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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Heidi Kabel auf der Spur

20.06.2015

Von Nervosität ist bei ihr noch nichts zu spüren. Andere in ihrer Situation hätten schon schlaflose Nächte, nicht so Hella Holldorf. „Fünf Minuten vor dem Auftritt bin ich etwas nervös, vorher habe ich überhaupt keine Zeit dazu!“, erzählt die 56-Jährige. Bevor es am kommenden Freitag mit „Dat is Chefsaak“ auf die Freilichtbühne in Schlutter geht, muss Hella ihre Schauspielkollegen und sich selbst schminken und dazu die passenden Frisuren zaubern. Sie ist bei der Speelkoppel Hoyerswege 2. Vorsitzende, Maskenbildnerin und Schauspielerin in Personalunion.

Nach fünf Jahren Pause wird sie am 26. Juni erstmalig wieder selbst auf den Brettern stehen, die ihr so viel bedeuten. „Ich musste aus beruflichen Gründen etwas kürzer treten.“ Die Leidenschaft für das Theater hat sie von ihrem Vater Ewald Claußen geerbt, der ebenfalls bei der Speelkoppel Hoyerswege aktiv war. Ihre drei jüngeren Geschwister haben im Gegensatz zu Hella mit Theater nichts am Hut.

Familie Claußen hat in Holzkamp einen landwirtschaftlichen Betrieb und da war es selbstverständlich, dass die Kinder mithelfen mussten. Ob in der Grundschule in Holzkamp oder später in Ganderkesee: Hella war schon damals nie um ein Wort verlegen. Wo sie war, da war Stimmung. Ihr Bruder wurde einmal von seinem Lehrer gefragt: „Bist Du auch so wie Deine Schwester?“ Sehr gerne wäre sie Polizistin geworden, aber es kam irgendwie anders. Ihr Schulpraktikum absolvierte sie in einem Delmenhorster Friseursalon. Das gefiel ihr so gut, dass sie in diesem Familienbetrieb auch gleich ihre Ausbildung machte.

„Ich war der letzte Lehrling, dann wurde der Salon dichtgemacht“, erzählt Hella mir. Das lag aber nicht an Hella, sondern der Inhaber hatte das Rentenalter erreicht. In nächsten Friseursalon war sie für die Herren zuständig. „Das hat mir viel Spaß gemacht. Die Männer sind bei Haareschneiden in der Regel unkomplizierter.“

1982 machte sie ihre Ausbildung zur Friseurmeisterin. Hella hatte sich eigentlich geschworen: „Einen Landwirt heirate ich nicht.“ Aber es kam alles ganz anders. „Auf einem Polterabend lief mir mein Otto über den Weg! Ja, wo die Liebe hinfällt“, blickt sie zurück. Otto Holldorf ist ein Landwirt aus Adelheide. 1987 wurde geheiratet; der älteste ihrer beiden Söhne, Sven, hat Hella und Otto vor einem Jahr zu Großeltern gemacht.

Schnell nach der Geburt der Söhne ging Hella wieder ihrem Beruf als Friseurin nach. „Ich brauche einfach den Kontakt zu anderen Menschen.“ Dann macht es ihr auch nichts aus, wenn sie vor Arbeitsbeginn um 8 Uhr noch die Kühe melken muss – und jetzt im Sommer sogar auf der Weide. „Da sind wir mittlerweile weit und breit die einzigen, die noch auf der Weide melken“, stellt Hella fest.

Hella und Ehemann Otto sind aktiv im Schützenverein. Hella ist ihrem Heimatverein Hoyerswege treu geblieben. 1986 war sie Schützenkönigin. „Vielleicht klappt es ja in diesem Jahr wieder“, lächelt Hella. „Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Hauptsache, wir haben Spaß.“

Spaß hat sie auch jedes Jahr beim Ganderkeseer Fasching, denn seit 30 Jahren ist sie aktiv in der Gruppe vom Ortsverein Schlutter, Holzkamp und Hoyerswege mit dabei. Theater, Fasching, trotzdem findet sie alle drei Wochen Zeit, um mit ihren Freundinnen Rommé zu spielen. „Eine Runde schaffen wir meistens, dann wird geschnackt.“ Zusammen mit ihren beiden Bühnenkolleginnen Linda und Heike werden sie oft gebucht, um auf Feierlichkeiten und anderen Gelegenheiten für Stimmung und gute Laune zu sorgen.

In zwei Jahren ist Hella 40 Jahre lang bei der Speelkoppel Hoyerswege im Einsatz. Zum Bühnenjubiläum verrät sie mir ihren großen Wunsch: Einmal in dem Stück „Tratsch im Treppenhaus“ die Rolle der Meta Boldt spielen, die seinerzeit von der legendären Heidi Kabel gespielt wurde. Ein Buch von Heide Kabel hat den Titel: „Manchmal war es nicht zum Lachen“; und auch dieser Satz trifft auf Hella zu.

Als sie elf Jahre alt war, verlor sie eine ihrer beiden Schwestern durch einen tragischen Verkehrsunfall; und ihr eigener Sohn Lars benötigte durch gesundheitliche Probleme in den ersten Jahren ihre ganze Zuwendung. Hella hat sich nie unterkriegen lassen – gerade in nicht so leichten Zeiten war und ist das Theater für Hella eine willkommene Abwechslung.

Hella Holldorf,Maskenbildnerin und Darstellerin bei der Speelkoppel Hoyerwege

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