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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Narren zahlen überwiegend klaglos

31.01.2019

Ganderkesee Der Fasching wird teurer – für die Organisatoren wie für die Teilnehmer: Wegen gestiegener Ausgaben beim Umzug und schrumpfender Rücklagen bittet die Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) jetzt erstmals beim Fasching um den Ring nicht nur die Besucher zur Kasse, sondern auch alle Umzugsteilnehmer, ob groß oder klein. „Dass das nicht populär ist, ist uns bewusst“, erklärt GGV-Pressesprecher Timo Vetter. Vereinzelte Unmutsäußerungen seien beim Präsidium angekommen, bestätigt er, in den meisten Gruppen sei die Maßnahme aber auf Verständnis gestoßen. Nur sei sie im Vorfeld wohl nicht ausreichend kommuniziert worden, räumt Vetter ein.

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Das ist zu verkraften

Die Verantwortlichen der GGV sind nicht gerade als Plaudertaschen bekannt – besonders beim Geld lassen sich die Narren mit Kappe ungern in die Karten und schon gar nicht in die Kassen schauen. Gemessen an der üblichen Verschwiegenheit wirkt die jüngste Stellungnahme zur Finanzlage darum wie eine Offenbarung.

Die GGV hat also schlechte Jahre hinter sich und muss sparen. Das wäre für Außenstehende noch besser nachvollziehbar, wenn die Faschings-Organisatoren öffentlich einen Kassenbericht vorlegen würden, so wie es jeder Sport- oder Schützenverein macht.

Aber auch wer an der Geheimnistuerei Anstoß nimmt, kann nicht leugnen, dass in Zeiten von Mindestlohn, Fachkräftemangel und steigenden Sicherheitsanforderungen die Kosten Jahr für Jahr spürbar steigen. Also muss irgendwo wieder Geld reinkommen. Dass dafür die Umzugsteilnehmer stärker zur Kasse gebeten werden, mag manche von denen ärgern. Aber wer ohnehin schon viel Zeit und Geld in den Faschingsauftritt investiert, lässt sich von 3 Euro mehr pro Teilnehmer doch wohl kaum ernsthaft abhalten. Alle, die nach dem Umzug weiterfeiern wollen, haben die verlangten 8 Euro auch in den Vorjahren schon ohne Wehklagen bezahlt.

Und wenn es einer Gruppe doch zu teuer wird, kann sie leicht an anderer Stelle sparen: indem sie nämlich ein bisschen weniger vom süßen Wurfmaterial bestellt. Dass davon jedes Jahr viel zu viel auf den Straßen liegen bleibt und für teures Geld im Müllwagen landet, ist schließlich mitursächlich für die ganze Entwicklung.

Dabei hatte die GGV im Dezember bei der obligatorischen Besprechung mit Vertretern der Umzugsgruppen – von denen aber nur wenige anwesend waren – ausdrücklich darauf hingewiesen, dass beim Fasching um den Ring in diesem Jahr erstmals für alle Teilnehmer ein ermäßigter Eintrittspreis von 3 Euro erhoben werden sollte. Der Eintritt in voller Höhe kostet 5 Euro. Mitglieder der Umzugsgruppen, die nach der Narren-Parade bis in die Nacht im Festzelt oder im Oldenburger Hof weiterfeierten, mussten auch bisher schon das Tanzband für 8 Euro erwerben – daran ändert sich jetzt nichts. Auch dieser Preis ist übrigens für Umzugsteilnehmer herabgesetzt – alle anderen Besucher zahlen 12 Euro.

Kritik an der Neuerung kam unter anderem vom „Hausmänner-Stammtisch“, der seit 2003 alljährlich mit einem imposanten Festwagen um den Ring rollt. „Wenn man bedenkt, was die Gruppen ohnehin schon investieren, ist dieser zusätzliche Eintritt ganz schön heftig“, findet „Hausmann“ Mario Kubenka. „Wir sind davon zwar nicht so betroffen, weil bei uns sowieso fast alle das Tanzband für 8 Euro nehmen. Aber da, wo ganze Familien mitmachen, die dann nach dem Umzug mit den Kindern nach Hause gehen, wird es jetzt teuer.“

So eine Gruppe ist der Ortsverein Schlutter-Holzkamp-Hoyerswege, Jahr für Jahr eine der größten im Umzug mit weit über 100 Teilnehmern. „Die Aufteilung ist bei uns so etwa halbe-halbe“, sagt Ortsvereins-Vorsitzender Enno Vosteen. Das heißt, die eine Hälfte, die bisher keinen Eintritt zahlen musste, ist jetzt mit 3 Euro pro Person dabei. „Wenn man es den Leuten erklärt, ist aber das Verständnis da“, hat Vosteen erfahren. „Bei uns ist das jedenfalls kein großes Thema.“

„Ein Umzug ohne Eintritt ist nicht denkbar“, betont Timo Vetter. „Der ganze Narrenzirkus kostet nämlich mächtig Kamelle. Alles wird teurer: Absperrgitter, Sicherheits- und Rettungsdienst, Straßenreinigung, Toiletten . . .“ Zwar werde die GGV bei Straßenreinigung und Entsorgung von der Gemeinde und ortsansässigen Unternehmen unterstützt, so Vetter, trotzdem „laufen uns im Zuge von Mindestlohn und immer neuen Sicherheitsauflagen die Kosten davon“.

Hinzu kommt nach Angaben des GGV-Sprechers, dass das in vielen Jahren erarbeitete finanzielle „Polster“ immer dünner werde. Während in der Vergangenheit „schlechte Jahre“ noch mit den Rücklagen aus „guten Jahren“ überbrückt werden konnten, könne sich inzwischen ein verregneter Umzugstag schon „katastrophal“ auswirken. In anderen Narren-Hochburgen würden Startgelder erhoben, so Vetter. In Ganderkesee heißt das nun eben Eintritt.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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