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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Nicht immer lustig – aber überzeugend

20.05.2019

Ganderkesee Da zeigte sich die Lust des Publikums an der Bühnen-Poesie: Der vierte Poetry Slam im Kulturhaushaus Müller am Samstag war schon im Vorfeld restlos ausverkauft. Souverän führten wieder Sebastian Butte und „Sim Panse“ (Simeon Buß) durch den Abend. Die Spontaneität des Formats wurde live unter Beweis gestellt, da der Teilnehmer Marten de Wall zu Beginn der Veranstaltung noch gar nicht angekommen war – die Deutsche Bahn war schuld.

Den ersten Beitrag des Abends gab es von Tanja Schwarz. Ihre Reime über ein Glühwürmchenpaar, das Probleme hat, das eigene Hinterteil zum Leuchten zu bringen, waren voller Schmunzler und trotz der gefühlten 25 Grad Raumtemperatur ein seichter Einstieg in den Abend. Ein bisschen direkter wurde sie dann mit „Nachricht für Dich“, in der sie sehnsüchtig auf handgeschriebene Briefe zurückblickte und fragte, wer denn meine, in 40 Jahren noch WhatsApp-Nachrichten auf dem Dachboden finden zu können. Eine gute Frage.

Gerriet Wilanek, die „Slam Personalunion“, blickte mit „Früher war alles besser“ auf Schwimmbäder und Bademeister vor der Zeit von Wellnessoasen zurück. Mit der herb-lustigen Sehnsucht nach Grünspan am Beckenrand und Duschen aus dem sprichwörtlichen Kalten Krieg anstatt Aromatherapie und Tropenschauer warf Wilanek einen kritischen Blick auf das moderne Warmduscher-Dasein, der im Vergleich zu den anderen Beiträgen des Poetry Slams aber unterging.

Unter dem Titel „Und denk ans Kaloriendefizit“ beleuchtete Sebastian Hahn das Abnehmen mit Trendsportarten. Sich selbst auf die Schippe nehmend, spielte er geschickt auf die Diskrepanz von Vorstellungen und Wahrheit an. Sein anschließender Themenslam zu Europa, „Herzlich Willkommen, was können wir für Sie tun?“, betrachtete aktuelle politische Ereignisse aus Sicht einer Telefon-Hotline und machte sie ebenso unverfänglich wie unterhaltsam – als klassische Comedy.

Janina Mau brachte ernste Texte mit. Ihr „Seitdem du weg bist“ war eine Auseinandersetzung mit dem egoistischen Selbst nach einer Trennung, in der sich Entschuldigung und Rechtfertigung in schneller Folge abwechselten. Deutlich heftigere Begriffe fand sie dann im zweiten Beitrag „Gleich ist gültig“, der mit Hundeklo-Wiesen begann, aber mit weiblicher Genitalverstümmelung endete: ein gewollter Bruch zu den erheiternden Beiträgen des Abends. „Weil es immer schon so war, ist ein beschissener Grund“, sagte sie. Stimmt, auch wenn das keinen Spaß macht. In Erinnerung bleibt es vielleicht gerade deswegen.

Eine ganz andere Richtung schlug Marten de Wall ein, der mit freien, skurrilen Wortspielen zeigte, wie unterhaltsam alltägliche Kommunikation durch die richtige Betonung werden kann. Sein zweiter Slam, „Willi“, warf einen Blick auf Verschwörungstheorien und unnützes Wissen. Ob Idiot als medizinische Diagnose oder Sitzen als das neue Rauchen, de Wall zeigte sich vor allem als eins: unvorhersehbar komisch.

Ins Finale wählten die fünf Punktrichter aus dem Publikum die Slammer Janina Mau und Sebastian Hahn, die um den Pokal des Abends streiten durften. Eine „Ode an die Heimat“ richtete Hahn dann in Richtung Ostfriesland und hob die Perfektion der Kommunikation durch Wortkargheit hervor: „Hm“ kann eben viel bedeuten. Als Siegerin des Abends ging am Ende aber Janina Mau hervor, die in ihrem Beitrag „Alt“ über das Älterwerden und die damit verbundene Veränderung der Wahrnehmung erzählte. Ganderkesee hatte beim vierten Poetry Slam definitiv mehr Lust auf kritische Beiträge.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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