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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Kirche stößt sich an Schottergräbern

22.05.2019

Ganderkesee Swenja Scherschanski ist schon häufiger beschimpft und einmal sogar fast tätlich angegangen worden. Als Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee kommt ihr eine undankbare Aufgabe zu: Sie muss dafür sorgen, dass sich die Nutzungsberechtigten der Gräber auf den drei Friedhöfen in Ganderkesee und Bookholzberg an die geltende Friedhofssatzung halten und die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen den Vorschriften entsprechend pflegen.

Briefe, in denen sie auf Verstöße aufmerksam macht, muss Swenja Scherschanski immer häufiger verfassen. Lange Zeit waren es verkrautete, ungepflegte Gräber, die von anderen Friedhofsnutzern oder den Mitarbeitern moniert wurden. Seit etwa zwei Jahren stellen Swenja Scherschanski und Friedhofswärter Gerald Helmbold aber einen anderen Negativ-Trend fest, der sowohl gegen die Richtlinien der Kirchengemeinde als auch gegen das Friedhofsgesetz der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg verstößt: geschotterte und mit Grabplatten abgedeckte Gräber.

Splitt und Kies verboten

Grabplatten verbietet die Ganderkeseer Friedhofsordnung, anders als das 2017 beschlossene Friedhofsgesetz, bislang noch nicht gänzlich. „Aber es dürfen maximal zwei Drittel der Wahlgrabstätten bedeckt sein“, erklärt Swenja Scherschanski. Nicht erlaubt sind gemäß den örtlichen Gestaltungsrichtlinien indes Kies, Splitt und ähnliche Stoffe anstelle einer Bepflanzung.

Friedhofsgesetz verbietet Abdeckungen

Noch gilt für die drei Friedhöfe der ev.-luth. Kirchengemeinde Ganderkesee eine Satzung, die zur Abdeckung von Gräbern in § 19b, Abs. 2, den folgenden Wortlaut enthält: „. . . Wahlgrabstätten dürfen bis zu zwei Drittel mit Grabplatten bedeckt werden.“

In den Gestaltungsrichtlinien der Ganderkeseer Friedhofsverwaltung heißt es darüber hinaus: „Grababdeckungen mit Beton, Terrazzo, Teerpappe und ähnliches sind nicht zulässig. Das Belegen der Grabstätten mit Kies und Splitt oder ähnlichen Stoffen anstelle einer Bepflanzung ist nicht gestattet.“

Im Juni 2017 hat die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg ein neues Friedhofsgesetz verabschiedet, an das die Ganderkeseer Satzung noch angepasst werden muss. In § 35, Abs. 3, heißt es: „Zur Umsetzung des Leitbildes eines blühenden Friedhofes sind Grababdeckungen aus durchgehenden, wasser- und sauerstoffundurchlässigen Materialien sowie das Belegen der Grabstätte mit Kies, Splitt oder ähnlichen Stoffen anstelle einer Bepflanzung unzulässig. (. . .)“

Genau diese Materialien erfreuen sich aber laut Scherschanski und Helmbold zunehmender Beliebtheit. Nicht wenige Grabstellen auf dem Friedhof an der Urneburger Straße sind komplett mit kleinen Steinen belegt, bei einigen ist die Schotterfläche nur durch schmale Pflanzstreifen unterbrochen oder mit Schalen dekoriert, bei anderen sind Grabplatten mit Kies kombiniert.

„Wir haben die Schotterstreifen zu lange geduldet“, räumt Swenja Scherschanski selbstkritisch ein. Was in den vergangen Monaten auf dem Friedhof passiert ist, sei nur mit einem Nachahmereffekt zu erklären.

Verwesung gehemmt

Dass sich die Friedhofsverwaltung nun entschiedener gegen die unzulässige Grabgestaltung zur Wehr setzen will, hat nicht allein einen ästhetischen oder ökologischen Hintergrund. „Wenn kein Wasser versickert, wird der Verwesungsprozess unterbunden“, erklärt Swenja Scherschanski. Es stehe zu befürchten, dass nach 30 Jahren, wenn die Gräber üblicherweise aufgelöst werden, sogenannte Wachsleichen gefunden würden.

„Bei uns ist das bislang noch nicht vorgekommen, aber auf größeren Friedhöfen durchaus“, so Friedhofswärter Helmbold. Das größte Problem stellen seiner Erfahrung nach wasserundurchlässige Folien dar, die häufig als Barriere gegen Unkraut unter dem Schotter verlegt werden.

Einmal im Jahr nehmen die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung eine Begehung vor, bei der sie jede einzelne Grabstelle – an der Urneburger Straße sind es aktuell rund 2000 Wahlgräber – auch hinsichtlich ihrer Gestaltung und des Pflegezustands kontrollieren. Wird dabei Handlungsbedarf festgestellt, schreiben sie den jeweiligen Nutzungsberechtigten an und bitten um Beseitigung des Missstands. Ist die gesetzte Frist verstrichen, folgt eine Erinnerung mit einer erneuten Fristsetzung. „Wenn dann wieder nichts passiert, folgt eine Ersatzvornahme“, erklärt Swenja Scherschanski. Dann werde das Friedhofspersonal oder ein Fachbetrieb tätig, die Kosten habe der Nutzungsberechtigte zu tragen.

Für 25 Jahre gebunden

Dass Hinterbliebene zu alt oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, sich um die Gräber zu kümmern, wie es oft vorgebracht werde, lässt Swenja Scherschanski nicht gelten. In diesen Fällen müssten Gärtner mit der Pflege betraut werden.

Grundsätzlich rät sie, sich frühzeitig über die Wahl der richtigen Grabstelle und Bestattungsart Gedanken zu machen. „Es gibt ja auch pflegefreie Gräber“, sagt sie. „Aber wer sich für ein Wahlgrab entscheidet, muss sich bewusst sein, dass er sich für mindestens 25 Jahre darum kümmern muss.“

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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