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NWZonline.de Region

Die verschiedenen Seiten Martin Luthers

13.11.2017

Wildeshausen „Luther: Revoluzzer, Träumer, Populist – oder was?“, so die reißerische Überschrift des „Männertalks“ in der „Gildestube“ in Wildeshausen. 36 Männer kamen zum Frühstück und folgten den Ausführungen von Pfarrer Nico Szameitat. Er ist Beauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg für das Reformationsjubiläum und damit Kenner des Lebens und Wirkens Martin Luthers.

Der Männertalk, eine überkonfessionelle jährlich stattfindende Veranstaltungs- und Vortragsreihe, beschäftigte sich mit den Überlegungen zu heutigen Erfolgsaussichten Luthers. Passend dazu hatte Szameitat seinen Vortrag unter die Überschrift „Ein neues Lutherbild für die Kirche“ gestellt und in fünf Kapiteln über das Wirkungen Luthers erzählt.

Kuriose Angebote

„Als Beauftragter für das Reformationsjubiläum bekommt man ja mancherlei kuriose Angebote und Anfragen“, stieg der Pfarrer in seine Ausführungen ein. Das reiche von Backmischungen für Lutherkuchen bis zu hin zu Luthermedaillen. „Eine spannende Anfrage kam aber von der Pastorin einer Gemeinde aus Friesland“, so Szameitat. Es ging darum, welches Bild Luthers in der Kirche aufgehängt werden könne. Heraus kamen viele Gesichter Luthers. Eben die vom Revoluzzer bis hin zum Träumer und Populisten.

Für Szameitat ergab sich daraus die Frage, welches Bild, auch im übertragenen Sinne, man heute noch einer Gemeinde zumuten kann.

Der Einstig in die Materie zeigte, wie schwierig es ist, ein einheitliches Bild Luthers zu finden. Ein Revoluzzer sei er jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne gewesen, so Szameitat. Dann eher ein Wutbürger? „Tatsächlich wagt Luther etwas Unglaubliches. Getrieben von seinem Glauben und seinem Gewissen – heute würden wir von Prinzipien reden – nimmt er es mit den Mächtigen auf. Abseits vom Mainstream.“

Ein anderes Bild zeige der Maler Jost Heyder in der Auftragsarbeit. Er bannte Luther auf Leinwand, als er in der Bibel liest und seine bahnbrechenden Entdeckungen macht. Auf dem Bild wirkt das, als träumte Luther. „Ja, er war ein Träumer, ein Visionär und Prophet, der nicht aufhörte, an das Gute zu glauben. Manchmal täte uns so ein Luther wieder ganz gut“, betonte Szameitat.

Luther und die Medien

Ein anderes Bild sei Luther als Populist. Luther habe sich des positiven Populismus mithilfe eines Medienmoguls bedient: Lucas Cranach. Der sei nicht nur Maler frommer Bilder gewesen, sondern auch Multitalent. Luther habe es so geschafft, seine Ideen auf Flugblattlänge zu verteilen.

Ein weiteres Bild zeigt Luther in einer Ausstellung Stephan Balkenhols. Als „nackter Mann“ lässt er allen Schutz fallen – eine Holzfigur, die aus einem tintengetränkten Block erwächst.

Szameitat schlussfolgerte aus seinen Ausführungen, dass Luther heute einfach Christ und über seinen damaligen Hass gegen Juden mit dem Wissen unserer heutigen Zeit beschämt wäre. Er würde die Medien ausnutzen und wäre so klug, sich mit Freunden zu umgeben, die diese Medien bedienen könnten. Seinen Feind würde er nicht im Vatikan, sondern in den Reihen der Vorstandsvorsitzenden der Finanzwirtschaft suchen. Und er hätte Erfolg bei seinen Vorhaben, ist sich Szameitat sicher.

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