• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Sie räumen mit Kaffee-Irrtümern auf

22.12.2018

Oberlethe Eigentlich trennen Robert Rosskamp und Rolf Sauerbier nur rund 50 Kilometer. Kennengelernt aber haben sich der Oberlether und der Bremer nicht etwa in Norddeutschland, sondern in Peru. Ihre große Leidenschaft hat sie zusammengebracht: der Kaffeeanbau. Obwohl sie beide mittlerweile im Ruhestand sind, fliegen sie – unter anderem als Berater für den Senior Experten Service SES – noch immer regelmäßig dorthin, wo die Früchte für unseren täglichen Koffeinkick wachsen. Und auch in Deutschland widmen sie sich ihrem großen Thema: Gemeinsam haben sie jetzt das Buch „Kaffee-Irrtümer“ (Edition Temmen) herausgebracht.

Fakten und Fakes

Was hat der Kaffee-Preis mit dem Schweinezyklus zu tun? Wie fair ist Fairtrade? Und wieso schmeckt Kaffee heute nicht mehr einfach nur wie Kaffee, sondern „nach reifen Fruchtaromen“, „leicht schokoladig“ oder nach Muskat? Es ist ein launiges und gleichwohl kritisches Buch, das Rosskamp und Sauerbier geschrieben haben. Und wer die beiden Autoren zusammen erlebt, kann sich vorstellen, dass sie durchaus auch Spaß dabei hatten, Fakten und Fakes zu sammeln.

Wird der Kaffee der NWZ-Redaktion ihren Ansprüchen genügen? – Das ist die erste, wenn auch nicht wichtigste Frage, die die Redakteurin vor dem Besuch der Kaffee-Experten umtreibt. Beide trinken ihren Kaffee schwarz, so viel ist nach der Lektüre des Buches bekannt, denn Milch und Zucker sind was für Anfänger, die sich noch nicht auf den bitteren Originalgeschmack einlassen mögen. „Für Warmduscher“, wie Rolf Sauerbier es augenzwinkernd nennt – und die Redakteurin muss zugeben, dass sie mit ihrer Vorliebe für Milchkaffee eindeutig in diese Kategorie fällt. Um es kurz zu machen: Sauerbier trinkt bei unserem Gespräch den Redaktionskaffee schwarz, Rosskamp nimmt ein Wasser. „Ich hatte schon so viel Kaffee heute“, lehnt er dankend ab, was aber nichts mit dem Mythos zu tun hat, Kaffee entziehe dem Körper Wasser. Das Koffein rege die Darmtätigkeit und die Nierenfunktion an, erfährt man in ihrem Buch – die Erklärung basiert auf Ergebnissen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Deshalb „treibt“ Kaffee, aber er entzieht dem Körper nichts, was er nicht früher oder später sowieso ausgeschieden hätte. Allerdings sagen auch Rosskamp und Sauerbier: Wer Durst hat, sollte Wasser trinken, keinen Kaffee.

Erst die Röstung macht die Bohnen zum Genuss.

Wissenswertes zu den Autoren

Der Oberlether Robert Rosskamp, Jahrgang 1942, ist promovierter Agrarökonom. Er war viele Jahre lang Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dort Leiter des Biokaffee-Projektes in Bolivien, Kolumbien und Peru. Seit fast 20 Jahren ist er u.a. freier Berater für Agrarvorhaben in Entwicklungsländern.

Rolf Sauerbier , Jahrgang 1945, war Pressereferent bei Jacobs Kaffee in Bremen. Von 1990 an engagierte er sich verstärkt für die Verbesserung der Kaffeeproduktion und -vermarktung. Heute arbeitet er ehrenamtlich für den SES und unterstützt Kooperativen und kleinere Unternehmen bei der Kaffeeröstung und -vermarktung.

Mit einem der Kaffee-Irrtümer also haben wir schon mal aufgeräumt. Weniger harmlos sind die Themen „Fairtrade“ und „Bio“, und da finden die beiden Kaffee-Experten ganz klare Worte. „Ich war ursprünglich begeistert von der Idee des fairen Handels“, sagt Robert Rosskamp. Und auch Rolf Sauerbier sagt: „Fairtrade hat ein anderes Bewusstsein für die Produkte aus der sogenannten Dritten Welt geschaffen. Dafür war diese Bewegung gut.“ Die „idealisierte Vorstellung“ jedoch, der Kaffeebauer oder Pflücker bekomme einen Teil des Geldes für fair gehandelten Kaffee direkt, stimme so nicht. Deshalb ziehen beide das Fazit: „Um tatsächlich gerechtere Bedingungen zu bekommen und in diesem Bereich etwas zu bewegen, müssten viel dickere Bretter gebohrt werden und die wirklich unfairen Handelsbedingungen in vielen Teilen der Welt angegangen werden.“


Auch über „Bio“ wissen sie Erstaunliches zu berichten: Der biologische Anbau von Kaffee sei so ertragreich, dass es durch die hohe Produktivität sehr viel Bio-Kaffee gebe – häufig allerdings ohne Zertifizierung, da diese viel Geld kostet. Rosskamp und Sauerbier sprechen von 1200 bis weit über 2000 Dollar pro Jahr für Inspektion und Zertifizierung.

Doch es sind nicht nur ernste Themen, die die beiden Norddeutschen in ihrem Buch der Kaffee-Irrtümer gesammelt haben. Wer weiß schon, dass Friedrich der Große versucht hat, den Siegeszug des Kaffees aufzuhalten und stattdessen für Bier plädierte? Das sei „das Getränk, das für unser Klima passt“, befand er. Und auch, woher Begriffe wie „Blümchenkaffee“ und „Muckefuck“ kommen, beleuchten die Autoren.

Eine große Familie

Was ist es eigentlich, das Rosskamp und Sauerbier auch im Ruhestand immer wieder in den Flieger steigen lässt, um in die Kaffeeanbaugebiete der Welt zu fliegen? „Kaffee ist einfach ein fantastisches Produkt“, schwärmt der Oberlether, der gerade aus Honduras zurückgekehrt ist. Weltweit gibt es rund 70 Kaffee-Anbauländer, „und ich war schon in fast allen“, sagt er. Nicht nur die Länder, auch die Akteure kennen sich untereinander, erzählt Rolf Sauerbier. „Das ist wie eine große Familie.“

Anke Brockmeyer Wardenburg / Redaktion Wardenburg
Rufen Sie mich an:
04407 9988 2730
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.