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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Tv Hude: Tanzen mit zwei Beinen oder vier Rädern

02.11.2013

Hude „Slow, slow, quick, quick, slow“ tönt es durch den großen Saal des Vielstedter Bauernhauses. Alexandra Hoffmeyer-Hanke gibt den Takt für einen langsamen Tango vor. Die Tänzer bewegen sich grazil zur Musik – die einen auf zwei Beinen, die anderen auf vier Rädern. In der Rollstuhltanzgruppe des TV Hude tanzen Rollstuhlfahrer und Fußgänger gemeinsam.

Die ausgebildete Rollstuhltanzsport-Lehrerin und Motopädin Hoffmeyer-Hanke leitet die Gruppe seit der Gründung. Im Oktober 2002 riefen Klaudia Peters und der mittlerweile verstorbene Manfred Schlobohm vom Huder „Rolli-Treff“ die Gruppe gemeinsam mit dem TV Hude ins Leben.

Damit groß geworden

„Ich bin quasi mit dem Rollstuhl groß geworden“, erzählt Hoffmeyer-Hanke. Seit dem zweiten Geburtstag der Oldenburgerin sitzt ihre Mutter im Rollstuhl. Das aber hielt sie nicht davon ab, aktiv zu bleiben: Sie betreute eine Schwimm- und eine Tanzgruppe für behinderte Jugendliche. Im Alter von sieben Jahren schloss sich Hoffmeyer-Hanke der Tanzgruppe an. „Einmal haben wir zu „Jenseits von Enden“ von Nino de Angelo getanzt“, erinnert sich die heute 44-Jährige schmunzelnd zurück, „das war überhaupt nicht meine Musik.“

Mit 14 Jahren übernahm Hoffmeyer-Hanke die Leitung der Gruppe. „Ich habe Musik ausgesucht, die mir gefiel“, berichtet sie. Ein Auftritt ist ihr aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben: Zu „Mr. Roboto“ von den Styx tanzten vier Fußgänger und acht Rollstuhlfahrer bei einem großen Behindertensport-Wettkampf in Wilhelmshaven. „Wir waren bunt verkleidet und wild geschminkt“, schwelgt sie lachend in Erinnerungen, „das war ein riesiger Erfolg.“

Mit 16 Jahren machte Hoffmeyer-Hanke beim Behindertensportverband Niedersachsen den Übungsleiterschein mit dem Schwerpunkt Neurologie und geistige Behinderung. Ihre Gruppe leitete sie mit Begeisterung: „Wir waren Halbstarke und fühlten uns rebellisch.“ Verkleidungen und Schminke wurden zum Markenzeichen der Gruppe. Unter dem Namen „Rolli-Rockfuß“ standen die Jugendlichen auf zahlreichen Bühnen. Die Gruppe hatte keine Standardtänze im Programm: „Wir haben eher Geschichten getanzt“, erklärt Hoffmeyer-Hanke.

Bis zu ihrem 18. Lebensjahr leitete die Oldenburgerin die Gruppe. Dann begann sie eine dreijährige Ausbildung zur Erzieherin in Vechta. Anschließend kehrte sie als Leiterin der Gruppe zurück und weitere elfeinhalb Jahre mit „Rolli-Rockfuß“ folgten.

1996 schickte sie der Behindertensportverband Niedersachsen nach Stuttgart. Dort wurde sie vom Deutschen Rollstuhlsportverband an sechs Wochenenden zur Übungsleiterin für Rollstuhltanz ausgebildet – damals ein Pilotprojekt. Dann kam die Huder Gruppe dazu. „Rolli-Rockfuß“ löste sich kurze Zeit später auf.

Rockig geht es aber auch beim TV Hude zu. Die Rollstuhltanzgruppe bewegt sich in erster Linie zu aktuellen Hits aus den Charts. „Das hat den Vorteil, dass die Tänzer, wenn sie ausgehen, auch tanzen können“, erklärt Hoffmeyer-Hanke ihre Wahl. Sie zeigt den Gruppenmitgliedern Choreographien, so dass sie sich einzeln bewegen können, aber auch Standard-Paartänze wie Walzer, Chachacha und Discofox gehören zum Repertoire.

Selbstbewusst

Hoffmeyer-Hanke achtet bei ihren Tänzern viel mehr auf den Ausdruck als auf den Takt. „Es gibt keine Fehler beim Tanzen, man hat sich nur umentschieden“, sagt die Mutter zweier Kinder lächelnd. Wenn man selbstbewusst auftrete, falle eine falsche Bewegung niemandem auf. „Auf der Bühne ist der Behindertenbonus vorbei“, so die 44-Jährige, „sie sollen zeigen, was sie können.“

Und das taten sie bereits: So war die Gruppe unter anderem mehrfach gern gesehener Showact bei der Tanzgala in Oldenburg und auch der NDR hat schon über die kreativen Tänzer berichtet.

Derzeit gehen es die 16 Mitglieder ruhiger an: Sie tanzen jeden zweiten Dienstag unter sich im Vielstedter Bauernhaus. Neue Tänzer sind gerne gesehen – auch Fußgänger. Mitzubringen sind lediglich „Spaß und Freude an Bewegung“. Hoffmeyer-Hanke betont: „Einschränkungen stören nicht, wir finden wirklich für jeden eine passende Lösung.“

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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