• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Ortsgeschichte: Erbe der Bronzezeit in Harpstedt

23.01.2020

Harpstedt /Hoya Den meisten Menschen fällt es schwer, sich daran zu erinnern, was sie vor einer Woche zu Mittag gegessen haben. Aber die Zeit gleich 4000 Jahre zurückdrehen? Elfriede Hornecker aus Hoya (Kreis Nienburg/Weser) hat es versucht. Sie durchforstete Quellen längst vergangener Zeitalter. Dabei war sie einer alten Handelsroute auf der Spur, die an der heutigen Samtgemeinde Harpstedt entlangführt. Wie sich herausstellte, gab es diesen Weg schon in der Bronzezeit – also 1800 bis 800 vor Christus.

„Unterwegs auf alten Spuren – Folcwech zwischen Weser und Hunte“, ist der Titel von Horneckers Buch, das nicht nur ihres ist. Der Geschichtsinteressierte Willie Schreiber aus Hoya fing mit der Recherche an – Hornecker vollendete. „Eigentlich war es sein geistiges Kind. 20 Jahre sammelte er Material“, sagt Hornecker. Die beiden lernten sich beim Heimatverein Hoya kennen. Die 72-Jährige studierte Geschichte in Göttingen und arbeitete vorher als Grundschullehrerin in Hoyerhagen und in Siedenburg. Sie leitete ehrenamtlich das Heimatmuseum in Hoya.

Vergangenes fasziniert

Die Geschichte von den Ortschaften in unmittelbarer Nähe habe sie schon immer fasziniert. „Das ist sozusagen unsere Familienkrankheit“, scherzt sie. Hornecker stammt aus Kassel und hat schon als Kind mit der Familie zahlreiche Burgen besichtigt.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Vorträge am 25. Januar in harpstedt

Die Samtgemeinde Harpstedt und der Beirat des Forschungsprojektes „Bäuerliche Siedlungs- und Geschlechterhistorie im Alten Amt Harpstedt“ laden zu Vorträgen am Samstag, 25. Januar, im Hotel „Zur Wasserburg“, Amtsfreiheit 4, ein.

Zunächst referiert Elfriede Hornecker unter dem Titel „Der Folcwech, eine bronzezeitliche Handelsstraße an der Grenze des Alten Amtes Harpstedt“ über eine der ältesten Verkehrsverbindungen zwischen den Niederlanden und dem Harz.

Im zweiten Vortrag des Tages spricht Dr. Stefan Eick (Kiel) zum Thema „Zusammenhänge von Landesherrschaften und der Streckenführung von Fernverkehrsstraßen im norddeutschen Raum“. Es lag im Interesse der Herrscher, den Fernverkehr durch das eigene Land zu lenken – so viel zur Theorie. Wie es in Wirklichkeit war, wird im Vortrag untersucht.

Anschließend referiert Dr. Herbert Bock (Diepholz) über „das Straßensystem im Alten Amt Harpstedt im 17. und 18. Jahrhundert“. Anhand von alten Karten und Zeichnungen soll die Verkehrsinfrastruktur aufgezeigt und ihre Bedeutung erläutert werden.

Den Abschluss der Vortragsreihe macht Steffen Akkermann (Harpstedt) mit Ausführungen zum Thema „Die Verkehrsstruktur des Flecken Harpstedt im 19. und 20. Jahrhundert“.

Beginn ist um 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Das Ende ist für 17.30 Uhr geplant. Zwischendurch ist eine Kaffeepause. Die Vorträge eignen sich sowohl für Geschichtslaien als auch Kenner.

Und so stürzte sie sich in die Recherchen zum Folcwech. Rekonstruktionen zufolge verlief er öst-westlich. Zwischen Bühren und Goldenstedt gab es einen festen Hunteübergang. Dieser ist klar dokumentiert. Von da lief er gerade östlich einen Geestrücken entlang, südlich an Twistringen sowie an Neuenkirchen vorbei, tangierte Staffhorst und Wietzen und überquerte zwischen Schweringen und Sebbehausen letztlich die Weser. Um richtige Wege handelte es sich dabei aber nicht. „Es waren eher Trassen, mehrere Spuren parallel, die an gewissen Punkten zu Engstellen wurden“, erklärt Elfriede Hornecker. Bei Brücken oder Mooren gab es nicht viele Alternativen, deshalb wird die Spur dort deutlicher.

Name vom Gesprochenen

Seine ungewöhnliche Schreibweise verdankt der Folcwech übrigens nur einem Fakt: Mitte des ersten Jahrhunderts wurde der Weg zum ersten Mal schriftlich dokumentiert. Da es damals noch keine einheitliche Rechtschreibung gab, schrieb man so wie man sprach. Heute wurde aus Folcwech Volksweg. „Das ist im Grunde ein Sammelbegriff für alle Heer- und Handelsstraßen, die öffentlich genutzt wurden.“

Und was deutet auf die Bronzezeit hin? „Bronze wird aus Zinn und Kupfer gewonnen. Beides gab es in der Gegend nicht. Dennoch fanden sich bronzezeitliche Geräte im Boden des Weges“, sagt Hornecker. Ein Zeichen dafür, dass zu der Zeit schon Handel getrieben wurde und das Material aus Südengland importiert wurde.

Die Zeiten des Weges waren bereits im Mittelalter vorbei. Dann nämlich bezeugt eine Urkunde aus dem Jahr 1049, dass der Weg zur Grenze wurde. „Kaiser Heinrich hat dem Erzbischof von Bremen ein Jagdgebiet geschenkt, dessen Grenze machte einen Großteil des Volksweges aus.“ Noch heute stellen Teile des alten Weges eine Grenze dar. So trennt er die beiden Kirchgemeinden Bücken und Balge voneinander.

Wenige Quellen

Bis auf diese Urkunde gibt es wenig eindeutige Quellen des Weges. Erst im 19. Jahrhundert wurden wieder Aufzeichnungen des Weges angefertigt. „Zu der Zeit entwickelten die einzelnen deutschen Königshäuser ein gemeinsames Nationalbewusstsein und betrieben verstärkt Vergangenheitsforschungen.“

Neben Urkunden gibt es noch etwas anderes, was als eindeutiges Indiz für den Weg gilt: Steine – große Steine. „Die Reckumer Steine des Megalithgrabes müssen ja zum Beispiel irgendwie an diesen Ort gebracht worden sein. Das geht nur über einen ebenen Weg“, sagt Hornecker. Gleiches gelte für die Hünenburg in Stöttinghausen.

Vortrag zum Buch

Am Samstag, 25. Januar, wird Elfriede Hornecker ihr Buch über den Folcwech auch den Harpstedtern präsentieren. Eine Lesung wird es aber nicht. „Ich bin nicht so sehr fürs Ablesen“, sagt sie. Interessierte können sich also auf einen Vortrag freuen. Besonders auf die Quellenlage wird die Historikerin eingehen. „Es hat mich fasziniert, all die Puzzleteile zu finden und zusammen zu tragen.“ Ruhe im Ruhestand ist nun aber nicht angesagt. Hornecker hat schon das nächste Buchprojekt. Zusammen mit einer Gruppe erforscht sie quasi den Vorläufer des Schützenfestes in Hoya, das Bürgerschießen im 16. Jahrhundert.   „Unterwegs auf alten Spuren – Folcwech zwischen Weser und Hunte“ wurde beim Kieler Solivagus Verlag publiziert. Das 180-seitige Werk gibt es für 24,95 Euro im Buchhandel zu kaufen.

Freya Adameck Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2450
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.