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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Als das Bauhaus nach Wildeshausen kam

10.07.2019

Wildeshausen Mit dem Künstler verbindet sie nur die besten Erinnerungen: „Er war ein sehr ruhiger Mensch, in sich gekehrt“, sagt die Wildeshauserin Altrud Schulte. Die Rede ist von Karl Schwoon. Der namhafte Künstler, entscheidend geprägt vom 1919 gegründeten Bauhaus, zog 1969 nach Wildeshausen. Es entstand eine kleine Künstlergemeinschaft, zu der auch Henry Garde (1899-1977), Franz Römer (1911-1985) und Günter Schönfeld (1911-1988) gehörten. Sie trafen sich oft zum Tee bei Irmapia Bahrenburg (1904-1986).

Zwischen Schwoon und dem Wildeshauser Zahnarzt Dr. Hans-Jürgen Schulte und seiner Frau Altrud entwickelte sich eine Freundschaft. „Wir waren oft in seinem Haus an der Delmenhorster Straße zu Gast“, erzählt Altrud Schulte (79). Einige seiner Bilder hingen in der Arztpraxis. Wenn er zur Behandlung kam, wollte er auch „seine Kinder“, also die Bilder, wiedersehen.

Derzeit widmet sich die Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung“ im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg dem Schaffen namhafter Bauhäusler im Oldenburger Land. Diese Geschichte ist untrennbar mit Schwoon verbunden.

Schwoon, 1908 in Oldenburg geboren, studierte von 1927 bis 1931 am Bauhaus in Dessau bei Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer. Anschließend arbeitete er in einem Berliner Verlagshaus und als freischaffender Künstler. Im Zweiten Weltkrieg war er von 1943 bis 1945 Bildberichterstatter in Frankreich und an der Ostfront. Bilder aus dieser Zeit sind Teil der Ausstellung in Oldenburg. Sein gesamtes Frühwerk wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Nach dem Krieg eröffnete Schwoon 1947 die erste Oldenburger Avantgardegalerie.

Er war „einer der regsten Künstler, die sich um die Wiederaufforstung einer verödeten und vereinseitigten Kulturlandschaft bemühten“, hieß es in einer Würdigung Schwoons anlässlich seines 65. Geburtstags. Die Galerie in der Brüderstraße 31 in Oldenburg sollte nicht nur Ausstellungen zeigen, sondern auch „eine Heimstatt für die bildenden Künstler Oldenburgs mit Aussprache- und Vortragsabenden, musikalischen und literarischen Veranstaltungen“ sein, wie sich der Kunstkritiker Jürgen Weichardt erinnert. Doch im März 1949 musste Schwoon die Galerie in Oldenburg schließen.

Der Bauhaus-Schüler arbeitete von 1951 bis 1961 als Bildredakteur bei der Zeitschrift „Hör zu“ in Hamburg. Neben seinem journalistischen Wirken gründete er in der Hansestadt die „Galerie 13“, die sich ebenfalls schnell in der Kunstszene einen Namen machte. 1969 zog er in ein Haus an der Delmenhorster Straße in Wildeshausen, wo er ebenfalls ein Atelier betrieb. Am 3. Januar 1976 starb Schwoon in der Kreisstadt.

In dem Nachruf schrieb seine Wegbegleiterin Irmapia Bahrenburg: „Wir waren Ihnen immer dankbar für Ihre Kollegialität, für Ihr liebenswürdiges Lob, für Ihre Zusprache. (...) Sie waren uns ein Vorbild und werden es immer bleiben.“ Bahrenburg dokumentierte unter anderem das Vereinsleben in der Kreisstadt zwischen 1920 und 1975. Sie sammelte in diesem Zusammenhang Zeitungsartikel, die heute zum Archiv des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen gehören.

In seiner Wildeshauser Zeit war Schwoon überaus kreativ. Er malte viel und organisierte diverse Ausstellungen, etwa im Sommer 1973 in der Filiale der Deutschen Bank in Delmenhorst. Eine umfassende Gedächtnisschau über das Wirken Schwoons organisierte im Sommer 1978 das Stadtmuseum Oldenburg.

„Viele seiner Werke gelangten ins Bauhaus-Archiv, das seit 1971 seinen Sitz in Berlin hat“, wie die Kuratorin der aktuellen Oldenburger Ausstellung, Gloria Köpnick, 2018 in einem Beitrag für das Oldenburger Jahrbuch schreibt. Im Bauhaus-Archiv sowie in verschiedenen öffentlichen Sammlungen und in Privatbesitz hätten sich rund 650 Werke Schwoons erhalten.


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Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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