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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Vergiftet, zerfetzt, gepeinigt: Das Leiden der Kriegspferde

20.03.2014

Schlutter Wie viele Soldaten im Ersten Weltkrieg starben, ist ziemlich genau bekannt: Auf deutscher Seite waren es etwas mehr als zwei Millionen Menschen. Ihrer gedacht wird in fast jedem Ort auf Denk- und Mahnmalen. Die Zahl der Tiere indes, die auf den Schlachtfeldern von 1914 bis 1918 ihr Leben ließen, hat niemand dokumentiert, sie kann nur geschätzt werden – und Denkmäler wurden ihnen schon gar nicht gesetzt.

In Schlutter wohl: Seit 2009 steht vor dem kleinen Heimatmuseum von Rudolf Vosteen der Nachbau eines Pferdedenkmales, das 1931 der damalige Holzkamper Dorflehrer Heinrich Petermann an seiner Schule aufgestellt hatte – zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg getöteten Reittiere. Das hölzerne Monument, mehr als zwei Meter hoch, war von zwei geschnitzten Pferdeköpfen gekrönt und beidseitig von einer Reihe Hufeisen gesäumt. In einem selbstverfassten Gedicht, eingraviert in die Holztafel, beschrieb Petermann eindringlich das Leiden und Sterben der Rösser im Kriegsdienst.

Vor hundert Jahren galten Kavallerie-Regimenter noch als taugliches Instrument der Kriegsführung – schnell jedoch bekamen die Truppenführer vor Augen geführt, dass berittene Soldaten gegen die moderne Infanterie nicht mehr bestehen konnten. Der Blutzoll war hoch – bei Mensch und Tier. Auch als Zugtiere für Kanonen oder Versorgungswagen wurden Pferde im wahrsten Sinne zuschanden geritten. Oder man trieb sie über vergaste Schlachtfelder, um zu prüfen, ob das Gift sich verzogen hatte. Rund eine Million Pferde sollen zwischen 1914 und 1918 allein auf deutscher Seite ums Leben gekommen sein.

Hufeisen anders herum

„Weh, weh, wir armen Pferde“: So beginnt Petermanns traurige Ode an das Schlachtross und diese Worte stehen auch ganz oben auf der Nachbildung in Schlutter, die ziemlich genau dem Original entspricht – bis auf die Hufeisen, die Rudolf Vosteen mit der Öffnung nach oben angebracht hat. „Damit das Glück nicht rausfällt“, wie er sagt.

Heinrich Petermann hat mit seinem Mahnmal wenig Glück gehabt. Zunächst machte er damit zwar Schlagzeilen: Sogar eine amerikanische Zeitung berichtete über sein Werk. Den Nationalsozialisten jedoch war seine fatalistische Beschreibung des Kriegsgeschehens ein Dorn im Auge. „Schreib über Menschen, Esel!“, schmierten Unbekannte schon ein Jahr nach der Aufstellung über sein Denkmal. 1937 wurde der Lehrer, der mit den braunen Machthabern nichts zu tun haben wollte, nach Cleverns in Friesland versetzt. Sein Pferdedenkmal nahm er mit, aber es hat seinen an Heiligabend 1945 verstorbenen Erschaffer nicht lange überlebt.

Gedicht berührt

Dagegen stößt der Nachbau bei Rudolf Vosteen auf großes und positives Interesse. „Besonders das Gedicht berührt viele Besucher“, ist sein Eindruck. „Die meisten Leute wissen ja gar nicht, wie die Pferde gelitten haben“. Vor einiger Zeit hat Vosteens Sohn Rainer auf dem Flohmarkt ein kleines Büchlein entdeckt: Der Autor Karl Löbe beschreibt darin, wie er als Soldat von 1914 bis 1918 mit seiner Stute Susi durch Dick und Dünn gegangen ist. „Das passt genau zum Denkmal“, findet Rudolf Vosteen, der die Einleitung des Buches kopiert, vergrößert und gerahmt hat.

Rudolf Vosteen weiß von keinen anderen Denkmalen, die an den Tod der Tiere im Ersten Weltkrieg erinnern. Es gibt eines in London, am Hyde Park: Das „Animals in War Memorial“ wurde 2004 von Prinzessin Anne eingeweiht. „They had no choice“ steht in großen Lettern darauf – „Sie hatten keine Wahl“!

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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