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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Oberst sagt ganz leise Servus

23.04.2016

Wildeshausen Wenn’s am schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Und so hält es auch Ernst Frost. „Ja, das war eine wirklich schöne Zeit“, sagt der Oberst über seine zehn Jahre an der Spitze der Gilde. Nun aber, so der 78-Jährige, sollten Jüngere nachfolgen. Dass die Amtszeit eines Oberst auf zehn Jahre beschränkt ist, hält er für völlig richtig. Immerhin sind es ja auch zwei Jahre mehr als beim amerikanischen Präsidenten.

Fast sein ganzes Leben hat er in der Gilde verbracht. 1957 ist der junge Ernst mit Freunden eingetreten. Und natürlich immer mit ausmarschiert. Doch nur noch ein Bild von seiner Zeit als Schwarzrock existiert heute noch. „Damals wurde auch noch nicht so groß wie heute gefeiert“, erzählt er. Vielleicht tausend Ausmarschierer seien Pfingstdienstag dabei gewesen. „Heute ist alles größer“, sagt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Nein, Nachwuchsprobleme hat die Gilde nicht. Und manchmal fragt sich der Oberst, ob der Erfolg nicht auch ein Problem sein kann.

„Das Gildefest wird von einigen wenigen in ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine gestellt. Wenn wir weiter wachsen, muss man auch über hauptamtliche Strukturen nachdenken“, so Frost. Doch am liebsten wäre es ihm, wenn es in den nächsten Jahren so bleibt wie es ist.

Dann holt er eine alte Zigarrenkiste heraus und zeigt Bilder aus seiner frühen Gildezeit. 1970, als er Schaffer wurde, waren bei jungen Menschen mehr die langen Haare und weniger die Uniformen angesagt. Doch in Wildeshausen gehörte die Gilde halt dazu. Eine Mode, die sich nie überholte.

Das ist für Frost auch das Erfolgsgeheimnis. „Wir leben Tradition. Aber wir schauen auch jedes Jahr, was wir besser machen können.“ Mit Live-Bands im Festzelt gab es einen gewaltigen Schub. „Heute feiert ja der ganze Landkreis hier“, sagt der Oberst stolz. „Allerdings kennt man nicht mehr jeden“, schränkt er ein.

In seine Amtszeit fallen auch einige Schlagzeilen, auf die er lieber verzichtet hätte. Allen voran die Ein- und Ausladung von Linken-Politiker Gregor Gysi. „Nein, gegen den Gysi habe ich überhaupt nichts“, stellt er rückblickend noch mal klar. Es waren die Alleingänge des damaligen Bürgermeisters, die zu dem Dilemma geführt hätten.

Er könnte noch viel erzählen, doch Frost spricht lieber über die schönen Dinge seiner Amtszeit. „Ich bin stolz auf die Offiziere, wie sie immer hinter einem gestanden haben“, sagt der Oberst. Die Gemeinschaft sei einmalig. „So etwas gibt es wohl nur in Wildeshausen“. Und selbst wenn der König mal aus den USA kommt, ändert das nichts daran. Als Eric Beyer den Papagoy von der Stange holte, schaute manch einer etwas betreten. Ein König in den USA, der nicht vor Ort ist?

„Der Eric hat aber allen gezeigt, wie sehr er Wildeshausen und die Gilde liebt“, sagt der Oberst.

Stolz ist Frost auch, dass sein Sohn Ernst-Dieter in seine Offiziersstapfen getreten ist. Und auch seine verstorbene Frau hatte ihm stets den Rücken frei gehalten.

Pfingstsonntag wird der Oberst seinen letzten großen Auftritt haben. Bei der Eröffnung auf der Burgwiese schreitet er noch voran. Eine Abschiedsrede ist aber nicht geplant. „Das steht nicht in den Statuten“, sagt Frost. Und Tradition ist schließlich Tradition – erst recht für den scheidenden Oberst.

Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601

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