• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Stedinger machen Burgherren keine Freude

16.03.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-24T12:16:11Z 280 158

Geschichte I:
Stedinger machen Burgherren keine Freude

SCHLUTTER Wer beim Begriff „Burg“ zum Beispiel galante Ritter im Sinn hat, vornehme Damen in langen Gewändern und edle Pferde, der muss bei der Burg Schlutter umdenken. „Eine reine Verteidigungsanlage“ sei das gewesen, aus strategischen Gründen in einem sumpfigen Gelände an der Delme errichtet, erläutert Dirk Zoller. Die Bewohner hätten es mit der allgegenwärtigen Nässe zu tun gehabt, vermutlich auch mit vielen Insekten. Und mit den Stedingern.

Dirk Zoller, Sohn des früheren Bezirksarchäologen Dr. Dieter Zoller, hat sich intensiv mit Befestigungsanlagen in unserer Region befasst. Zum 750. Burgjubiläum von Delmenhorst (2009) verfasste er einen Beitrag über die Burg Schlutter im „Delmenhorster Heimatjahrbuch 2009“.

Danach wurde die hölzerne Trutzburg an der Delme spätestens im Jahr 1213 von Erzbischof Gerhard I. von Bremen errichtet. Er belehnte die Burg mit örtlichen Ministeralen, den Edelherren von Schlutter, später ging das Lehen an den Grafen Heinrich III. von Oldenburg-Wildeshausen.

Indes: Viel Freude hatten die neuen Besitzer an dem Bollwerk nicht. 1230 zerstörten Stedinger Bauern das Anwesen, in einem Rutsch damit auch noch das im Bau befindliche Kloster in Hude. Doch Bremens Erzbischof, mittlerweile war dies Gerhard II., ließ nicht locker: Die Burg wurde wieder aufgebaut. Zoller geht davon aus, dass dafür derselbe Standort an der Delme gewählt wurde.

Doch auch diesmal sollte der Bau nicht lange stehen. Um die Jahreswende 1233/34 sei es wohl gewesen, als erneut Stedinger Bauern anrückten und die Trutzburg dem Erdboden gleich machten, sagt Berrit Oltmann, ehemals Mitarbeiterin im Nordwolle-Museum.

Jetzt hatte die Geistlichkeit aus Bremen offenbar die Faxen dicke. Der Standort Schlutter wurde aufgegeben. Statt dessen errichteten die Grafen von Oldenburg weiter nördlich auf einer sandigen Anhöhe im Delmetal eine Wasserburg – jetzt schlug die Geburtsstunde von Delmenhorst.

Was bleibt, ist die Frage, wo genau sich die Burg Schlutter befand – denn das ist im Gelände heute nicht mehr ersichtlich. Letzte Klarheit, so Berrit Oltmann, könnten wohl nur Ausgrabungen bringen.

Doch es gibt Hinweise. Hier verweist Dirk Zoller auf die Oldenburgische Vogteikarte von 1790. Darauf klar erkennbar: Nordöstlich der Kreuzung von Delme und der heutigen Straße Schlutterdamm hatte die Delme einen Nebenarm, der sich wie ein Ring an den Bachlauf anlehnte. Über die Insel in der Ringmitte, so sagt Zoller, habe ein Weg geführt. Seine Folgerung: „Somit ist offensichtlich, dass sich an dieser Stelle wohl die Burgstelle befunden haben muss.“