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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Schon immer gut in Religion

23.12.2017

Für Ruthild Steinert (58) wird dieses Weihnachtsfest das erste in ihrem neuen Heimatort Bookholzberg sein. Dabei muss sie Privates und Berufliches unter einem Hut bekommen, denn als neue Pastorin der ev.-methodistischen Kirchengemeinde in Bookholzberg ist gerade an Weihnachten ihr Einsatz gefordert.

Das beginnt schon ganz früh mit der „Heiligfrühmorgenwanderung“ und später leitet sie die Christvesper. In der Zwischenzeit schmückt sie den Tannenbaum und bereitet für ihre Familie das traditionelle Essen am Heiligen Abend vor, Kartoffelsalat mit Würstchen.

Ruthild Lehmann, so ihr Mädchenname, ist in Osnabrück aufgewachsen und ihre Familie gehört seit Generationen der ev.-methodistischen Kirchengemeinde an. Einer ihrer Vorfahren stiftete sogar eines der bunten Fenstergläser der Methodisten-Kirche in Bookholzberg. In ihrer Jugend war Ruthild in der Kirchengemeinde sehr engagiert. „Meine Schulnoten waren in Religion und Deutsch ,Himmel’ und in den anderen Fächer eher ,Hölle“. Ich habe an alles gedacht, nur nicht an die Schule“, gesteht Ruthild Steinert.

Zusammen mit einigen Mitschülern traf sie sich im Keller des Gymnasiums zum Schülergebetskreis. „Die Lehrer waren von diesen Aktivitäten nicht begeistert“, erinnert sich Ruthild. Im Laufe der Jahre verbesserten sich ihre schulischen Leistungen und zur Überraschung einiger Lehrer erreichte sie einen guten Notendurchschnitt beim Abitur.

Sie wollte es besser machen als einige Lehrer an ihrer Schule und studierte dann Religion und Geschichte auf Lehramt in Osnabrück. In diesem Studium lernte sie einen gewissen Eberhard Steinert kennen. Sie sollte seine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität übernehmen. „Zur Übergabe benötigte er anstatt weniger Stunden mehrere Tage“, lächelt Ruthild Steinert. Dem angehenden Musiklehrer gefiel die junge Studentin und seine Ausdauer bei der Übergabe sollte sich lohnen. Kurz vor dem Ende ihres Studiums wurde geheiratet und 1986 kam Tochter Clara zur Welt.

Zu der Zeit war es schwierig, eine Stelle als Referendar zu bekommen. Sie ließ ihrem Mann den Vortritt und verdiente durch Hausaufgabenbetreuung ihren Teil zur Familienkasse. Dann kam die Anfrage der ev.-methodistischen Kirche, ob sie an einer Referentenstelle für die Arbeit mit Kindern interessiert wäre. Da sie schon immer gerne mit Kindern arbeitete, willigte sie ein.

Ihr Einzugsgebiet reichte von Flensburg über den gesamten norddeutschen Raum bis nach Köln. Hier war sie für ungefähr 1000 Kinder verantwortlich. Von 365 Tagen im Jahr, war sie beruflich an 185 Tagen unterwegs. Ihr Ehemann arbeitete als Musiklehrer in Osnabrück und kümmerte sich während ihrer Abwesenheit um die Kinder, denn 1991 wurde Tochter Rebecca geboren. Irgendwann kam ihr der Gedanke: „Das kannst Du nicht ewig machen“. Während ihrer beruflichen Tätigkeit, war sie zusätzlich als Laienpredigerin aktiv gewesen. Da sie in ihrem Studium auch die notwendigen Sprachen Griechisch und Latein gelernt hatte, stand einer Stelle als Laienpredigerin mit Dienstauftrag der ev.-methodistischen Kirche nichts mehr im Wege.

Ihre erste Stelle trat sie 2003 bei der Kirchengemeinde in Leer in Ostfriesland an. Dort war sie die erste Pastorin. „Das war für einige Mitglieder der Kirchengemeinde nicht so leicht“, erzählt Ruthild Steinert. Im ersten Jahr pendelte sie aus Rücksicht auf ihre beiden Töchter zwischen Leer und Osnabrück. Dann folgte die Familie der Mutter in Richtung Ostfriesland. In dieser Zeit wurde Sohn Gideon (13) geboren, der besonders viel Aufmerksamkeit benötigte, da er mit einem Handicap zur Welt kam. „Es war eine tolle Zeit in Leer“, schwärmt Ruthild Steinert noch heute.

Wie in der ev.-methodistischen Kirche üblich, müssen die Pastoren nach einiger Zeit ihre Gemeinde wechseln. 2011 ging es für Familie Steinert von Leer nach Troisdorf im Rheinland. Die mittlerweile ordinierte Pastorin betreute dort fünf Kirchengemeinden in Köln, Bonn und Düsseldorf gemeinsam mit einem Kollegen. „Immer wenn dort Karneval war, sind wir geflüchtet“, gesteht Ruthild Steinert. Vor einem Jahr äußerte sie den Wunsch noch einmal die Kirchengemeinde wechseln zu dürfen. Im August 2016, als sie in Bookholzberg ihren ersten Gottesdienst leitete, hatte ihre Predigt den Titel: „Wohin geht’s?“.

„Beruflich und privat sind wir hier sehr gut aufgenommen worden und fühlen uns sehr wohl“. Im kommenden Jahr wird Familie Steinert Bookholzberg dennoch für einige Wochen verlassen, denn Reisen gehört – neben Kochen und Gartenarbeit – zu ihren liebsten Hobbys.

Ruthild Steinert,Pastorin der ev.-methodistischen Kirchengemeinde Bookholzberg

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