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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Kontakt knüpfen beim Kochen und Klönen

02.04.2016

Ganderkesee Bei gegrilltem Römersalat mit karamellisiertem Apfel, Hähnchenbrust in „Café de Paris“-Sauce mit kanarischen Kartoffeln und zum Nachtisch frittierter Milch klang am Donnerstagabend in geselliger Runde ein Experiment aus, das der Ganderkeseer Arbeitskreis Flüchtlinge speziell für allein lebende männliche Flüchtlinge initiiert hatte: ein kombinierter Koch- und Sprachkursus.

Nicht nur Essen verbindet, sondern auch gemeinsames Kochen – getreu diesem Motto hatte der Arbeitskreis zwölf Männer aus dem Irak und aus Syrien sowie einige Einheimische in die Küche der Delme-Werkstätten eingeladen. Am Herd standen neben den Teilnehmern zwei Profis: Adil Moutaoukil und Osama Al Husein. Moutaoukil wurde in Marokko geboren, wuchs in Spanien auf und lebt seit drei Jahren in Deutschland – auch in der Ganderkeseer Gastronomie stand er bereits in der Küche. Al Husein stammt aus dem Irak und lebt derzeit in einer Ganderkeseer Notunterkunft.

„Für die Frauen wird in puncto Integration bereits eine Menge gemacht“, erklärte Erich Kurzawski vom Arbeitskreis den Hintergrund des Kochkurses. „Männer haben es etwas schwerer.“

Während in der Küche die beiden Profi-Köche Regie führten und immer mit einem Teil der Gruppe die einzelnen Gänge zubereiteten, regte in Sichtweite zum Küchengeschehen Flüchtlingssozialarbeiterin Sandra Baba zum Sprechen an – auf Deutsch, versteht sich. Monika Kurzawski griff die wichtigsten Vokabeln aus dem Gespräch auf und notierte sie auf einem Plakat an der Wand.

Dort fanden sich schließlich Wörter wie „Enkelkind“, „Hafen“, „Zwillinge“, „Beamter“ oder „Einwohnermeldeamt“ – viele Begriffe, die einen unmittelbaren Bezug zur Vita der Männer haben. Fast alle berichteten von Frau und Kindern, die sich noch im Heimatland oder auf der Flucht befänden. Einer der Männer erzählte stolz, dass sein sechstes Kind, ein Junge, im August auf die Welt komme. Ein anderer legte in einem Mix aus Deutsch und Arabisch Wert auf die Feststellung, dass er nicht nur verheiratet, sondern seit 30 Jahren „glücklich verheiratet“ sei.

Ein Syrer schilderte, wie durch eine Handgranate im Café sein Gegenüber getötet und seine eigene Hand zerfetzt wurde. „Trotz seines Schicksals sei der Mann immer gut gelaunt“, fügte Sandra Baba an. Und noch etwas: Fast allen Teilnehmern gemein sei, dass sie ihre gesamte Habe verloren hätten.

Am Freitag kommender Woche findet ein zweiter Koch- und Sprachkursus statt. Ob das Angebot danach fortgeführt wird, hänge von der Finanzierung ab, so Erich Kurzawski. Etwa 200 bis 300 Euro würden pro Aktionstag benötigt.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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