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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Mit Monumentalwerk an Grenzen gegangen

21.12.2013

Ganderkesee Im Mai wollte Georg Müller noch „hinschmeißen“. Die englische Übersetzung seines neuen Buches sei „schlecht“, hatte er erfahren. Doch der Ganderkeseer riss sich zusammen, ließ Wissenschaftler die 1280 Seiten überarbeiten. Jetzt liegt das Ergebnis vor, in Englisch und auf Deutsch, und wird von Fachleuten als „Meilenstein“ und „Standardwerk“ gefeiert: „Europas Feldeinfriedungen“. Müller selbst nennt es „mein Lebenswerk“, auch „ein Vermächtnis“.

„Europas Feldeinfriedungen“ ist im Neuen Kunstverlag (Stuttgart) erschienen. Band 1 und Band 2 werden nur gemeinsam angeboten und kosten zusammen 298 Euro. Das 1280-Seiten-Werk behandelt zunächst gesamteuropäische Aspekte und widmet sich danach den einzelnen Ländern.Das Buch ist erhältlich in deutscher und englischer Sprache. Die erste Auflage liegt bei jeweils 500 Exemplaren.

Aktuell habe er bereits Vorbestellungen aus 17 Ländern, darunter auch die USA, berichtet Georg Müller. Nationalbibliotheken, auch Geografen oder Fakultäten von Universitäten hätten sich gemeldet. „Heute morgen kam sogar eine Anfrage aus China.“

In dem zweibändigen Werk zeigt Müller, was Menschen in ganz Europa über Jahrhunderte hinweg zum eigenen Schutz und zum Schutz von Hab und Gut bauten: Wallhecken oder Hecken, Feldmauern oder Umzäunungen in ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Über einen Zeitraum von 30 Jahren hatte er geforscht, allein in Europa 32 Länder mehrfach besucht (weltweit 52 Länder), dabei 239 000 Kilometer mit dem Pkw zurückgelegt, mehr als 50 000 Fotos geschossen.

Und was war sein Motiv? Er habe, so sagt Müller, in den 1980er Jahren festgestellt, dass viele dieser Einfriedungen verschwunden waren und teils in rasantem Tempo weiter verschwinden. „Da passiert etwas mit unserer Kulturlandschaft, und keiner merkt es.“ Nur: Was da verloren gehe, sei nicht nur prägend für das Landschaftsbild, es sei auch unverzichtbarer Lebensraum für viele Organismen. Mit den Hecken und Feldmauern verschwänden auch Tier- und Pflanzenarten.

Schon in der ersten Hälfte der 80er Jahre begann Müller, im Gebiet der Gemeinde Ganderkesee akribisch festzuhalten, was noch da sein müsste und was tatsächlich noch da war. 1989 veröffentlichte er sein Buch über Wallhecken am Beispiel der Gemeinde Ganderkesee („dafür habe ich den Bremer Preis für Heimatforschung bekommen“). Mitte der 90er Jahre folgte der nächste Schritt: Müller wollte das Buch überarbeiten und entschloss sich, den Fokus zu erweitern, erst auf Deutschland, schließlich auf Europa.

Auf seinen Reisen fotografierte, beschrieb und zeichnete der Autor die Feldeinfriedungen. Auch sammelte er Informationen über die Funktion, Verbreitung, Entstehung, Herstellung, Pflege, den Zustand oder das verwendete Material. Und Müller klassifizierte alle Objekte – womit er Neuland betreten habe, so sagt der 63-Jährige.

Für ihn selber gehe mit der Veröffentlichung eine extrem arbeitsreiche Zeit zu Ende. Oft habe er „von 5 bis Mitternacht“ an dem Werk gesessen. Seine Frau Gisela habe ihn enorm unterstützt.

Und jetzt? „Wir werden eine große Auszeit nehmen, reisen, uns Wünsche erfüllen.“ Dass da Langeweile aufkommt, sei nicht zu erwarten – zumal schon jetzt aus mehreren Ländern die Bitten um Vorträge vorlägen.

Karsten Kolloge
Harpstedt
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2706

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