• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Trasse sorgt für Spannung auf dem Desum

26.06.2017

Emstek /Wildeshausen Und wieder einmal war es soweit: Das historische Gogericht am Desumstein bei Emstek tagte. Wie jedes Jahr gab es einen aktuellen und einen Fall aus früheren Jahren zu verhandeln. Und wie jedes Jahr gehörten Kostüme dazu, in denen auch Mitglieder der Theatergruppe Evenkamp steckten, die in diesem Jahr mitwirkten.

Zahlreiche Besucher waren gekommen, um sich das Spektakel anzuschauen. Dazu gab es Brötchen, Bratwurst und Getränke. Der Vereinsvorsitzende Georg Meyer-Nutteln begrüßte die Vertreter der einzelnen Gemeinden, die einen Erinnerungsstein auf dem Gogericht aufgestellt hatten. Der diesjährige Gograf Josef Kolbek berief die Mitglieder des Gogerichts.

Ludger Brokamp als langjähriger Gerichtsschreiber berief die Mitglieder der einzelnen Gerichtsbezirke. In diesem Jahr kamen sie aus Löningen, Wachtum, Goldenstedt, Wildeshausen-Düngstrup, Visbek, Friesoythe, Cappeln, Cloppenburg und Langförden.

Im aktuellen Fall ging es um Stromtrassen. Rolf Fahrenholz, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Landkreis Cloppenburg unter Spannung“, schilderte die Problematik des notwendigen Stromtransports in den Süden. Nach seinem Vortrag fällten die Schöffen ihr Urteil. Sie waren sich einig, dass die Energiewende stattfinden müsse. Der Strom müsse von Norden nach Süden transportiert werden. Dies müsse aber verträglich für Mensch, Flora und Fauna geschehen. Die Schöffen hielten es für am verträglichsten, wenn der erzeugte Strom, sei es durch Wind an der Nordsee oder hier in der Region, als Gleichstrom in erdverlegten Kabeln nach Süden transportiert werde.

Der historische Fall bezog sich auf das Jahr 1738. Der Reitmeier Gutsherr Große Beilage aus Essen ist verpflichtet, für den Landesherrn stets ein sattelfertiges Pferd, den sogenannten Amtsklepper, bereit zu halten. Dem Gutsherrn wurde vom Landesherrn eine Strafe von 40 Talern auferlegt, denn der Amtsklepper befand sich in einem miserablen Zustand, als dieser dem Landesherrn vorgeführt wurde. Gegen diese Strafe hatte der Gutsherr Berufung eingelegt.

Mit seiner Ehefrau war der Reitmeier beim Gogericht erschienen. Seine Ehefrau verlangte lauthals die Erstattung der 40 Taler. Ins Spiel kam auch der Großknecht Johann Diekmann. Er soll laut Angaben der Ehefrau mit dem Pferd nach Löningen zu einem Schäferstündchen geritten sein. Ihr Ehemann befand sich angeblich beim Pastor, um den Erntedankgottesdienst vorzubereiten. Daher solle der Knecht die Taler zahlen.

Jetzt trat als Zeugin Elisabeth Lamping auf, die als Dame aus dem horizontalen Gewerbe bekannt ist. Großknecht Diekmann, so stellte sich heraus, war an dem Abend nicht bei der Dame gewesen, sondern beim Pastor. Er hatte mit ihm einen Obstler getrunken. Wo der Gutsherr an diesem Abend war, konnte durch das Verhalten der Dame schnell geklärt werden. Die Geldstrafe des Landherrn war also berechtigt.

Mit dem Lied „Heil dir o Oldenburg“ wurde der Gerichtstag am Desumstein beendet.