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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Kultur: Notizen aus einem bewegten Künstlerleben

29.09.2014

Hude Mit einem spannenden Programmpunkt seiner diesjährigen Veranstaltungsreihe wartete der Kulturverein Hude Impuls am Sonnabend in der Klostermühle Hude auf. Aus Anlass des Beginns des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren sowie des Endes des Zweiten Weltkrieges, der sich im kommenden Jahr zum siebzigsten Mal jährt, wurde der Bildhauerin und Grafikerin Käthe Kollwitz in einer szenischen Lesung mit Musik gedacht. Die Künstlerin hatte beide Kriege erlebt. Im Ersten Weltkrieg fiel ihr Sohn, im Zweiten Weltkrieg verlor sie ihren Enkel. Beide Kriege haben ihr Schaffen wesentlich beeinflusst.

Es war sicherlich für viele überraschend, die bildende Künstlerin Käthe Kollwitz als Schriftstellerin zu erleben. Die von Juliane Ledwoch eindrucksvoll gelesenen Texte entstammen zwar „nur“ ihren Tagebüchern und den Briefen an ihren Sohn, halten aber jedem literarischen Vergleich stand. Der Bogen war gespannt von fröhlichen Beschreibungen kindlicher Ferienfahrten in das Samland über immer tiefer werdende Sorgen und Nöte aus der Erfahrung der Nazi-Schikane (sie erhielt Ausstellungsverbot) sowie der Kriege bis hin zur bedrückenden Erfahrung des Alterns und der Frage, dies selbst beenden zu können.

In Kollwitz’ grafischem Werk spiegeln sich ihre persönlichen Erfahrungen wider. Soziale Probleme, Mutter und Kind, Krieg und Tod sind die Themen ihrer Werke. Insbesondere der Tod des Sohnes auf dem Schlachtfeld hat sie nachdrücklich geprägt. Für ihre letzte Lithografie, entstanden 1942, wählte die Goethe-Verehrerin dessen Zitat „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“. Sie zeigt eine Mutter, die versucht, ihre Kinder vor dem Tod auf dem Schlachtfeld zu schützen. Im Tagebuch schreibt sie: „Vom Morden hat die Welt genug gesehen“ – ein Satz, der einen bestürzenden Blick auf die Weltsituation von heute lenkt.

Kollwitz’ Notizen wurden in Bezug gesetzt zu zeitgenössischen Textern und Songwritern wie Hanns Eisler, Berthold Brecht, Paul Dessau, Dimitri Schostakowitsch und Boris Blacher. Teilweise hat Kollwitz diese persönlich gekannt. Bedingt durch die zeitgeschichtlichen Ereignisse waren zu ihnen trotz unterschiedlicher Lebensläufe Parallelen entstanden, was die Liedtexte mit Stefanie Wüsts modulationsfähigem Sopran und der meisterhaften Akkordeonbegleitung von Edwin A. Buchholz unter Beweis stellten.

So wird dieser Abend wohl unter den Besuchern der Veranstaltung noch lange nachklingen.

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