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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Spurensuche führt nach Afrika

11.06.2015

Ganderkesee Erwin Maurer hatte nicht viel erzählt. Ende März 1948 war er aus französischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Aber seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg konnte oder wollte er in seiner Familie nicht zum Thema machen. „Er war froh, da mit heilen Knochen rausgekommen zu sein“, sagen seine Kinder Walter Maurer und Angelika Grotheer. 67 Jahre später – und 22 Jahre nach dem Tod des Vaters – tauchten jetzt Informationen über dessen Weg auf: in einer Tasche, entdeckt in einem Nachlass in Großbritannien.

Wie berichtet, hatte sich vor wenigen Wochen die „Deutsche Dienststelle (WASt)/Die Auskunftsstelle für Wehrmachtsnachweise“ bei den Kindern von Erwin Maurer gemeldet. Der Anlass: eine Anfrage von Alfandary-Joseph Sarena aus London. Der Brite hatte im Nachlass seines Vaters die kleine Tasche entdeckt, mit Fotos, einem roten Taschenkalender von 1942, mit Postkarten, Merkzetteln, Zeitungsausschnitten. Anhand der Feldpostnummer auf dem Kalender war die WASt sicher: Es handele sich um das Eigentum von „Erwin Maurer, geb. am 02.09.1917 in Stuttgart“.

Als Angelika Grotheer und Walter Maurer die Tasche jetzt in Händen hielten, ging der Fall für sie genauso rätselhaft weiter wie er begonnen hatte. Denn auf den Fotografien „ist definitiv nicht unser Vater“, sagte Maurer. Auch auf die beiliegenden Zeitungsausschnitte mit Todesanzeigen junger Soldaten, 20 und 22 Jahre alt, konnten sich die beiden keinen Reim machen.

Eindeutig hingegen eine Bescheinigung aus Italien: Am 20. März 1942, also nur drei Wochen nach der Heirat, war der „Schütze Maurer Erwin“ in Neapel an Bord der M/N Giulia registriert worden, offenbar ein Schiff der italienischen Marine. „Dass unser Vater in Italien war, wussten wir nicht“, staunte Walter Maurer.

Rätselhaft bleibe auch, wohin der Weg von Neapel aus führte. Einen möglicher Hinweis könnte ein Faltblatt mit Verhaltensregeln liefern. Titel: „Deutscher Soldat in Afrika“.

Ganz genau haben Grotheer und Maurer den Kalender durchforstet – aber bis auf die Feldpostnummer ganz vorn finde sich hier kein Hinweis auf den Vater. Zuordnen konnten sie eine der Ansichtskarten: Da hatte Cousine Irma dem „Gefreiten Erwin Maurer“ geschrieben, abgesandt war der Brief am 11. April 1943 in Metz.

Und das Fazit? „Es ist schon ein angenehmes Gefühl, wenn man nach so vielen Jahrzehnten etwas vom Vater liest“, beschreibt Walter Maurer seine Empfindungen. Allerdings seien es „nur kleine Bruchstücke“ der Biografie, ergänzt Angelika Grotheer.

Für die beiden ist die Spurensuche nicht vorbei. Maurer: „Diese Tasche ist offenbar durch die Hände vieler Menschen gegangen, da taucht die Frage auf: Wer sind diese Personen?“ Am Dienstag hat er sich an das Pfarramt in Beckingen gewandt, einer Gemeinde im Saarland, aus der die 20 und 22 Jahre alten Gefallenen kamen. Maurers Vermutung: Die Fotografien könnten von dort stammen.

Parallel will er über die WASt herausfinden, in welcher Einheit der Vater war – um dessen Weg nachzuvollziehen. Einen potenziellen Helfer habe er dabei: das Internet.

Karsten Kolloge
Harpstedt
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2706

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