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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Kulturelles Kleinod im Fokus

04.07.2009

WILDESHAUSEN „Ja, die gefallen mir gut“, sagt Bernhard Benecke, als ihm Fotografin Marianne Steinkamp die Bilder reicht. Sie zeigen den 86-Jährigen an seinem einstigen Arbeitsplatz, der alten Lohgerberei in der Wildeshauser Innenstadt. Benecke und seine Arbeit stehen im Mittelpunkt einer Dokumentation, zu der sich die Bildjournalistin aus Winkelsett, der Dötlinger Journalist Peter Kratzmann und Verleger Bernd Oeljeschläger zusammengefunden haben.

Der nächste Band der Reihe „Wildeshauser Schriften für Heimat, Geschichte & Kultur“ befasst sich allein mit der Lohgerberei, kündigt Oeljeschläger an. Steinkamp liefert Bilder mit Liebe zum Detail. Zum Autorenteam gehören Christina Reinsch, Indre Döpke und Andreas Vonderach. Kratzmann produziert einen 35-minütigen Dokumentarfilm als visuelle Ergänzung zum Magazin, das zum Jahresende erscheinen soll.

Im Jahr 1970 stellte Benecke als letzter Lohgerber in Wildeshausen seinen Betrieb ein. Doch die Werkstatt im rückwärtigen Gebäude des Wohnhauses Huntestraße 36 sieht so unberührt aus, als hätte der 86-Jährige gerade erst den Schlüssel herumgedreht. Trockenraum und Zurichteraum sind gut erhalten. Auf dem Dachboden lagert noch immer Rinde von jungen Eichen aus Luxemburg, die seinerzeit zu Lohe verarbeitet wurden. Und die große Walze im Nebengebäude ist ebenfalls noch funktionstüchtig. Allein die früheren Gerbgruben im Hof sind heute mit Erde aufgefüllt. „Es gibt keine vergleichbare komplett erhaltene Lohgerberei in Deutschland“, weist Oeljeschläger auf die besondere Stellung dieses kulturellen Kleinods im Herzen Wildeshausens hin. Der Bürger- und Geschichtsverein, dessen Vorsitzender Oeljeschläger ist, hat mehrfach ein Museum an diesem Ort ins Gespräch gebracht.

Die drei Autoren sind voll des Lobes über die Arbeit mit Benecke. „Er hat sehr viel Humor, lässt sich aber ungern fotografieren“, sagt Steinkamp. Und kaum einer steckt so im Thema, wie der gelernte Kaufmann: Gern erzählt Benecke, wie mit dem Degen die Felle abgeschabt wurden („In guten Zeiten habe ich 1000 Felle pro Jahr bearbeitet“) oder wie die Häute konserviert und getrocknet wurden. Viele Schablonen, die noch auf seinem Arbeitstisch liegen, hat er selbst gemacht. Geliefert wurde das Leder für Kunden in ganz Deutschland. „Am liebsten würde er noch einmal die Ärmel hochkrempeln und loslegen“, meint Oeljeschläger. Der neunte Band der Schriftenreihe werde daher auch eine Biographie über die Beneckes enthalten.

Stefan Idel
Redaktionsleitung
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2701

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