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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Kultur

Soldaten pflegen Gräber auf Friedhof

27.09.2019

Wildeshausen Sebastian Hayen kniet auf der Erde und zupft rund um die Eisbegonien Unkraut. Vor dem Soldaten steht ein Grabstein neben dem anderen. Mit 15 weiteren Kameraden des Logistikbataillons 161 aus Delmenhorst hat er am Donnerstag auf dem Ehrenfriedhof in Wildeshausen Hand angelegt: das Gras von den Steinplatten gekratzt, die Hecken geschnitten oder auch Laub gesammelt. Direkt vor Hayen steht der Grabstein eines Soldaten, der im Alter von 20 Jahren im Zweiten Weltkrieg starb. „Es ist erschreckend, wie jung die Soldaten gestorben sind“, sagt der 22-Jährige. „Die Grabpflege ist eine gute Sache, ich mach’ das gern.“

Das Logistikbataillon der Bundeswehr und die Stadt sind im vergangenen Jahr eine Patenschaft eingegangen. „Bei der Überlegung, wie wir die Patenschaft mit Leben füllen können, wollten wir uns nicht auf die Spendensammlung zum Volkstrauertag beschränken“, erklärt Bürgermeister Jens Kuraschinski.

Nach Darstellung von Kompaniechef Jörg Lackner ist die Grabpflege in Wildeshausen Teil der politischen Bildung der Soldaten. Dabei habe er zwei Schwerpunkte gesetzt. 100 Jahre Kriegsgräberfürsorge samt Totengedenken und der Widerstand der Gruppe um Stauffenberg gegen das Nazi-Regime: „In jeder größeren Stadt gibt es Kriegsgräber, sie geraten zunehmend in Vergessenheit“, meint Lackner. „Jeder sollte mal einen Soldatenfriedhof besuchen und überlegen, ob unsere Gesellschaft nationalistische und völkische Ideologien will. Solches Gedankengut hat zwei Weltkriege ausgelöst.“ Die Grabsteine in Wildeshausen seien auch stille Mahnmale.

Der Bürgermeister denkt über Deutschland hinaus. „Es gibt Menschen, die Europa anzweifeln. Dabei ist die Europäische Union dafür verantwortlich, dass wir seit über 70 Jahren in Frieden leben.“ Nur mit den richtigen Lehren aus der Vergangenheit könne die Zukunft gestaltet werden.

Zum ersten Mal auf einem Ehrenfriedhof ist der ebenfalls 22-jährige Rudolf Albrecht. „Wir haben uns freiwillig für die Grabpflege gemeldet“, erzählt er. „Wir sind es der Generation schuldig, dass wir uns um ihre Gräber kümmern.“ 169 Menschen liegen auf dem Ehrenfriedhof begraben. Es sind nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten. Auf den Grabsteinen stehen nicht nur deutsche Namen. Die Gräber werden jedes Jahr gepflegt, berichtet der Bürgermeister, aber nicht so intensiv wie jetzt.

Der Arbeitseinsatz der Soldaten hat am Donnerstag um 9 Uhr mit einem Frühstück begonnen. Gut eine halbe Stunde später hat sich die Truppe ans Werk gemacht. Zum Abschluss hat sie sich mit dem katholischen Militärpfarrer aus Oldenburg, Martin Roth, zu einer Andacht zusammengefunden. Dabei ist das Lied vom guten Kameraden geblasen worden.

Die Kompanie von Jörg Lackner mit 128 Soldatinnen und Soldaten war schon mehrfach in Krisengebieten wie Afghanistan und dem Kosovo. „Nächstes Frühjahr erhalten wir einen neuen Einsatzbefehl für Afghanistan“, sagt der Hauptmann. Tote habe seine Kompanie zum Glück noch nicht zu beklagen.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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