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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Mit Professionalität wächst Popularität

05.02.2011

GANDERKESEE Zwei Pferdefuhrwerke, ein paar verkleidete Leute darauf, eine Musik- und Lautsprecheranlage: Das war der Urknall für den Fasching um den Ring. Aus einer kurzfristig improvisierten Tour durchs Dorf, mit der im Frühjahr 1951 die Werbetrommel gerührt wurde für den ersten gemeinsamen Maskenball von Schützen- und Turnverein, ist in sechs Jahrzehnten eine Großveranstaltung geworden: mit Dutzenden Terminen, Hunderten Helfern, Tausenden Beteiligten, Zehntausenden Zuschauern.

„Das hat sich ziemlich schnell entwickelt“, sinniert Rolf Wieting. Der 73-Jährige hat den Überblick: Als Büttenabend-Aktiver, Festausschuss-Mitglied, GGV-Vizepräsident und jetzt Mitglied im Ältestenrat war Wieting fast von Anfang an dabei. „Zunächst war alles noch sehr provisorisch“, erinnert er sich und beschreibt die ersten Büttenabende: „Als Vorhänge hatten wir Wolldecken, die waren so schwer, dass sie ziemlich durchhingen. Unser Ansager Hans Hirn konnte da drübergucken, und wenn er sagte, ,Jan Brunken is nu ok dor’, konnten wir anfangen...“

Die Büttenabende fanden von 1953 bis 1963 in der „Alten Eiche“ statt. Viel Platz war dort nicht für die Künstler: Die Kapelle musizierte auf ein paar zusammengeschobenen Tischen, umziehen und schminken mussten sich die Redner und Gruppen schräg gegenüber im Salon Schütte. „Auf dem Weg zur Bühne kehrten viele noch eben auf der anderen Straßenseite im Gasthof Brunken ein“, erzählt Rolf Wieting. „Es ging viel lockerer zu als heute.“

Straffe Organisation

Das Unternehmen Fasching gewann aber schnell an Professionalität. Hinter der familiären Atmosphäre stand eine straffe Organisation. Das galt nicht nur für die Büttenabende, die nach einem mehrjährigen „Exil“ in Hoyerswege und Immer ab 1971 in der damals neu erbauten Sporthalle am Steinacker stattfanden, sondern auch für die Umzüge. Beim ersten „richtigen“ Umzug 1952 führte die Narren bereits ein Prinzenpaar – Thea Lebrecht und Karl Koch – an, das in einem Prinzenwagen fuhr und auch schon eine Prinzengarde hatte (zunächst mit beiderlei Geschlechtern).

Den Termin für den Höhepunkt der närrischen Saison – am Sonnabend vor dem Rosenmontag – hatte Herbert Witte festgelegt, jahrzehntelang die treibende Kraft des Faschings. Nachdem zunächst die Führung der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) jedes Jahr neu besetzt wurde, immer wechselnd aus den beteiligten Vereinen, wählte man 1961 Witte zum festen Präsidenten. Er blieb es bis 1982. Sein Nachfolger wurde Rolf Kühn, den 1995 der bis heute amtierende Präsident Uwe Meyer ablöste.

Nach schwierigen Jahren Anfang der Sechziger, als in Ganderkesee keine Säle zur Verfügung standen und der Umzug 1962 wegen der Hochwasser-Katastrophe ganz ausfallen musste, gewann der Fasching Jahr für Jahr an Popularität und Zuspruch. Immer mehr Gruppen machten beim Umzug mit, so dass dieser sich irgendwann „in den Schwanz biss“ und die Strecke um den Steinacker erweitert wurde.

Über die Grenzen

„Richtig explodiert ist der Fasching aber erst Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre“, meint Helga Kühn, die als erste Kinderprinzessin (1953) sowie Tochter von Mitbegründer Gustav Schütte und Frau von Ex-Präsident Rolf Kühn immer dicht dran war am närrischen Epizentrum. Zunehmend drängten Gruppen von jenseits der Gemeindegrenzen zum Umzug, Prinzen und GGV-Offizielle hatten immer mehr Termine zu bewältigen, zeitweise gab es sechs Büttenabende pro Session. Aus dem Faschings-Dorf war die norddeutsche Narren-Hochburg geworden.

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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