• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Holz als größte Liebe des Lebens

19.04.2013

Groß Ippener „Das Holz ist die größte Liebe meines Lebens“, schwärmt Franz Robert Czieslik mit einem Funkeln in den Augen. Bereits als Teenager von 13 Jahren verliebte sich der Bildhauer in dieses naturgewachsene Material, das so viel Kraft und Leidenschaft erfordert, um es in ein künstlerisches Objekt zu verwandeln. Werke von Ernst Barlach entfachten einst das Feuer in ihm. Nach einer Schaffenskrise vor einigen Jahren fand der in Wismar aufgewachsene Künstler in der Gemeinde Groß Ippener einen Platz, an dem seine Inspirationen zurückkehrte.

In dem Wochenendgebiet am Baßmerhoop fand der 47-Jährige eine kleine, bescheidene Bleibe. Hier zimmerte sich der gelernte Bau- und Möbeltischler unter hohen Bäumen ein Atelier aus Holzbalken und transparenten Wellplatten. Doch der Spross einer Künstlerfamilie (Mutter: Schauspielerin und Sängerin, Vater: Schauspieler, Musiker und Theaterdirektor) möchte an dem beschaulichen Fleckchen Erde nahe des Dünsener Bachs kein Eremiten-Dasein führen. Am Sonntag, 28. April, will er sein Atelier für alle Interessierten öffnen. Im Mai und Juli bietet er zudem über die Volkshochschule zwei Bildhauer-Kurse an (siehe Kasten).

„Baumturen“

„Ich mache die Seele des Baumens sichtbar“, sagt der Künstler mit der kleinen roten Filzkäppi, der seine teils figürlichen, teils abstrakten Skulpturen, von ihm „Baumturen“ genannt, gerne mit Leuchtpigmenten kombiniert.

Als Kunstschaffender hat Franz Robert Czieslik schon viel ausprobiert. Zu DDR-Zeiten war er Holzrestaurator bei der Mecklenburgischen Landeskirche. Nachdem ihm das SED-Regime ein berufsbegleitendes Studium verwehrt und Berufsverbot erteilt hatte, ging er in die Landwirtschaft.

Nach der Wende verhalf ihm ein ausgedientes, ostdeutschen Kultobjekt zu gewissem Ruhm: Er machte aus alten Trabis Möbel wie Betten, Sofas oder Tische. „Damit habe ich es sogar ins Time-Magazine International geschafft“, erinnert sich Czieslik lachend, der bis 1994 auch eine Trabi-Kneipe in der Nähe von Wismar betrieb.

Im Jahr 2000 entschloss sich Czielsik, von der Kunst als Freiberufler zu leben. Er hatte Ateliers in verschiedenen Städten, einen Dozentenauftrag an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden und war fünf Jahre Assistent des berühmten Münchner Malers und Bildhauers Rupprecht Geiger. In Wismar kooperierte er mit sozialen Trägern und arbeitete mit Behinderten und Drogenabhängigen.

Bitterböse Satire

Nach einer schweren Lebenskrise kam für Czieslik die ungewollte Trennung von seiner großen Liebe, dem Holz. „Ich habe fünf Jahre lang nichts geschaffen, hatte Depressionen und keinen Bezug mehr zu meinen Werken.“ Eine Stelle in der Landwirtschaft führte ihn nach Groß Ippener, hier hat er seine alte Liebe wiedergefunden.

Dass der 47-Jährige nicht nur mit Holz, sondern auch mit Worten umgehen kann, beweist er in bitterbösen Satiren. In einer Kolumne unter dem Pseudonym „Franz Zehnbier“ nimmt er für eine Radiokooperation Themen aus Politik und Gesellschaft aufs Korn, wie zum Beispiel den Euro-Rettungsschirm oder den neuen Berliner Flughafen. Auch in Lesungen trägt er seine pointierten Texte vor. Die Satire – für Czieslik offenbar die zweitgrößte Liebe seines Lebens.


Mehr über den Künstler unter   www.skulpturen-holz.de