• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Wardenburger Familie feiert Neujahr im Februar

06.02.2019

Wardenburg Für die Menschen im Oldenburger Land ist der Neujahrstag nach 37 Tagen längst „abgefeiert“ und dem Alltag gewichen. Für die gebürtige Tibeterin Lobsang Stelljes aus Wardenburg hat das neue Jahr dagegen erst am Dienstag begonnen. Nach dem tibetischen Kalender ist in diesem Jahr am 5. Februar das Neujahrsfest „Losar“, das am Himalaya gerne über mehrere Tage gefeiert wird.

„Meine Frau schmückt zum Neujahrsfest immer einen Altar mit vielen Opfergaben“, erklärt Ehemann Achim Stelljes. Und auch in diesem Jahr ist der Altar in der Wohnstube am Marschweg wieder reich „bestückt“. Gewürze, Obst, gepresster Tee und Blumen drapieren sich um reich verzierte Holztischchen. Obenauf thront ein Turm aus frittiertem Gebäck. „Diese Gebäckteile symbolisieren die Füße von Tieren, wie von Yaks und Pferden. An Neujahr wünscht man auch ihnen ein gesundes Leben“, erklärt die 65-jährige tibetische Buddhistin, zündet ein Räucherstäbchen an, legt die Hände betend aneinander und verbeugt sich leicht. So tut es auch der Dalai Lama, das im Exil lebende religiöse und weltliche Oberhaupt der Tibeter, auf einem der vielen Fotos rund um den Altar.

Paar hat drei Kinder

Lobsang Stelljes lebt seit 1989 in Deutschland. Im Alter von sechs Jahren floh sie 1959 mit ihren Eltern und einem Teil ihrer 14 Geschwister vor den chinesischen Besatzern ins indische Ladakh, wo sie fortan lebte. In Indien schloss die Tochter von Halbnomaden ihre Schule ab, wurde zur Armee eingezogen und arbeitete anschließend als Bürokraft. Bei ihrer Arbeit an einer Schule lernte die Exiltibeterin 1984 ihren heutigen Mann Achim Stelljes kennen.

„Ich hatte ursprünglich eine Weltreise machen wollen, bin aber über Asien nicht hinausgekommen“, erinnert sich Achim Stelljes lachend. Zuerst habe er sich intensiv mit dem Hinduismus beschäftigt und auch die Sprache Hindi gelernt, später kam die Neugierde über den Buddhismus dazu. „Ich war in Nordindien, um dort Tibetisch zu lernen und begegnete dann dort meiner Frau“, erzählt der 64-Jährige.

In Deutschland wurden dann die drei Kinder des Paares geboren, die alle tibetische Namen bekamen: Tenzin Sonam (32), Paema Nangyal (29) und Jampa Tsedön (27). „Beim tibetischen Neujahrsfest ist es wie in Deutschland an Weihnachten: Da besucht man die ganze Familie“, erklärt Lobsang Stelljes. „Weil Losar dieses Jahr in der Woche liegt, kommen zwei Kinder erst am Wochenende, unsere ältere Tochter lebt in den USA“, sagt Stelljes, der als Verwaltungsangestellter an der Uni Oldenburg arbeitet und nebenberuflich Asientouren als Reiseleiter begleitet.

Plakat um Dokumentarfilm Karuna Grand Show. BILD: Veranstalter

Deutsche tibethilfe zeigt film im Casablanca

Einen Dokumentarfilm des deutschen Filmemachers Wolfram Seipp zeigt die Deutsche Tibethilfe am Sonntag, 24. Februar, ab 11 Uhr im Kino Casablanca in Oldenburg. „Karuna Grand Show“ (Original mit Untertiteln) heißt der Film, den Seipp 2016 drehte. Darin begleitet er eine 13-köpfige Gruppe behinderter tibetanischer Jugendlicher, die mit neun tibetanischen Popstars durch Tibet-Siedlungen in ganz Indien touren. Höhepunkt dieser Tour: ein Treffen mit dem Dalai Lama in Dharamsala.

Die Grand Karuna Show ist laut Ankündigung ein wunderbarer, fröhlicher und lebensbejahender Film, der Filmemachern, Kindern und Zuschauern Spaß macht.

Der Regisseur Wolfram Seipp wird bei der Vorstellung in Oldenburg anwesend sein und Fragen beantworten.

Am Losar-Fest gibt es verschiedene Rituale, mit denen Kinder gegenüber den Eltern beziehungsweise Jüngere gegenüber Älteren Respekt erweisen, weiß Achim Stelljes.

Buttertee und Momos

Auch traditionelle Spezialitäten würden an Neujahr aufgetischt, wie das Nationalgetränk Buttertee, die gefüllten Teigtaschen „Momos“, Suppe mit Guthuk-Nudeln aus neun verschiedenen Zutaten sowie mit verschiedenen „Überraschungen“ gespickte Teigbällchen, die etwas über den Charakter eines Menschen verraten sollen. „Findet man zum Beispiel Chili ist man temperamentvoll, bei Kohle hat man ein schwarzes Herz“, verrät die Großmutter eines Enkels.

Zweimal war Lobsang Stelljes, die längst einen deutschen Pass hat, seit ihrer Flucht vor 60 Jahren in ihrem Geburtsland – als Touristin. „Wir waren sogar in einem Ort, in dem Verwandte von ihr leben, aber an diese Menschen kommt man nicht heran, weil die Chinesen einen genau beobachten und jeden Kontakt zu den Einheimischen unterbinden“, bedauern die Stelljes, die seit Jahren von Deutschland aus versuchen, den von der chinesischen Regierung unterdrückten Tibetern zu helfen.

Achim Stelljes ist im Vorstand der Deutschen Tibethilfe, die unter anderem tibetische Kinder und Studenten in Tibet, Nepal und Indien unterstützt. Bis 2008 war Sitz des Vereins Oldenburg, mittlerweile wird er von Hamburg aus gesteuert. Am 24. Februar zeigt die Tibethilfe eine Dokumentation über tibetische Jugendliche (siehe Info-Box).

Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
Rufen Sie mich an:
04407 9988 2730
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.