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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Von humorvoll bis nachdenklich

09.12.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T16:07:06Z 280 158

Landfrauen:
Von humorvoll bis nachdenklich

HARPSTEDT Zeit ist ihr Thema. Lebenszeit, Zeitmuster in uns, Zeit im Nacken, Zeit für Muße – oder auch die Adventszeit, eine Wartezeit. Doch ehe die Gesundheitswissenschaftlerin und emeritierte Professorin Dr. Annelie Keil ihren gut 120 Zuhörerinnen bei der abendlichen Weihnachtsfeier des Landfrauenvereins Harpstedt- Heiligenrode am Mittwoch all diese Stichworte erläutern konnte, hatte sie selbst ein zeitliches Problem: Wetterunbilden erschwerten ihre Anfahrt und verzögerten den Besuch. Kurz, gestand die Wissenschaftlerin, Jahrgang 1939, habe sie überlegt umzukehren; wegen der vielen Wartenden aber habe sie sich gesagt: „Stille, Muße ist angesagt – Faulheit aber nicht: Du machst das.“ Und so referierte Keil wie vorgesehen über Stille, Muße, Faulheit als „heimliche Verführer zum Leben“.

Zuvor hatten am Nachmittag im Koems-Saal bei einer weiteren Weihnachtsfeier bereits rund 140 Landfrauen einen vergnüglich-besinnlichen Nachmittag erlebt mit dem Autor und passionierten „Plattsnacker“ Falko Weerts. Sein Motto: „Wiehnachten steiht vör de Döör“. Nicht nur Landfrauen-Vorsitzende Astrid Lehnhof hatte Spaß an dem „gelungenen Wechsel“ von Geschichten und Gedichtvorträgen Weerts’ sowie der musikalischen Begleitung durchs Akkordeonduo Cornelia und Claus Kasimirs. Für Weihnachtliches sorgte zudem der Landfrauenchor.

Gleich zwei Weihnachtsfeiern an einem Tag hatte es bis dato beim Landfrauenverein nicht gegeben. Nicht zum ersten Mal indes war der mehr als 600 Mitglieder starke Verein den Wünschen gerade auch berufstätiger Frauen nach einer abendlichen Feier gefolgt – und lag damit richtig, wie die voll besetzten Tische zeigten.

So hatte auch Annelie Keil ein vielköpfiges Publikum, das sie mitnahm auf eine Reise durchs Labyrinth menschlicher Zeit- und Lebensgestaltung. Mal tiefsinnig, mal mit Witz, mal provokant, mal mit Plaudereien durchzogen verpackte die Bremerin, deren wissenschaftliches Interesse gerade dem Zusammenhang von seelischer und körperlicher Krankheit gilt, ihre Botschaft: „Leben ist nur eine Möglichkeit, leben müssen wir selbst. Und das Leben braucht etwas, ohne das es nicht auskommt: Zeit!“ Sie appellierte, wieder zu lernen, etwas in Muße zu tun: Muße heiße nicht Nichtstun, sondern etwa „ein Buch lesen, obwohl da viel Wäsche steht“. Das weihnachtliche „Macht hoch die Tür“ sei auch sonst eine interessante Frage: „Wie lernen wir im Leben, Tür und Tor aufzumachen – und vielleicht im richtigen Moment wieder zu schließen.“ Es gehe um „eigene Zeit“, warnte sie davor, sich stets Gedanken für andere zu machen. Wichtiger Teil der „Zeitverschleuderung“ sei, „dass wir uns ständig mit Schuldgefühlen und Erwartungen beschäftigen“. „Wie sieht in Ihrem Leben die faule Ecke aus? Welche Aktivität können Sie fallen lassen, wenn die Zeit knapp ist?“, regte sie zum Nachdenken über eigene Zeitmuster an. Denn: „Du hast nur ein Leben.“