeltauben aus. „Im Winter bleiben sie immer häufiger hier.“

Zu den häufigsten Vogelarten in Ganderkesee zählt auch das Rotkehlchen. Der Insektenfresser sei überall zu finden, wo flächendeckend Wald ist, berichtet Klaus Handke, aber auch in Gärten, in denen Büsche stehen. Der Bestand sei stabil. Auch das Rotkehlchen profitiere vom Klimawandel und überwintere immer häufiger hier.

Die Kohlmeise, ein Insektenfresser, sei in der Gemeinde Ganderkesee ebenfalls flächendeckend zu finden, überall dort, wo sie Nistmöglichkeiten wie Spechthöhlen, Nistkästen oder Lücken in Gebäuden finde. Eigene Höhlen baut die Kohlmeise nicht, aber sie findet jede Menge, so dass der Bestand stabil bleibt.

Selten

Die fünf seltensten Vögel lassen sich nur schwer benennen, sagt Klaus Handke. Es gebe zwölf Arten, von denen sich zwischen null und zwei Paaren in der Gemeinde Ganderkesee aufhalten.

Wenn er sich aber festlegen müsste, würde der Landschaftsökologe die Nachtigall als einen der fünf seltensten Vögel nennen. Der Bestand sei stark zurückgegangen. „Die Nachtigall brütet unregelmäßig in maximal zwei Paaren“, sagt Handke. Grund für den Rückgang seien wahrscheinlich die schlechten Bedingungen im Winterquartier in Afrika, vermutet der Ganderkeseer: Die Nachtigall findet dort zu wenig Nahrung und verhungert.

Als seltenen Vogel nennt Handke auch den Rotmilan. „Der brütet seit einigen Jahren in einem Paar.“ Der Rotmilan war sogar schon ganz aus Ganderkesee verschwunden. „In den letzten Jahren hat er den Ganderkeseer Raum wiederbesiedelt.“ Woran das liegt, dass er zurück ist? „Das ist schwer zu sagen“, so Handke. „Vielleicht ist es klimatisch jetzt besser.“

Der Pirol ist ebenfalls äußerst selten zu entdecken. „Er brütet nur noch unregelmäßig in einem Paar“, weiß Klaus Handke. Dass der Bestand des Insektenfressers stark zurückgehe, liege vermutlich wie bei der Nachtigall an den schlechten Bedingungen im Winterquartier.

Der Zwergtaucher brütet in größeren Schlatts mit Röhrichtzone. Da die nur selten zu finden sind, brütet in Ganderkesee nur unregelmäßig ein Paar. Der Bestand sei hier aber immer schon niedrig gewesen. „Der geht nicht auf einen Angelteich, weil ihm der zu steril ist. Vegetationsreiche und ungestörte Gewässer ohne Badebetrieb gibt es selten.“

Auch die Uferschnepfe brütet nur noch unregelmäßig in einem Paar. Sie bevorzugt Feuchtgrünland, diesen Lebensraum findet sie immer seltener.

Allgemein sei ein Rückgang der Insektenfresser zu beobachten, die in Afrika überwintern. Den größten Rückgang gebe es bei Vögeln in der Agrarlandschaft. „Die finden nicht mehr genug Nahrung auf den Agrarflächen. Die Nutzung ist so intensiv, die Flächen so stark befahren, dass sie da auch nicht mehr brüten können.“ Der Bestand von Kiebitz und Rebhuhn sei um etwa 50 bis 90 Prozent zurückgegangen. Das sei aber kein Ganderkeseer Phänomen.

Selbst bestimmen

Wer Vögel selbst bestimmen möchte, kann von Klaus Handke lernen: Regelmäßig bietet er entsprechende Kurse an. Das Interesse daran wachse, berichtet der Ganderkeseer. Waren es sonst etwa 15 Teilnehmer, nahmen zuletzt doppel so viele teil. „Die Leute interessieren sich zunehmend für Natur“, so Handke. Die interessantesten Gebiete für die Vogelbeobachtung seien das Hohenbökener Moor, der Hasbruch, die Fahrradroute „Kiekpatt“ und auch in Schlutter und Bergedorf gebe es jede Menge Vögel zu sehen. Der nächste Kursus, der sich an Erwachsene richtet, findet an sechs Terminen von September bis März statt. Interessenten können sich schon jetzt anmelden unter k.handke@oekologische-gutachten.de. Die Vorbesprechung findet am 13. September ab 19 Uhr statt. Alles weitere erfahren die Teilnehmer bei der Anmeldung.


Mehr Infos gibt es im Buch „Die Gemeinde Ganderkesee aus der Vogelperspektive“ von Klaus und Pia Handke sowie Hartwig Lambracht
Sonja Klanke
Redakteurin, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2742

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