• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Keine Jubelarie auf Weltmeister gesungen

02.01.2015

Wildeshausen Vom Finale, dem Tor von Mario Götze, dem Jubel in Deutschland: Davon war nicht die Rede. „Wir sind Weltmeister“ hatte das Ehepaar Dagmar Grössler-Romann und Ralf Grössler zwar ihr traditionelles Silvesterkonzert in der Wildeshausen Alexanderkirche überschrieben, doch der Kantor widmete sich allein einem Spiel: dem längst legendären Halbfinalsieg (7:1) der deutschen Fußballer über Gastgeber Brasilien. „Was geht denn hier ab! 5:0 für Deutschland gegen Brasilien. Sie träumen nicht. Es ist der 8. Juli 2014“, eröffnete Grössler den Abend mit einer Szene aus dieser Partie, die selbst für ihn „einige Momente“ hatte, wie er gestand.

Dass die knapp 300 Zuhörer bei diesem Jahresrückblick alles andere als eine Jubelarie auf die deutschen Fußballer erleben würden, machte Grössler mit seinem ersten Lied schnell deutlich. „Ein sonderlicher Typ“ aus der Feder von Oliver Gies (A-cappella-Gruppe Maybebop) erzählt von einem Mann, der dem Kicken überhaupt nichts abgewinnen kann. Textzeile: „Ich interessier’ mich einfach nicht für Fußball. Diesen Sport find ich nur primitiv und schlichtweg grauenvoll.“

Derart in Schwung, macht Grössler mit einem grimmigen Text von Denise-A. Langner-Urso aus der „Menschenzeitung“ weiter: „Deutschland. Ein Weltmeister wirft sich hinter jeden fahrenden Zug“. Darin wird lautstark beklagt, dass Deutschland allenfalls noch beim Fußball Weltmeister sei, in anderen Gebieten wie Technologie und Export längst nicht mehr. Geprägt sei das Land von der Masse der vielen Alten, die blockieren, und der Jugend, die nicht aufbegehre.

„Ein ein wenig theatralischer Beginn“, hatte Grössler die Fantasie g-moll für Orgel solo von Bach bezeichnet. Das galt für den gesamten Auftakt. Als der Kantor „Bach als Weltmeister der Barockmusik“ bezeichnet, findet der Abend dann endgültig zu jener Mischung aus festlich, romantisch, spitzfindig und nachdenklich-anregend, die ihn seit Jahren auszeichnet.

Grössler weist zu 25 Jahren Mauerfall auf die immer noch bestehende unterschiedliche Bezahlung von Kirchenmusikern hin. „Das ist bis heute so geblieben“, bedauert er und präsentiert den Titel „Unterwegs“ des DDR-Liedermachers Gerhard Schöne.

Mit Eckart von Hirschhausen wagt er den „Sprung ins Kalte“ und weist nach, dass es für jeden das richtige Element gibt. „Esst mehr Insekten“, schmettert er in einem witzigen Song von Oliver Gies. Der Kommentar zu Flüchtlingen und Vorurteilen: die wunderschöne Geschichte „Spaghetti für zwei“, geschrieben von Federica de Cesco, die von einer Begegnung im Zeichen italienischer Gemüsesuppe und diverser Missverständnisse erzählt.

Dazwischen gibt es immer wieder Instrumentallieder für Vibraphon und Klavier, die auf den Jahresschluss einstimmen. Drei Lieder singt der Kantor gemeinsam mit den Zuhörern, darunter „Was für ein Traum“ und „Millionen Lichter“.

Mit dem Abendsegen Hänsel und Gretel als Zugabe endet das Silvesterkonzert ganz traditionell. Ebenso wie jedes Jahr fällt der Applaus für diesen persönlichen und musikalischen Jahresrückblick aus: stark und lange anhaltend.


Texte:     www.menschenzeitung.de/?p=25646; www.maybebop.de/lyrics/fussball.php 
Ulrich Suttka
Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2702

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.