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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Tradition: Laut klatscht die Eisscholle auf die Hunte

13.01.2016

Wildeshausen Das laute Aufklatschen der mitgebrachten Eisscholle ließ keinen Zweifel aufkommen: Die Hunte war auch in diesem Jahr nicht zugefroren oder mit treibenden Eisschollen übersät. Damit stand das Ergebnis der 55. Eisschollenwette an der Landskrone in Wildeshausen am Montagabend fest und auch der Eintrag in das penibel geführte Buch der zwölf Eisschollen-Wetter: „Die Hunte fließt“.

An dem Ergebnis gab es nichts zu rütteln, klar war aber noch nicht, wer von den zwölf Mitgliedern die Wette auch richtig vorausgesagt hatte. Das hat insofern seine Bedeutung, da die Verlierer das Fest-Essen an diesem Abend bezahlen müssen.

Entstanden ist die Wildeshauser Wette in Anlehnung an die Bremer Eiswette auf der Weser in einer Bierlaune. Das war 1962 nach der großen Sturmflut. Daran kann sich Gründungsmitglied Gerhard Lübben (80) noch gut erinnern. Seitdem

treffen sich jedes Jahr am 11. Januar die zwölf Wettkönige in ihren schwarzen Mänteln und mit dem Zylinder auf dem Haupt, um mit dem Eisblock zu testen ob die Hunte „steiht“.

Daneben gibt es weitere

einzuhaltende Regularien.

Mit dem ersten Glockenschlag von der Turmuhr der Alexanderkirche um 20 Uhr müssen alle Mitglieder vor Ort sein und sich ein „Gut Scholle“ gewünscht haben. „Wer zu spät kommt, der muss zahlen. Fünf Euro hoch ist das Strafgeld“, lächelte Wilhelm Meyer mit einem Augenzwinkern.

Sechs Eiswetter tippten für die zugefrorene Hunte und sechs dagegen. Wer wie tippt, das entscheidet das Los. Das ist so Tradition. Auch, dass das Essen traditionell bei Barbara Wolters eingenommen wurde. Die Gastronomin stellte auch immer das Eis zum Testen zur Verfügung, ob die Hunte gefroren ist oder nicht.

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Mit dem Schließen der Gaststätte Wolters haben sich die Eiswetter nun nach 33 Jahren den „Wildeshauser Hof“ als Treffpunkt ausgeschaut. Das Eis kam von der Bäckerei Meyer und damit von Jochen Meyer, der selbst Eiswetter ist. „Ich habe noch einmal in unseren Aufzeichnungen nachgelesen. Es ist heute tatsächlich das 55. Mal, dass wir die Eiswette hier vornehmen“, erklärte Wilhelm Meyer als Sprecher der „Hunte-Eisschollen-Wette“. Er hatte auch herausgefunden, dass die Hunte zum letzten Mal 2009 Eisschollen trug. Dabei reichen einen Quadratmeter große Eisstücke, die auf der Hunte schwimmen. Dann gilt die Wette als gewonnen – zumindest für die, die für den Eisgang gestimmt hatten.

Den Begrüßungsspruch trägt jeder Eis-Wetter auf seinem Seidenschlips. Helga Niemann war es, die vor zehn Jahren in 14-facher Ausführung in blauer Batik-Technik die Schlipse entwarf. 14, weil zwei als Reserve gedacht sind. Man weiß ja nie….

Wilhelm Meyer: „Zum 50-Jährigen vor zwei Jahren versahen die Eisschollen-Wetter ihren roten, schmucken Bollerwagen mit der Aufschrift: ,Seit 50 Jahren’“. Von dem Wagen aus wird auch für den entsprechenden Proviant der alljährlichen Prozedur gesorgt. Käsehappen und vor allem „gebranntes Huntewasser“ machen die Runde.

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