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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Glasklare Stimme sorgt für Gänsehaut

24.09.2019

Wildeshausen Manch einer mag sich gefragt haben: Wie passt das zusammen, die Alexanderkirche, quasi ein Synonym für Frieden, als Bühne für Cleopatra, die befehlshaberische Königin und Geliebte des Tyrannen Julius Cäsar? Es funktioniert. Der „Mut“ zu dieser hochkarätig besetzten Veranstaltung in Wildeshausen, von dem LzO-Vorstandsvorsitzender Michael Thanheiser bei seiner Begrüßung spricht, hat sich gelohnt. Die gut 250 Besucher in der alten Basilika erleben am Samstag mit der Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann und dem Barockorchester „La Folia“ einen außergewöhnlichen Konzertabend.

Gut 80 Opern aus dem 17. und 18. Jahrhundert befassen sich mit dem Leben und Leiden der Cleopatra. Johann Adolph Hasse, Carl Heinrich Graun und Antonio Vivaldi sind nur einige der Komponisten, die sich musikalisch mit der ägyptischen Herrscherin auseinandersetzen. Schon bei ihrem ersten Auftritt, der Eröffnungsarie aus Grauns „Cleopatra e Cesare“, deutet Mühlemann an, dass es mehrere Cleopatras gibt. Keineswegs nur die machtbesessene Figur. Mit einer feinen klaren Stimme, aber oft mit strengem Blick, zieht sie ihr Publikum in den Bann. Auch bei der folgenden Arie „Se tu sarai felice“ aus Giovanni Legrenzis (1626-1690) „Antioco il Grande“ zeigt die 32-jährige Schweizerin, warum sie in vielen bedeutenden Opernhäusern beinahe wie ein Pop-Star gefeiert wird: eine glasklare Intonation und lang ausgehaltene Phrasierungen, aber gelegentlich auch eine etwas rauchige Stimme.

„Eisen und Gift“

Zu den Höhepunkten zählt sicherlich Vivaldis Arie „Squarciami pure il seno“ unmittelbar vor der Pause, dargeboten mit viel Tempo, aber auch stilsicher gesetzten Atempausen. Wenn Mühlemann „Ferro e velenco mi ponno uccidere“ („Eisen und Gift, um zu töten“) singt, mit bösem Blick, aber zugleich einem gewinnenden Lächeln, fühlt sich wohl jeder in der Alexanderkirche von dieser Stimme mit ihrer eleganten Dynamik berührt. So erzeugt man Gänsehaut. Spätestens zu Beginn der zweiten Konzerthälfte, wenn die Sopranistin wie eine Königin entlang der Kirchenbänke schreitet, gleicht das Publikum einem Heer der Getreuen. Auch das Barockorchester nutzt den Interpretationsspielraum, den das Motiv „Cleopatra“ bietet. Eher heiter beschwingt ist die Interpretation der ersten zwei Sätze von Vivaldis Violinkonzert in D, „Il grosso mogul“, den „La Folia“ mit dem hervorragenden Geiger und Leiter Robin Peter Müller bietet. Der dritte Satz wird mit der Wucht eines Staatsorchesters dargeboten, fein nuanciert von Clemens Flick am Cembalo. Als vor Francesco Geminianis (1687-1762) Stück „La Follia“ eine Saite aus Müllers Violine reißt und zwei, drei Minuten vergehen, um das Instrument zu stimmen, gibt es aufmunternden Applaus vom Publikum. Das Warten hat sich gelohnt: Das Stück, fein eingeleitet von Katerina Ghannudi an der Harfe, spielt das Orchester bravourös. Und Müller stellt erneut expressiv seine „Teufelsgeiger-Qualitäten“ unter Beweis.

„Ganz große Kunst“

In der letzten Arie, Hasses „Morte col fiero aspetto orror“ bietet Mühlemann, inzwischen im langen schwarzen Rock mit glänzenden Oberkleid, ihr ganzes Können auf. Zur unglaublichen Wucht der Violinen presst sie das „libertà“, das Verlangen nach Freiheit, heraus. Der Riesenbeifall sind dem Orchester und ihrer Solistin sicher. Die Freude steht der Schweizer Künstlerin ins Gesicht geschrieben. Die erste Zugabe, die Arie „Quando Voglio“, eingeleitet von Katerina Ghannudi an der Harfe, ist ein eloquenter Spaß. Anrührend schön ist die zweite Zugabe: Die Sopranistin singt Johann Matthesons „Mein Leben ist hin“. Cleopatra ist wieder Regula Mühlemann geworden.

Die Besucher zeigen sich begeistert von einem außergewöhnlichen Konzertabend in Wildeshausen. „Wahnsinn, einfach toll“, sagen Angelika und Helmut Fecker aus Harpstedt, als der Applaus verklungen ist. Auch Werner Stommel, Vorsitzender des Kulturkreises Wildeshausen, der neben der Niedersächsischen Sparkassenstiftung zu den Veranstaltern gehört, findet kaum Worte: „Das ist einfach große Kunst, ganz große Kunst.“ Aus Seefeld (Wesermarsch) ist Fulko Thaden gekommen. „Ich habe Regula Mühlemann beim Adventskonzert in der Dresdner Frauenkirche gesehen“, erzählt er. „Ich musste sie unbedingt in Wildeshausen erleben.“ Viele Besucher lassen sich von der Ausnahmekünstlerin noch Autogramme auf CD oder Programmheft geben.

Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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