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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Mit dem Mähdrescher zur Diskothek

06.12.2018

Wildeshausen /Harpstedt „Laute Musik, wie es uns gefiel“ – zur Begrüßung erinnerte sich Peter Heinken, Vorstandsmitglied des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen, daran, weshalb Diskotheken für Jugendliche so wichtig waren und sind. Im Rahmen der Reihe „Geschichte im Rathaus“ hatte der Verein Victoria Biesterfeld und Werner Straukamp eingeladen, die im historischen Rathaussaal einen Vortrag zur Jugendkultur in der Region und dem Harpstedter Sonnenstein hielten.

Biesterfeld, Leiterin des Projekts „Landdiskothek Zum Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg, und Straukamp, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts, blickten zurück auf die Entwicklung. Einige Jahre sei der Betrieb eher „gemächlich“ verlaufen, erst Anfang der 70er, mit einem neuen Besitzer, nahm der Andrang zu, so Biesterfeld. Immer mehr Künstler kamen nach Harpstedt, bis der Sonnenstein ab den 90ern immer weniger Besucher, vor allem jüngere, hatte. Nur die Initiative des Museumsdorfs Cloppenburg verhinderte den Abriss. Auf dessen Gelände wird die Disco wieder aufgebaut.

Dass Landdiskotheken viele Besonderheiten hatten, zeigten laut Biesterfeld auch andere Anekdoten von Besuchern: Viele Gäste wohnten ein Stück weit entfernt und waren auf Fahrer und vor allem auf Fahrzeuge angewiesen. Da mussten Eltern als Taxifahrer herhalten oder Überlandbusse genutzt werden – und zur Not ging es mit dem Trecker oder dem Mähdrescher zum Sonnenstein.

Landdiskotheken wie der Sonnenstein hatten für die ländliche Jugend eine besondere Bedeutung: Hier konnten die jungen Menschen feiern wie sie wollten – und vor allem mit wem sie wollten. „Nicht wenige betonten, dass eine ganze Reihe von späteren, auch interkonfessionellen Eheschließungen auf Bekanntschaften aus der Disco zurückgeht“, sagte Biesterfeld und erntete zustimmendes Schmunzeln aus dem Publikum.

Die Bedeutung von Räumen für Jugendliche untersucht auch Straukamp, der sich mit „Diskotheken und Jugendkultur entlang der B 213, 1965 – 1989“ beschäftigt. Der Titel verrät, dass die Mobilität bei Jugendlichen auf dem Lande eine wichtige Rolle spielt: Die Straße sei die Bedingung dafür, von den Dörfern zu den Diskotheken zu kommen. In seiner Forschung geht Straukamp darüber hinaus und untersucht auch Kinos, Plattenläden, Jugendzentren oder Festivals. Beim Vortrag ging er darauf ein, was die Jugendlichen an solche Orte gezogen hat: Freizeitvergnügen und soziale Kontakte, auch zum anderen Geschlecht. Vor allem „von der Erwachsenenwelt unbeobachtete Freiräume“ wünschten sich die Jugendlichen. Musik spielte eine wichtige Rolle: Über Radio, Fernsehen und Kino kamen die Beatles, andere Pop- und Rockmusik und durch Kinos Filme wie Saturday Night Fever oder Dirty Dancing bei den Jugendlichen in ländlichen Regionen an. Und in Diskotheken, wie dem Sonnenstein, konnten sie dazu feiern – gemeinsam mit Gleichaltrigen, ohne die Erwachsenen.

Für Hinweise über das Diskotheken-Geschehen in Wildeshausen und Umgebung ist Werner Straukamp für seine weitere Forschung dankbar. Zu erreichen ist er per E-Mail: werner.straukamp@web.de.

Manuela Wolbers
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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