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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Theater: Verzweiflung der Exilanten wird hörbar

15.04.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T08:37:20Z 280 158

Theater:
Verzweiflung der Exilanten wird hörbar

Sandhatten In einem Dreieck sitzen die Zuschauer in einem Raum des Atelier 5 in Sandhatten. Während sich Bekannte noch begrüßen und Neuigkeiten austauschen, steht Ralf Selmer in altmodischem Hut und langem Mantel an die Wand gelehnt, neben sich einen abgegriffenen Lederkoffer. Einige Meter weiter steht Franziska Vondrlik, ebenfalls mit einem Koffer. Noch sprechen beide kein Wort, schlendern aber ab und an zu einem Papierstreifen an der Wand, um einige Worte darauf zu notieren.

Erst nachdem Uta Fleischmann die Gäste in strengem Kasernenhofton über die Spielregeln aufgeklärt hat, beginnt das Stationendrama „Exil im Exil“. Die Literaturwissenschaftlerin hat es aus Tagebucheinträgen von Dichterinnen und Dichtern erarbeitet, die Deutschland in der Zeit von 1933 bis 1945 verlassen mussten.

Von Raum zu Raum folgen die rund 20 Männer und Frauen dem Schauspielerpaar durch die Räume, werden in Gruppen aufgeteilt und auch einmal barsch in den „Warteraum“ zurück verwiesen. In Kombination mit den oftmals tief verzweifelten Gedanken der Exilanten, die man selbst zu hören glaubt, mit Schritten, die unablässig aus einem Lautsprecher tönen, entsteht so immer wieder eine beunruhigende, beklemmende Stimmung, die sich auf allen Gesichtern spiegelt.

Noch verstärkt wird dieses Gefühl durch die Enge, etwa wenn sich die Gruppe in einer dunklen Abseite zusammendrängt, den Kopf unter eine Wandschräge geduckt, nur das Licht einer Taschenlampe erleuchtet dabei Textbuch und Gesicht der Schauspielerin.

„Wenn alle diese Beklemmung gespürt haben, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Uta Fleischmann später, als Zuschauer und Schauspieler bei einem Glas Wein dort zusammenstehen, wo kurz vorher noch gespielt wurde. „Man sollte nachfühlen, wie es diesen Menschen in dieser Zeit gegangen ist.“ Das ist sichtlich gelungen: „Gut, das wir in anderen Zeiten leben“, sagt Zuschauerin Monika Grashorn.

Einen wesentlichen Anteil an der Stimmung haben auch die Räume im Atelier 5. „Vor acht Jahren haben wir das schon einmal gezeigt, mit ähnlichen Texten, aber in einer reinen Bühnensituation“, sagt Uta Fleischmann. „Hier gibt es diese unglaublich spannende Komposition durch die Raumsituation und durch die bildende Kunst von Maria-Anna Nordiek, in der das ,Unterwegs sein’ ja auch eine große Rolle spielt.“

Die Sandhatter Künstlerin und Gastgeberin Maria-Anna Nordiek hat, nachdem sie ihr Atelier schon für Ausstellungen geöffnet hatte, mit ihrer Zusage für dieses Projekt wieder alles richtig gemacht.

Die drei Vorstellungen am Freitag, Sonnabend und Sonntag waren restlos ausverkauft – über weitere Termine im November denken die Organisatorinnen nach. Sie sollten nicht zu wenige ansetzen, die Warteliste ist zu Recht schon jetzt lang.


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