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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Glaubensfrage an großen Steinen

10.07.2018

Ganderkesee /Landkreis Die Hünengräber und Megalithbauten der Jungsteinzeit gehören zu den großen Rätseln der Geschichte: Wie sie errichtet wurden, hat die Archäologie weitgehend herausgefunden. Bei Fragen zum Warum aber und bei der Beschreibung von Ritualen und Religionen rund um die riesigen Steine halten die Archäologen sich zurück – sie scheuen die Spekulation.

Hermann Speckmann hat diese Scheu nicht, er ist ja kein Wissenschaftler, sondern Heimatforscher und Autor. Der Ganderkeseer hat einerseits spekuliert, aber auch akribisch recherchiert. Herausgekommen ist ein Buch, das archäologische Erkenntnisse mit altem Brauchtum und über Jahrhunderte, möglicherweise gar Jahrtausende überlieferten Erzählungen und Sagen vermengt, um das Denken und Handeln der Hünengrab-Erbauer zu erklären. „Der Glaube der Großsteingräberleute“ ist Speckmanns 16. Veröffentlichung.

Ein gutes Jahr brauchte der 80-Jährige für das 56 Seiten umfassende Buch: Er verglich Beigaben und Fundstücke aus Grabanlagen der nordwesteuropäischen Trichterbecherkultur (4200 bis 2800 v.Chr.), deutete Zeichnungen und Ritzungen auf Steinen und trug Berichte über Bauformen und Funktionen der Großsteingräber zusammen. Sie dienten offenbar nicht nur der Bestattung, sondern auch zur Religionsausübung, als Heiratsort oder Gerichtsstätte, möglicherweise wurden sie gar als frühe Sternwarten und Orientierungshilfen zur Kalenderbestimmung genutzt.

Speckmann kommt zu der Erkenntnis, dass an vielen Megalithbauten ganz ähnliche Rituale praktiziert wurden, angeleitet von Schamanen oder weisen Frauen. Auch einen Austausch über Bauarten und einheitliche Maßeinheiten für die riesigen steinernen Anlagen könnte es in der Jungsteinzeit bereits gegeben haben, mutmaßt der Autor.

An weit voneinander entfernt gelegenen Orten fand der Autor Hinweise auf die „Dolmengöttin“, eine Art mythische Urmutter, die den Glauben der damaligen Menschen an den ewigen Kreislauf von Natur und Leben symbolisierte. Bis in die Neuzeit gebe es diese Figur in Sagen und Erzählungen als „witte Wiewer“ (weiße Frauen). Noch Anfang des 20. Jahrhunderts, erzählt Speckmann, sei der Gendarm Michels in Falkenburg mit der Aufklärung einer solchen Erscheinung beauftragt worden.

„Das Thema hat mich schon immer fasziniert“, sagt der Ganderkeseer. Und in der Region findet er reichlich Anschauungsmaterial: Die Großsteingräber im Oldenburger Land und im Emsland kommen in seinem Buch immer wieder vor – auch sie lieferten interessante Indizien.
 Das Buch „Der Glaube der Großsteingräberleute“ ist im Isensee-Verlag (Oldenburg) erschienen (ISBN 978-3-7308- 1470-3) und kostet 12,90 Euro.

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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Isensee-Verlag

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