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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Sammler hält Historie wach

13.06.2015

Ihr könnt doch nicht einfach eure Geschichte wegwerfen!“ – Mit diesen Worten begann eine Sammlung, die ihresgleichen sucht. „Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung haben die Bürger in Ostdeutschland alles weggeworfen, was sie mit der DDR verbunden hat!“, erinnert sich Jürgen Lüdtke (67). Er nutzte die Gelegenheit und sammelte alles, was er in die Finger bekam. Heute ist der Ganderkeseer im Besitz von mehreren Tausend Sammlerstücken, die an die ehemalige DDR erinnern.

Die genaue Anzahl kennt der der leidenschaftliche Sammler selbst nicht einmal. Schon in seiner Jugendzeit war Jürgen Lüdtke ein leidenschaftlicher Sammler und trug unter anderem Gegenstände aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkrieges zusammen. „Als Schüler wurde mir das auf die Dauer zu teuer und da habe ich damit aufgehört, was ich aber schon oft bedauert habe“, erzählt mir Lüdtke weiter.

Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf in der Nähe von Braunschweig. „Ich habe nie gemerkt, dass die Zeit nach dem 2. Weltkrieg schlecht war, ich bin immer satt geworden!“ Obwohl seine Eltern jeden Pfennig zweimal umdrehen mussten, schickten sie ihren Sohn Jürgen nach der Grundschule auf das Gymnasium, für das damals noch Schulgeld bezahlt werden musste. „Du sollst es einmal besser haben“, waren die Worte seines Vaters.

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Seine schulischen Leistungen waren eher mittel. Da er wusste, dass seine Eltern sein Studium nur schwer finanzieren konnten, verließ er die Schule vor dem Abitur mit einem Realschulabschluss. Beruflich wollte er sowieso schon immer etwas Künstlerisches und Kreatives machen, also begann er 1964 beim großen Kaufhaus Karstadt eine Ausbildung zum Schaufensterdekorateur, die er mit Auszeichnung abschloss. Er war so ehrgeizig, dass er sogar Schulungen besuchte, um seinen Kollegen in Stoßzeiten im Verkauf zu helfen.

Ehrgeiz und keine Angst vor neuen Aufgaben, diese Attribute haben ihn das ganze Berufsleben begleitet. So arbeitete er, ebenfalls in Braunschweig, in einem Kaufhaus für Hartwaren. Zunächst in seinem erlerntem Beruf. Dann wurde Lüdtke Assistent der Geschäftsführung. In seiner nächsten beruflichen Station im Kreis Lüchow-Dannenberg rettete er als Geschäftsführer ein Kaufhaus vor der Insolvenz, bevor er sich dann 1980 in Bassum selbstständig machte.

Er pachtete ein Geschäft für Eisenwaren, Werkzeuge und Spielwaren und hatte fast 50 Mitarbeiter. Als Geschäftsmann erwarb er sich hohe Anerkennung, und so wurde Jürgen Lüdtke unter anderem Vorsitzender des Einzelhandelverbandes im Landkreis Diepholz. Zudem war er Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren. In dieser Eigenschaft führte er Delegationen in die neuen Bundesländer und gab Existenzgründer wertvolle Tipps.

Während dieser Zeit in Bassum lernte er seine langjährige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau Heike Kruse aus Ganderkesee kennen, die ein Geschäft in Syke hatte. Da er sich mit seinem Verpächter nicht über einen Kauf oder eine Verlängerung des Pachtvertrages einigen konnte, gab er das Geschäft 1989 schweren Herzens auf. Der Einkaufsverband Nord-West in Hagen (Westfalen) holte ihn zu sich als Kundenberater. Auch in dieser Eigenschaft beriet Lüdtke viele Unternehmen, unter anderem auch in den neuen Bundesländern. Vor genau zehn Jahren zogen Jürgen und Heike von Hagen nach Ganderkesee, wo er sich als Unternehmensberater selbstständig machte. Sein Rat war sogar in Russland gefragt.

Seit drei Jahren genießt er seinen Ruhestand, wobei von Ruhe keine Rede sein kann. Ehrenamtlich engagiert sich Jürgen Lüdtke im Freiwilligen Forum „Mach mit“, wo er als Wohnberater für Senioren und Behinderte tätig ist. Ferner ist als Demokratie-Lotse bei „Bürger stärken Demokratie“ – und ist in dieser Funktion auch in Schulen aktiv. Beim Wichernstift in Elmeloh ist die „Oase – Gemeinsam leben“ beheimatet und hier betreut Lüdtke Bewohner. Zu alledem kommt noch seine anfangs erwähnte Sammelleidenschaft.

„Es ist doch viel zu schade, um alles im Keller verstauben zu lassen“, meinte vor einigen Jahren Ehefrau Heike. Kaum ausgesprochen, hatte Lüdtke schon seine erste Ausstellung in Syke organisiert und somit seine Sammlung der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In diesen Genuss kommen nun auch bald die Ganderkeseer. In der Zeit vom 6. bis 16. Juli wird es in der Turnhalle am Habbrügger Weg eine wahre Zeitreise zum Thema „Kindheit und Jugend in der DDR“ geben. Unter anderem wird hier auch sein persönliches Lieblingsstück zu bewundern sein: eine Fahne der Stasi-Bezirksverwaltung Rostock.

„Ich bin kein Ost-Nostalgiker, ich möchte vielmehr, dass die Geschichte in der DDR nicht in Vergessenheit gerät“, erklärt mir Jürgen Lüdtke.

Günter Lüdtke,leidenschaftlicher Sammler aus Ganderkesee

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