Wildeshausen Die Chormusik, genauer: die der Männergesangvereine, liegt Carl-Mathias Wilke besonders am Herzen. Er war von 2012 bis 2016 Präsident des Chorverbandes Niedersachsen-Bremen, genoss seit früher Kindheit eine musikalische Ausbildung und beteiligte sich an renommierten Chorprojekten. Auf Einladung des Bürger- und Geschichtsvereins referierte Wilke nun im Wildeshauser Rathaus zur Entwicklung der Laienchöre in Nordwestdeutschland.
Präzise ging er auf die Problematik ein: Dem „Männersterben“ in den Männergesangvereinen konnten sich nur wenige Vorstände und Chöre entgegenstemmen. Auch nicht in Wildeshausen. Wilke ging auf die Gründung einer Chorgemeinschaft ein, in der sich die beiden Männergesangvereine „Liedertafel“ und „Euphonia“ 2017 wegen Nachwuchsmangel zusammenschlossen. „Ich suche nach Ansätzen, diese Entwicklung zu stoppen und ins Gegenteil umzukehren“, erklärte er auf Nachfrage. Es gehe dabei auch um die Bedürfnisse der Männer.
„Wollen wir einen Gesangverein gründen, kommen 19 Frauen und ein Mann. Warum?“, fragte Wilke. „Frauen sind anders, Männer aber auch.“ Es sei deshalb die Frage, wie und wo wir anfangen. Im Kindergarten, im Knabenchor? Es müsse der Jugend aufgezeigt werden, dass Singen auch ein Kulturgut sei. Aber in Zeiten sozialer Medien sei der Nachwuchs immer schwerer zu erreichen. Wilke hinterfragte, welche Angebote Chöre machen sollten.
Gezeigt wurden vor dem Vortrag wieder historische Aufnahmen aus dem Fundus des Bürger- und Geschichtsvereins. Dazu gehörten unter anderem Fotos zum 100-jährigen Bestehen der Wildeshauser Liedertafel von 1848 beim Bundessängerfest 1949 oder vom Sängerfest des Sängerbundes „Harmonia“ 1957.