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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Hat der Sonntagsgottesdienst ausgedient?

16.11.2019

Wildeshausen /Dötlingen Müssen am Sonntagmorgen um zehn die Kirchenglocken läuten? „Ja!“, sagt Markus Löwe, einer der drei Gemeindepfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wildeshausen. Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) hat mit einer Studie zum Kirchgang jüngst den Fortbestand des traditionellen Sonntagsgottesdienstes in Frage gestellt. Ihren Gemeinden empfahl sie, „engagierter und ergebnisoffener“ darüber zu diskutieren – vor allem hinsichtlich der geringen Reichweite des Gottesdienstes sonntagmorgens um zehn. Den besuchen laut EKD nur rund drei Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder.

Am Sonntagsgottesdienst möchte Markus Löwe nicht rütteln, zu wichtig ist er für ihn. Als Kernstück einer Gemeinde möchte er ihn aber nicht bezeichnen. „Er hat eine sehr hohe Bedeutung. Aber diesen Zustand, von dem viele Menschen vielleicht träumen – der Sonntagsgottesdienst als absolutes Zentrum –, den hat es so nie gegeben“, sagt er.

Neue Formate notwendig

Er sei für die Öffnung des Gottesdienstes für andere Formate, die an heutige Lebenswelt angepasst sind. „Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich geändert. Manche möchten sonntagmorgens vielleicht lieber ausschlafen“, sagt Löwe. Das heiße aber nicht, dass man diese Menschen nicht mehr erreiche. Allerdings müsse man sich zugleich davon verabschieden, Formate zu finden, die für alle passten.

In Wildeshausen gibt es zum Beispiel seit vielen Jahren Familiengottesdienste, Kindergottesdienste oder den „G 17“: einen Abendgottesdienst um 17 Uhr an jedem letzten Sonntag im Monat. „Der spricht andere Menschen an als jene, die man sonntags um zehn in der Kirche trifft“, sagt Löwe. Wieder andere Menschen fühlen sich angesprochen von „Alex 18:30“, einem Jugendgottesdienst, der viermal im Jahr freitagabends angeboten wird – mit großem Aufwand: eine Bühne wird aufgebaut, die „Alex-Haus-Band“ organisiert. „Der Vorteil ist aber, wir können viele Menschen damit erreichen“, so Löwe.

Sonntag ist der Anker

„Zielgruppen- oder themenorientierte Gottesdienste“ nennen Susanne Schymanitz und Claudia Hurka-Pülsch, Pfarrerinnen bei der evangelischen Kirchengemeinde Dötlingen, diese zusätzlichen Formate, die es auch in Dötlingen gibt.

Die beiden sehen den Sonntagsgottesdienst sehr wohl als Kernstück der Gemeinde. „Für mich ist das wie ein Anker in der Woche, in der ich mir Zeit nehme für Gott“, sagt Claudia Hurka-Pülsch. Auch Theologin Susanne Schymanitz verwendet ein Bild: Der Sonntagsgottesdienst sei wie eine Tankstelle. „Der Alltag fordert viel Kraft. Am Sonntag im Gottesdienst können wir runterkommen, Belastendes ablegen, neu auftanken. Da habe ich einen Ort, eine Zeit und eine Gemeinde, bei der ich alles lassen und neue Kraft schöpfen kann.“

Sie erwarte nicht, ihre gesamte Gemeinde beim Sonntagsgottesdienst zu sehen – mal ganz abgesehen davon, dass die rund 3500 Gemeindemitglieder gar nicht in die St.-Firminus-Kirche passen würden. Es sei aber sehr wohltuend zu wissen, dass man in der Zeit von der Gemeinde getragen werde. Noch einmal verwendet Schymanitz ein Bild: „Wenn ich Kino toll finde, heißt das ja trotzdem nicht, dass ich jede Woche ins Kino gehe.“ Oder, etwas drastischer: „Zu wissen, dass es die Feuerwehr gibt, gibt mir Sicherheit. Auch wenn es nicht brennt.“ So sei es für viele Menschen schon tröstlich zu wissen, dass am Sonntag um zehn Uhr Gottesdienst gefeiert wird.

Neue Formate, um alle Gemeindemitglieder in ihren jeweiligen Lebensrealitäten abzuholen, finden die beiden Pfarrerinnen wichtig. Ebenso wichtig sei aber, dass der Sonntagsgottesdienst als verlässliche Konstante bestehen bleibe. „Die Themengottesdienste bereichern die Gemeinde. Aber der Sonntagsgottesdienst bleibt der Anker“, sagt Hurka-Pülsch.

Gemeinde einbinden

In Dötlingen werden, wie in Wildeshausen, seit Jahren Gottesdienste speziell für Familien, Kinder, Jugendliche oder Senioren gefeiert, um möglichst viele Gemeindemitglieder zu erreichen. Dazu kommen besondere Festgottesdienste, etwa für Konfirmationsjubilare oder bei goldenen Hochzeiten, und „externe“ Gottesdienste, wenn die Pfarrerinnen zum Beispiel in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen Gottesdienst feiern. „Uns liegt schon sehr daran, möglichst viele einzuladen, und auch einzubinden“, sagt Claudia Hurka-Pülsch. In Dötlingen gibt es beispielsweise die zwischen September und Ostern stattfindenden Jugendgottesdienste, die die Konfirmanden mitgestalten. Oder die Passionsandachten, die in diesem Jahr „raus aus der Kirche, rein in die Gemeinde“ verlegt wurden, wie Hurka-Pülsch erzählt: Da die Andachten in der Kirche tatsächlich nicht gut besucht waren, überlegte man sich ein anderes Konzept: Die Andachten wurden an markanten Stellen in der Gemeinde abgehalten, Gemeindemitglieder gestalteten sie mit. Die Beteiligung stieg von um die zehn auf um die 30 Gemeindemitglieder.

Beteiligung ist ein Punkt, den auch Löwe betont: „Der Zehn-Uhr-Gottesdienst ist die Basis, von der wir kommen, und der muss gut vorbereitet und gut gestaltet sein. Der Schlüssel zu einer guten Gottesdienstgestaltung ist aber: Wir müssen neue Beteiligungsformen schaffen.“ Man dürfe aber aber nicht den Fehler machen zu sagen, nur ein Gottesdienst sei der einzig richtige. „Alle sind wichtig“, betont Löwe.

Nathalie Meng Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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