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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Bildung: Geniale Musik für große Liebe

02.12.2017

Wildeshausen Seine große Liebe hat er nicht selbst im Sturm erobert. Sie hat ihn vielmehr wie ein Blitz getroffen. „Das Instrument ist mir in der Musikschule einfach zugewiesen worden“, erzählt Levon Allahverdyan. Damals war er elf Jahre alt und lebte in Erivan, der Hauptstadt Armeniens. „Dann fing die Quälerei an“, blickt er zurück. Üben, üben, üben. Aber das Instrument wurde dennoch seine große Liebe: das Cello.

Die Landesmusikräte haben das Cello kürzlich zum „Instrument des Jahres 2018“ gekürt. Seit 2008 läuft dieses Projekt. Das ist eine überfällige Entscheidung, werden Cellisten sagen. Das Instrument, das im Hauptregister am besten den Bereich der menschlichen Stimme abdeckt, hat derzeit Hochkonjunktur. Auch in der Musikschule des Landkreises Oldenburg, wo Allahverdyan vertretungsweise unterrichtet.

„Arme lagern tief“

Der 41-jährige Musiklehrer hat zunächst auf dem Konservatorium in Erivan, später an der Hochschule für Künste in Bremen studiert. „Es ist ein sehr schweres Instrument“, räumt er ein, „wie eigentlich jedes Streichinstrument.“ Doch im Vergleich zur Violine sei die Haltung beim Spielen des Cellos viel natürlicher. „Die Arme lagern tief. Der Rücken ist eher entspannt“, meint Allahverdyan. Und er legt los: eine Mozart-Sonate. Der 41-Jährige ist hochkonzentriert, ganz in sich gekehrt. Aber der Klang des Violoncellos füllt den Raum im Musiktrakt des Gymnasiums komplett aus. Obwohl niemand an den Schülertischen sitzt, entsteht der Eindruck, Allahverdyan spiele vor großem Publikum.

Das Instrument erreicht einen Tonumfang von fast fünf Oktaven. Wie alle Streichinstrumente bauen sich die Spieler Eselsbrücken für die Stimmung der vier Saiten auf A-D-G-C. „Ach du großes Cello“, heißt eine, von der höchsten zur tiefsten. Oder: „Caesar geht durch Athen“, andersherum von unten her. Das versucht der Musiklehrer auch seinen Schülerinnen und Schülern, allein in Wildeshausen und Ganderkesee sind es derzeit 14, zu vermitteln.

Das Cello hat in Deutschland an Popularität gewonnen. Das liege wohl daran, dass das Instrument universell eingesetzt werden kann: Es eigne sich als Begleitstimme, als Solostimme oder als Bass. Anfänger müssten mindestens drei bis vier Jahre üben, ehe sie die ersten Melodien flüssig spielen könnten. Aber dann sei die Auswahl an Stücken einfach riesig.

„Es gibt geniale Musik für dieses Instrument“, antwortet Allahverdyan auf die Frage, warum denn das Cello für ihn etwas Besonderes sei. Fast alle großen Komponisten wie Beethoven, Bach oder Tschaikowsky lassen sich im Original spielen. Zudem nennt Allahverdyan Namen wie den Italiener Luigi Boccherini (1743-1805), ein Komponist und Cellist der vorklassischen und klassischen Epoche, oder den deutschen Cellisten Bernhard Romberg (1767-1841), der übrigens in Dinklage geboren worden ist. Gern spielt Allahverdyan Bachs Suiten für Violoncello. Derzeit arbeitet er an der dritten Suite.

Nicht zuletzt durch große Solisten wie die Argentinierin Sol Gabetta gerate das Cello derzeit in den Blick. Es sei an den Musikschulen gefragt. In manchen Orchestern hätten die Cellisten eine respektable Stellung. Allahverdyan selbst hat fünf Jahre lang in dem bekannten „Caucasian Chamber Orchestra“ gespielt, das von dem deutschen Dirigenten und Komponisten Uwe Berkemer in Tiflis (Georgien) gegründet wurde.

Das ist Geschichte. Allahverdyan konzentriert sich auf den Nachwuchs. Für Deutschland wünscht sich der Armenier, dass der Staat mehr in die musische Ausbildung der jungen Leute investiert. „Die Musik hat eine große Wirkung auf die Menschen.“

Aus Werkstatt „Lupots“

Das Instrument ist inzwischen seine ständige Begleiterin. Allahverdyan hat ein altes französisches Barockcello, das aus der Werkstatt des bekannten Instrumentenbauers Nicolas Lupot stammt. Es sei zwar etwas beschädigt, aber die Reparatur sei derzeit zu teuer. Und was wäre gewesen, wenn er sich in der Kindheit spontan für eine musikalische „Liebe“ hätte entscheiden sollen? „Dann wäre es vermutlich eine Violine geworden“, sagt Allahverdyan, „vielleicht hätte ich es bereut.“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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