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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Konzert: Widerspruch gegen Abwertung Telemanns

09.05.2017

Ostrittrum Mit einer Portion Arroganz und einem Quäntchen Wahrheit hat Igor Strawinsky dem Barockkomponisten Antonio Vivaldi bescheinigt: Der Italiener habe nur ein einziges Konzert geschrieben – das dann aber gleich 300 mal. An Georg Philipp Telemann hat sich der freche Igor mit einem solchen halb ironischen, halb zugespitzten Urteil nicht gewagt. Hat er in der Musikmenge des deutschen Meisters aus Hamburg hinter allen barocken Floskeln doch schon eine weit reichende Vielfalt der Musik gespürt?

Thomas Bönisch würde heftig Widerspruch gegen die Abwertung Telemanns als reinem Vielschreiber einlegen. Eindrucksvoll führt er Gegenrede mit dem Kammerorchester St. Anna aus Bardenfleth beim fulminanten Konzert auf dem Hof Schweers in Ostrittrum.

Mit den 14 Streichern des von ihm seit 2003 geleiteten Ensembles, dazu Flöten, Hörner und Cembalo, zeigt der Chordirektor und Kapellmeister am Staatstheater: Telemann (1681 - 1767) hat inmitten mancher Massenproduktion ungemein fantasievolle Musik entworfen, vielschichtig zwischen Humor oder Bedenklichkeit, nicht nur naiv melodisch eingängig, sondern auch fest in den inneren Strukturen und voller harmonischer und klanglicher Finessen.

Das Programm stellt seinen musikalischen Charakter in beträchtlicher Breite vor. Die „Conclusion“ e-Moll für zwei Flöten und Streicher ist eine konventionell gediegene Arbeit. Die illustrative Suite „Burlesque de Don Quixote“ entwickelt zur plastischen verbalen Schilderung der Szenen durch Stefan Tönjes eine faszinierende Bildkraft. Ein virtuoses Konzert für zwei Hörner steht für die Instrumentenkunde des Autors. Eine mitreißende Entdeckung ist die dramatische Kantate „Ino“, Telemanns im Alter von 84 Jahren letztes vollendetes Werk, ein noch regelrecht feuriges.

Für die Aufwertung Telemanns erweist sich das Orchester als geistvoller Fürsprecher. Der Dirigent animiert zu rhythmisch pointiertem Spiel, bei dem sich Schönklang ausbreiten darf und in dem liebevoll den Details nachgespürt wird. In Pastelltönen mischen Polina Gorshkova und Hatsuna Megura den Klang ihrer Traversos in den der Streicher. Joaquim Palet und Johannes Birk demonstrieren, wie technisch makellos und klanglich umwerfend sich Naturhörner heute einsetzen lassen.

Alexandra Scherrmann vom Staatstheater-Ensemble trägt mit großem dramatischen Gestus ihren beweglichen Sopran fast ohne Aufwand durch die weit ausgesponnenen Rezitative der „Ino“. Den Arien verleiht sie eine dichte Atmosphäre. Telemann, der Vielseitige – Bönisch hat nicht von ungefähr diesen Titel über das Konzert gesetzt.

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