• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Geniale Künstler im Einklang

09.09.2014

Ganderkesee Wenn in der St.Cyprian- und Corneliuskirche zwei geniale Künstler aufeinandertreffen, spielen 300 Jahre zwischen ihren Geburtsdaten überhaupt keine Rolle. Da ist zum einen Arp Schnitger, (1648-1719), auf der anderen Seite Klaus Huber (geboren 1924). Die Ganderkeseer Kirche war am Sonntagabend Schauplatz der Eröffnung des Arp-Schnitger-Festivals, das in das Musikfest Bremen integriert ist. Rund 350 waren gekommen, um das Konzert zu erleben.

Doch erklang die Orgel im ersten Teil des Konzertes mit dem Organisten Gilles Harlé ausschließlich mit Barockmusik, wobei Jan Sweelinck, Anthoni van Noorth, Christian Erbach und Dietrich Buxtehude ebenfalls hervorragende Meister ihres Fachs waren. Gilles Harlé genoss offensichtlich die klangliche Bandbreite der berühmten Orgel, wechselte in der Tongebung von lieblich über freundlich zu eindringlich und verstummte, wenn das Gesangs-Ensemble Solistes XXI a cappella den Psalm 24 von Sweelinck/Noorth einfügte.

Mit Spannung wurde dann „Miserere hominibus“ von Klaus Huber erwartet. Dazu wechselte die siebenköpfige Gesangsformation von der Empore in den Altarraum mit Vervollständigung des Ensembles durch Flöte, Klarinette, Harfe, Gitarre/Theorbe, Viola, Violoncello und Kontrabass.

Die Leitung lag in den Händen von Rachid Safir, geboren in Algerien mit Paris als zweiter Heimat. Für ihn verbindet sich der Begriff Gott mit Schönheit, was der anwesende Komponist unter Begleitung seiner Frau, der international bekannten Komponistin Younghi Pagh-Pan lächelnd tolerierte. So tolerant und herzerfrischend verlief auch die Kurzeinführung im Haus Müller mit Thomas Albert als Musikfest-Intendant. Er wechselte innerhalb eines Satzes problemlos von deutsch auf französisch als Hommage an Rachid Safir, der wiederum simultan eine hervorragende Übersetzerin zur Seite hatte.

Nun das Werk: Fahle Klänge wie aus dem All erschüttern das Gemüt des Hörers. Hinzu kommt die ungewohnte 17-Tonmusik aus dem Orient; Huber hat sich intensiv mit arabischer Philosophie und Musik befasst, welche bereits durch die Mauren über Spanien nach Europa gelangte. Mit unglaublich schwierigen Intervallen bei den Sängern in vier Sprachen (Französisch, Latein, Deutsch und Spanisch) und extremen Verfremdungen bei den Instrumentalisten zog Safir als Dirigent unbeirrt seine Bahn.

Den faszinierten Zuhörer ergreift Fassungslosigkeit; er wartet vergeblich auf versöhnliche Abschlüsse – die Musik verliert sich in höheren Sphären. Das geht unter die Haut. Erst als der Applaus aufbrandet löst sich bei vielen Besuchern die Beklommenheit und führt zu der Erlösung, die Klaus Huber als Humanist kompositorisch umsetzt. Welch ein Ereignis!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.