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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Gemeinschaft: Raum für geschützten Austausch

02.12.2019

Wildeshausen Gut 480 Logen gibt es in Deutschland. Doch in der Wildeshauser Geest war quasi „ein weißer Fleck“, sagt Dr. Walter Werner. Der 68-jährige Arzt ist Meister vom Stuhl, also Leiter, der neuen Loge „Zur Morgenröte in der Geest“. Sie wurde mit der rituellen „Lichteinbringung“ im Wildeshauser Rathaus“ im April vergangenen Jahres offiziell ins Leben gerufen. Damals gründeten 13 Männer die weltanschaulich unabhängige Gemeinschaft; heute sind es bereits 26. Sie kommen aus weiten Teilen der Region, auch aus den benachbarten Landkreisen Vechta, Cloppenburg und Diepholz, zu den regelmäßigen Versammlungen in die Kreisstadt.

Bund freier Menschen

Die Freimaurer verstehen sich als ein ethischer Bund freier Menschen, mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundsätze der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität (siehe Info-Box).

die Loge „Zur Morgenröte in der Geest“

Gegründet wurde die Freimaurerloge „Zur Morgenröte in der Geest“ offiziell am 21. April 2018 („Lichteinbringung“). Vorsitzender ist Dr. Walter Werner (68) aus Dötlingen. Die Loge steht in der Tradition der ethisch-humanitär arbeitenden Logen, wie sie in der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland zusammengeschlossen sind.

Die Loge nimmt Männer jeder Religion oder Weltanschauung auf; ganz gleich, ob sie Akademiker, Unternehmer, Angestellter, Beamter oder Handwerker sind: Es zähle allein die charakterliche Eignung. Die fünf freimaurerischen Grundsätze sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Menschenliebe. In Deutschland gibt es rund 480 Freimaurerlogen.

Gerade in der Mitte des Lebens kämen viele Menschen zu den Freimaurern, weil sie den Stress des Alltagslebens hinter sich lassen wollten und bestimmte Ideale verfolgen. So ging es auch Thorsten Wunde aus Voßberg, hauptberuflich tätig bei der Bremer SWB-Gruppe. „Mitte 40 habe ich mich gefragt, was kommt eigentlich noch?“ Wunde schloss sich damals der Bremer Freimaurerloge „Zur Hansa“ an. Heute ist der 51-Jährige Sekretär der Wildeshauser Loge. „Für mich war das genau der richtige Weg.“

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Die Loge „Zur Morgenröte in der Geest“ hat in der Zeit von September bis Juni einen festen Arbeitsplan. Die Brüder versammeln sich jeweils montags zur gemeinsamen Arbeit in der Loge. Der Begriff „Arbeit“ steht im maurerischen Sprachgebrauch ganz allgemein für die Teilnahme am Ritual, die Darlegung eines „Baustücks“, also eines Vortrags, sowie die Teilnahme an der Diskussion und Werken der Nächstenliebe. Sogar Themen wie „Auslandseinsätze der Bundeswehr“ oder „Burschenschaften in Deutschland“ stehen auf der Vortragsliste. An jedem dritten Montag im Monat werden Gäste zu den Versammlungen eingeladen.

Das maurerische Ritual darf jedoch nicht mit religiösen Gepflogenheiten verwechselt werden, es bezeichnet lediglich den protokollarischen Ablauf der maurerischen Arbeit. Die Brüder bekleiden sich mit Schurz und Bijou, dem Logenzeichen, und nehmen die ihnen zustehenden Plätze im Tempel ein. Der „Tempel“ ist kein Weiheraum im sakralen Sinn, sondern die Bezeichnung für den Versammlungsort. „Die Loge ist kein Raum für politische oder religiöse Auseinandersetzungen“, betont Werner. Er weist auf die „besondere Kultur des Umgangs“ miteinander hin. Die Diskussion verlaufe geordnet und sachlich, sie gehe nicht ins Persönliche. Anschließend habe der referierende Bruder Gelegenheit, zu den Diskussionsbeiträgen Stellung zu nehmen. Der Meister würdige die Debatte. „Bei uns wird mehr zugehört“, erklärt Wunde in wenigen Worten den Unterschied zur „weltlichen Streitkultur“. Und Werner zitiert gern den großen Philosophen Immanuel Kant: „Habe den Mut, Dich Deines Verstandes zu bedienen.“

Es sei aber auch immer wieder faszinierend, zu sehen, wie weltweit in den Logen gleich gedacht werde. Das werde deutlich in dem Film „In 80 Logen um die Welt“, den die Loge im Rahmen eines Gästeabends im März zeigen werde. Ein Filmemacher aus Belgien hat weltweit Freimaurerlogen besucht und diese porträtiert.

Die Freimaurer lehnen es laut Werner strikt ab, sich für bestimmte religiöse oder ideologische Strömungen vereinnahmen zu lassen. Vielmehr bieten Freimaurer ihren Mitgliedern einen abgeschirmten Raum zum freien Meinungsaustausch; zahlreiche Veranstaltungen der Freimaurer seien öffentlich. Die von Freimaurern geübte Verschwiegenheit beziehe sich lediglich auf das Brauchtum und sei – wie in jeder Gemeinschaft – Symbol für eine notwendige Schutz- und Vertrauensbasis. Auch dass die Freimaurerei ein Männerbund ist, habe keinerlei diskriminierenden Charakter gegenüber Frauen. Es gebe kulturelle Abende mit den Frauen, auch Garten- und Geburtstagsfeiern, erläutert Werner weiter.

Spenden für Musikschule

Dass die Loge „Zur Morgenröte in der Geest“ nicht hinter verschlossenen Türen arbeiten will, bewies sie mit ihrer Spendensammlung zugunsten der musikalischen Früherziehung, wie sie die Musikschule des Landkreises anbietet. Dank der Spenden können nun drei Kurse an Grundschulen und Kindertagesstätten stattfinden. Weitere Aktionen dieser Art werden folgen, kündigte Werner an. Das Ziel, die Welt ein bisschen besser zu machen, gehöre zur moralischen Grundüberzeugung der Freimaurer.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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