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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

In Alexanderkirche springt der Funke über

23.12.2017

Wildeshausen Normalerweise ist die Alexanderkirche leer an diesem dunklen Dezember-Nachmittag. Kein Pilger, kein Pastor, kein Besucher. Still ist es aber nicht. An der mehr als 50 Jahre alten Kleuker-Orgel spielt Anton Bovensmann das „Praeludium – Fuge und Ciacona in C-Dur“ von Dietrich Buxtehude. „Eines meiner Lieblingsstücke“, erklärt der 15-Jährige, der nahezu täglich an der „Königin der Instrumente“ übt. Das jahrelange Training hat sich gelohnt: Gerade hat Anton Bovensmann eine mehr als zweijährige kirchenmusikalische Ausbildung für den nebenberuflichen Dienst als Organist und Chorleiter mit der C-Prüfung abgeschlossen - als einer der jüngsten überhaupt.

Start am Klavier

Dabei war die Orgel zunächst gar nicht „erste Wahl“ des Wildeshauser Gymnasiasten. Anton Bovensmann begann seine musikalische Karriere vor gut acht Jahren zunächst auf dem Klavier, unterrichtet von Hedwig Stahl von der Kreismusikschule. Bei einem Silvesterkonzert mit Kirchenmusikdirektor Ralf Grössler sprang dann aber der Funke über. „Ich war sehr beeindruckt“, erzählt er. Der Schüler vereinbarte eine Schnupperstunde bei Grössler. Dabei spielte er ein Bach-Präludium. Das war vor rund dreieinhalb Jahren. Seitdem nimmt Bovensmann bei dem Wildeshauser Kantor Orgelunterricht.

Im Unterricht galt das Hauptaugenmerk zunächst den Pedalen. Der Tonumfang mit den 32 Tasten reicht über etwa zweieinhalb Oktaven. Bovensmann kaufte sich eigens schwarze Schuhe mit dünnen Sohlen fürs Orgelspiel. So kann er gefühlvoll die Anschläge durchführen. Ungeübte Beobachter kommen mit dem Auge kaum nach, wenn er über die schwarzen und weißen Pedalen „läuft“.

Sofern es die Zeit zulässt, probt der 15-Jährige täglich zwei bis drei Stunden, am liebsten gleich nach dem Schulunterricht. „Leider werden derzeit die Hände kalt. Das ist natürlich blöd“, lacht er. Auch hat der junge Kirchenmusiker schon festgestellt, dass die Wildeshauser Kleuker-Orgel, die demnächst einem neuen Instrument weichen soll, in die Jahre gekommen ist. „Leider pfeifen die Windladen des Schwellwerks“, erzählt er, „die ganz leisen Register sind daher kaum noch zu benutzen.“ Bovensmann schwärmt von der neuen Hauptorgel der Konstantinbasilika in Trier, die er sich während einer Klassenfahrt angesehen hat, und dem Instrument in der Klosterkirche Vechta von Orgelbauer Gerald Woehl.

„Jugend musiziert“

Bereits vor zweieinhalb Jahren bestand Bovensmann die sogenannte D-Prüfung mit Bravour. Für den C-Schein fuhr er zwei Jahre lang jeden Freitag nach Oldenburg. In dem jeweils dreistündigen Kursus wurden Fächer wie Musiktheorie, Musikgeschichte, Theologie, Liturgik (Lehre vom Gottesdienstablauf), Hymnologie (Lehre der Gesangbuchlieder), Orgelbau und Chorleitung unterrichtet. Zur Prüfung im Hauptfach Orgelspiel gehörte unter anderem ein Literaturteil, in dem der Gymnasiast eine Fuge von Bach in G-Moll (BWV 578) interpretierte oder Regers Choralbearbeitung „Meinem Jesum lasse ich nicht“ vortrug. Gespielt hat er dabei auf der Orgel der Oldenburger Hauptkirche St. Lamberti, die mit ihren 52 Registern als größte Orgel im Oldenburger Land gilt. „Das hat richtig Spaß gemacht.“ Insgesamt zehn Prüfungen hat er für den C-Schein bestanden. Im Januar 2018 nimmt Bovensmann am nächsten Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Die Orgel kommt bei diesem musikalischen Wettstreit nur alle drei Jahre an die Reihe.

Seinen ersten Orgel-Einsatz in einem Sonntagsgottesdienst hatte der Schüler übrigens im benachbarten Dötlingen. Dort vertrat er Organist Markus Häger. Aber auch an der Orgel in der Diakonie Himmelsthür und der Alexanderkirche ist Anton Bovensmann regelmäßig zu hören. So war er im Frühjahr gleich mehrfach an der Reihe, da Ralf Grössler zur Vorbereitung auf den Kirchentag in Wittenberg mehrere Wochen freigestellt war. Gemeinsam mit den Pastoren spricht er die Musik des Gottesdienstes durch. „Sie geben mir viele Freiheiten. Ich könnte auch wählen, falls einmal Stücke zu schwer sein sollten.“ Das sei noch nicht vorgekommen.

Weiter Unterricht

Das Los der Organisten ist es, dann zu arbeiten, wenn andere die Feiertage genießen können. Das gilt auch für Anton Bovensmann. Erstmals spielt er in diesem Jahr an Heiligabend – während eines Familiengottesdienstes um 15 Uhr in der Harpstedter Christuskirche. Gleich am 1. Weihnachtstag geht es im 10-Uhr-Gottesdienst in der Alexanderkirche weiter.

Fortgesetzt wird auch der Orgel-Unterricht bei Ralf Grössler. Es gebe noch viele Musikrichtungen, die er auf der „Königin der Instrumente“ noch nicht gespielt hat – wie Werke des französischen Komponisten Marcel Dupré (1886-1971). Ob er später vielleicht selbst Musik studieren möchte, lässt der Zehntklässler noch offen. „Vielleicht“, sagt er nur – und spielt konzentriert ein Intermezzo von Max Reger. Es gehört zu seinen Lieblingsstücken auf der Orgel.


Ein Video gibt es unter   www.nwzonline.de/videos 
Video

Stefan Idel
Redaktionsleitung
Redaktion Wildeshausen
Tel:
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