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KONZERT: Gute alte Musik auf höchstem Niveau

15.05.2006

GANDERKESEE Die Spielfreude war dem Halcyon-Ensemble anzumerken. Das Quintett bot einen eindrucksvollen Hörgenuss.

Von Itte Jakob GANDERKESEE - „Keine modernen Kanonen!“ – Mit diesen drastischen Worten erläuterte die Hornistin Karin Libischewski am Sonnabend beim 29. Ganderkeseer Rathauskonzert den Zuhörern den Unterschied zwischen den Blasinstrumenten aus der Mozart-Zeit, die an diesem Abend erklingen sollten, und den modernen Blasinstrumenten mit ihrer gewaltigeren Bandbreite an Dynamik. Das Halcyon-Ensemble aus Amsterdam war gekommen, um mitzunehmen in die Zeit des Rokoko und der Frühklassik.

Da fügte sich das Hammerklavier unter den Händen von Chie Hirai homogen ein, wogegen ein moderner Flügel die „alten“ Blasinstrumente womöglich erdrückt hätte. So war die tonliche Übereinstimmung von vornherein gegeben. Das zeigte sich gleich im Mozart-Quintett KV 452 in seinem wohltuend-ruhigen Dialog zwischen Bläsern und Fortepiano. Es kam trotz bewusster Temposchwankungen unglaublich präzise mit einer sehr weichen Oboe, gespielt von Anna Starr. Ebenso ruhig fließend das wunderschöne Larghetto, dafür umso behänder das Allegretto mit seinen Sforzati unter den perlenden Fingern der japanischen Pianistin.

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Das folgende Klavierquartett in C-Dur von Reichsfreiherr von Dalberg zeigte in der Komposition bereits zarte Anklänge an Romantik. Aber wie war es möglich, dass das dreisätzige Werk eines recht unbekannten Komponisten so vertraut schien? Die Lösung: Dalberg hatte sich schlichtweg im zweiten Satz bei Mozarts Klaviersonate KV 331 bedient, dessen Thema (mit Variationen) für Bläser und Klavier umgesetzt. Beim dritten Satz reduzierte die Hornistin ihr Naturhorn (ohne Ventile) durch Herausnehmen eines Ringes auf C-Dur. Hört sich so einfach an, aber Karin Libischewski demonstrierte eindrucksvoll an ihrem Instrument die schwierige Handhabung.

Nach der Pause folgte ein entzückendes Bläserquartett von Carl Stamitz, trotz eines moderaten Allegros ausgesprochen fröhlich in Es-Dur. Die Spielfreude war allen Vieren anzusehen.

Das liebenswürdige Klavierquintett op. 16 von Ludwig van Beethoven in der Bläsertonart Es-Dur lehnt sich erkennbar an Mozarts eingangs erklungenen Werk an; es mischt auf gelungene Weise einen Schuss Serenadenseligkeit mit kammermusikalischer Ernsthaftigkeit. Der gewichtig punktierte Grave-Beginn wurde leider etwas zu schnell genommen, ergänzte sich dann aber doch harmonisch zum Allegro ma non troppo.

Kein Wunder, dass es ohne Zugabe nicht abging. Das Ensemble bot nichts Spektakuläres auf Schau, sondern „gute alte Musik“ (Halcyon) auf höchstem Niveau!

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